Kupfer statt Öl? Warum das Industriemetall für die US-Wirtschaft immer wichtiger wird

Mit dem Boom bei Elektroautos, KI und der Energiewende steigt die strategische Bedeutung von Kupfer rasant an. Manche Experten sehen darin sogar das neue "Rohöl" Amerikas.
Werte in diesem Artikel
• Schlüsselrohstoff: Bedeutung von Kupfer im Blick
• Zollankündigung treibt Preis hoch
• Kupfer für die USA wichtiger als Öl?

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Der Preis von Kupfer, oft als "Dr. Copper" bezeichnet, gilt als verlässlicher Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Aufgrund seiner hohen Leitfähigkeit, Haltbarkeit und Korrosionsbeständigkeit ist das Industriemetall essenziell für den Einsatz in der Bauwirtschaft, in elektrischen Systemen sowie in der Produktion von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energietechnologien.
Die weltweite Bedeutung von Kupfer resultiert dabei aus mehreren Faktoren, wie Capital zusammenfasst: Als Konjunkturbarometer spiegelt der Kupferpreis die Dynamik von Infrastrukturinvestitionen und industrieller Produktion wider. Mit der wachsenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen - die bis zu viermal mehr Kupfer benötigen als herkömmliche Autos - steigt die Nachfrage nach dem Metall rapide. Gleichzeitig gerät das globale Angebot unter Druck: Sinkende Erzqualitäten und politische Unsicherheiten in wichtigen Förderländern wie Chile und Peru erschweren die Versorgung.
Auch der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien erhöht den Bedarf an Kupfer, da beispielsweise Windkraftanlagen und Solarpanels auf das Metall angewiesen sind. Gleichzeitig sorgen externe Faktoren wie geldpolitische Entscheidungen der US-Notenbank und Handelskonflikte für erhebliche Preisschwankungen.
Trotz kurzfristiger Risiken bleibt der Ausblick jedoch positiv. Goldman Sachs prognostiziert laut Reuters Kupferpreise an der London Metal Exchange von 9.600 US-Dollar (drei Monate), 10.000 US-Dollar (sechs Monate) und 10.700 US-Dollar (zwölf Monate) pro Tonne. Die Bank geht davon aus, dass neue US-Zölle ein Überangebot auf dem amerikanischen Markt verhindern könnten, warnt aber vor einem vorübergehenden Preisrückgang nach Inkrafttreten neuer handelspolitischer Regelungen im April.
"Angesichts der Möglichkeit einer früheren Einführung von Zöllen erwarten wir nun, dass die US-Lagerbestände ab Mitte bis Ende des zweiten Quartals um 30 bis 40 kt/Monat zurückgehen werden", heißt es in der Mitteilung. "So vermeiden wir ein Überangebot an Lagerbeständen in den USA im dritten Quartal 2025, wenn wir mit der größten Anspannung auf dem globalen Kupfermarkt rechnen."
Langfristig dürfte laut Capital vor allem der technologische Fortschritt den Kupferbedarf weiter ankurbeln: Laut dem Rohstoffhändler Trafigura könnte der zusätzliche Bedarf durch Künstliche Intelligenz und Rechenzentren bis 2030 um bis zu eine Million Tonnen steigen. Dieses Wachstum könnte schließlich auch die bereits bestehenden Versorgungsengpässe weiter verschärfen und die strategische Rolle von Kupfer als Schlüsselrohstoff der Zukunft noch stärker in den Fokus rücken.
Rekordhoch nach Zollankündigung
Die Kupfer-Futures an der New Yorker Comex haben kürzlich ein neues Rekordhoch von über 5,37 US-Dollar pro Pfund erreicht. Grund dafür waren laut Yahoo Finance Berichte, wonach die US-Regierung unter Donald Trump bereits in wenigen Wochen - und damit deutlich früher als erwartet - Importzölle auf Kupfer einführen könnte. Die Aussicht auf baldige Handelsbarrieren habe zu einem regelrechten Ansturm auf Lieferungen in die USA geführt und die Preisdifferenz zwischen dem US-amerikanischen und dem internationalen Markt weiter vergrößert.
Bereits im Februar hatte das Weiße Haus eine Untersuchung zu möglichen Schwachstellen bei Kupferimporten eingeleitet. Laut einem Bloomberg-Bericht könnten die Zölle bereits im Mai in Kraft treten, statt wie von der Wall Street prognostiziert im Herbst.
Weshalb Kupfer für die USA wichtiger sein könnte als Öl
Analysten bezeichnen Kupfer wegen seiner Bedeutung daher inzwischen als das "neue Öl": Ein unverzichtbarer Rohstoff für die technologische Transformation, aber in den USA knapp, wie MarketWatch erklärt.
"Kupfer ist das neue Rohöl", sagte etwa Phil Flynn, leitender Marktanalyst der Price Futures Group. Es sei "derzeit wahrscheinlich wichtiger für die US-Wirtschaft als Öl", fügte er hinzu und nannte es den "neuen heißesten Rohstoff der Welt".
Daten würden zeigen, dass die heimische Produktion den Bedarf seit Jahren nicht decken könne. So kämen rund vierundvierzig Prozent des jährlichen Verbrauchs aus Importen.
Angesichts dieser Abhängigkeit kritisieren einige Experten mögliche Zölle als widersprüchlich: "Ich verstehe, dass einige unserer Handelspartner wegen ihrer unverschämten Zölle auf US-Exporte scharf kritisiert werden und dass sie mit entsprechenden Zöllen drohen oder diese einführen wollen, um sie zu einer Senkung ihrer Zölle zu bewegen", wird Peter Boockvar, Chief Investment Officer der Bleakley Financial Group und Herausgeber des Boock Reports zitiert. "Was ich nicht verstehe, ist die Erhebung von Zöllen auf ein Importprodukt, von dem wir in den USA nicht genug produzieren und auch nie produzieren werden."
Phil Flynn von der Price Futures Group geht zudem davon aus, dass sich die Kupferpreise innerhalb von vier Jahren verdoppeln könnten. Die Nachfrage nach Kupfer werde "ein Wachstum erleben, wie wir es wohl seit dem Ende der 1990er Jahre, als die chinesische Wirtschaft aus der Flaute herauskam, noch nie erlebt haben". Während der Markt auf mögliche Zölle als Auslöser für den jüngsten Anstieg der Kupferpreise hinweist, sei die Realität jedoch, dass dies ein "Weckruf für einen Markt ist, der grundsätzlich unterversorgt sein wird, wenn sich die Dinge nicht in kurzer Zeit dramatisch ändern", erklärte Flynn weiter und fügte hinzu, Trumps "Endziel" in Sachen Kupfer könnte darin bestehen, "so etwas wie eine strategische Reserve aufzubauen". Die Fähigkeit, "einen zuverlässigen Vorrat zu haben, wird entscheidend sein, um die enorme Nachfrage zu decken, die wir in den nächsten Jahren erleben werden." Trumps Maßnahmen zeigten, dass er die heimische Produktion nicht nur von Kupfer, sondern auch von anderen wichtigen Mineralien "ankurbeln" wolle, so Flynn.
Redaktion finanzen.net
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