Chancen bei Edelmetallen: Zurück zu goldenen Zeiten!

2018 war für Edelmetalle bisher ein glanzloses Jahr. Für Gold, Platin & Co ging es abwärts. Jüngst kam es zu einer Erholungsbewegung. Wird diese anhalten?
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von Max Holzer, Gastautor für €uro am Sonntag
Donald Trump hat im März 2018 das protektionistische Feuer eröffnet, insbesondere gegen China, aber auch gegen Kanada, Mexiko und die EU. Immer wieder kam es vonseiten des US-Präsidenten zu neuen Drohungen, Strafzolleinführungen und Vergeltungsmaßnahmen. Dann kündigte Trump im Mai den Atomdeal mit dem Iran auf. Und mit Nordkorea drohte die Lage zu eskalieren, bevor es schließlich zu einem Treffen Trumps mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur kam.

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Plus500: Beachten Sie bitte die Hinweise5 zu dieser Werbung.Auch in den Schwellenländern trübte sich das Bild ein. Es kam zur Krise in der Türkei und Argentinien. Diese Liste der geopolitischen Krisenherde ist noch nicht einmal vollständig, zeigt aber: 2018 gab es viele Unsicherheiten, die eine Flucht in die "sicheren Häfen" am Kapitalmarkt gerechtfertigt hätten. Doch während beispielsweise der japanische Yen, US-Dollar und Anleihen hoher Bonität gesucht waren, war Gold als Krisenwährung entgegen klassischer Erfahrungen nicht gefragt.
Vor allem zwei Faktoren setzten dem Metall zu: Zum einen belastete der starke US-Dollar, denn dadurch wird das Edelmetall, das in US-Dollar notiert ist, für die goldaffinen Schwellenländer teurer. Zum anderen setzte der spürbare Anstieg der US-Realzinsen, die im bisherigen Jahresverlauf auf ein Siebenjahreshoch geklettert sind, das Edelmetall unter Druck. Steigende Zinsen machen Gold weniger attraktiv. Wer eine auskömmliche Rendite auf eine nahezu risikolose Anleihe erhält, hat keinen Grund, sein Geld in Gold anzulegen, das sein Dasein im Safe fristet und keine laufenden Erträge bringt.
Doch das Bild hat sich jüngst gedreht. Im Zuge des globalen Abverkaufs an den Aktienmärkten Mitte Oktober kletterte der Goldpreis binnen kurzer Zeit um knapp drei Prozent. Die Rolle als sicherer Hafen scheint wieder intakt zu sein. Und auch wenn sich die Marktlage etwas entspannt hat, spricht nach vorne gerichtet einiges für einen weiteren Preisauftrieb. Durch den bereits hinter uns liegenden Renditeanstieg am US-Rentenmarkt, der unter anderem die Börsenturbulenzen ausgelöst hat, und der robusten US-Kerninflation von 2,2 Prozent im September dürfte seitens der Realzinsen keine große Belastung mehr ausgehen. Auch der US-Dollar könnte in den kommenden Monaten anfangen zu schwächeln, denn das US-Zwillingsdefizit lastet auf der Leitwährung. Auf Jahressicht erwarten wir bei Union Invest einen Goldpreis von 1350 US-Dollar pro Unze - das sind also noch knapp zehn Prozent Luft nach oben.
Attraktives Chance-Risiko- Verhältnis bei Edelmetallen
Auch bei Platin und Palladium bieten sich Chancen. Die beiden Metalle finden ihren Einsatz vor allem in der Automobilindustrie. Platin, das in Katalysatoren für Dieselmotoren verbaut wird, hat stark unter dem Abgasskandal in Europa gelitten. Mit rund 830 US-Dollar je Unze ist mittlerweile ein Preisniveau erreicht, bei dem 40 Prozent der globalen Minen nicht mehr kostendeckend arbeiten können und perspektivisch geschlossen werden könnten. In wenigen Jahren dürfte deshalb die Nachfrage nach dem konjunktursensitiven Metall das Angebot übersteigen. Darüber hinaus weichen die Unsicherheiten aus dem Dieselskandal, die Marktanteile von Dieselfahrzeugen haben sich zuletzt stabilisiert, alles positive Vorzeichen für einen Preisanstieg von Platin.
Knappheit ist auch bei Palladium, das in Katalysatoren für Benzinmotoren zum Einsatz kommt, ein Thema. Der Markt befindet sich bereits seit fast einem Jahrzehnt im Defizit. Dieser Trend dürfte sich vorerst fortsetzen, sodass der Preis mittelfristig fundamental gut unterstützt bleibt.
Nach wie vor spricht das spätzyklische Konjunkturumfeld für ein Investment in Rohstoffe. Dabei lohnt sich für Investoren insbesondere ein Blick auf die Edelmetalle, die ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Der Renditeanstieg in den USA dürfte zum Erliegen kommen, sodass der Gegenwind für Gold etwas abnehmen sollte. Die Kombination aus sicherem Hafen und konjunktursensitiven Rohstoffen macht den Edelmetallsektor zu einem attraktiven Investment. Die goldenen Zeiten sind zurück.
Kurzvita
Max Holzer
Leiter Relative
Return bei
Union Investment
Holzer leitet seit 2017 im Portfoliomanagement von Union Investment die Abteilung Relative Return innerhalb des neu aufgestellten Bereichs Multi Asset. Zuvor führte er von 2004 bis 2016 die Einheit Asset Allocation.
Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und mit aktuell rund 330 Milliarden Euro verwaltetem
Vermögen einer der größten deutschen
Vermögensverwalter
für private und institutionelle Anleger.
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Bildquellen: Carsten Lerp/Union Asset Management Holding AG, Eric Chiang/123rf