Klöckner & Co: Gipsmilliardär Knauf mischt Stahlhandel auf
Gipsmilliardär Albrecht Knauf steigt bei Klöckner & Co. ein. Offenbar will Knauf mehr - mit dem Ausbau der Beteiligung könnte er den Stahlvertrieb Interfer unterbringen.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Gips und Baustoffe sind das Kerngeschäft des Milliardärs Albrecht Knauf. Die Expansionsstrategie seines gleichnamigen Konzerns als globale Nummer 1 der Branche gilt als Modell für die Globalisierung mittelständisch geprägter Unternehmen.
Jetzt rückt offenbar der Stahlhandel in den Fokus des Dortmunder Unternehmers. Am Mittwoch gab Knauf bekannt, dass der zum Knauf-Konzern gehörende Stahlhändler Interfer für 73 Millionen Euro knapp acht Prozent der Anteile an Klöckner & Co. (KlöCo) erworben hat. Interfer ist jetzt der größte Einzelaktionär von Europas größtem erzeugerunabhängigen Stahlhändler.
Knauf strebt Sperrminorität an
Aus Bankenkreisen ist zu hören, dass Knauf den für eine Sperrminorität notwendigen 25-Prozent-Anteil möglichst schnell erreichen will. Das könnte ebenfalls über die Tochter Interfer geschehen — etwa über den Erwerb von Aktienpaketen von institutionellen Investoren wie Franklin Templeton (4,98 Prozent), Allianz Global (3,02 Prozent), Dimensional (3,06 Prozent) oder Templeton (3,04 Prozent).
Interfer strebe zudem Sitze im KlöCo-Aufsichtsrat an, wird in Frankfurt gemunkelt. So könnte der Dortmunder Gipsbaron beim großen Duisburger Stahlhändler künftig alle wichtigen Entscheidungen mitbestimmen — ohne KlöCo gleich kaufen zu müssen. Die 30-Prozent-Hürde, bei deren Überschreiten Knauf ein Übernahmeangebot vorlegen müsste, wird offenbar nicht angestrebt.
Sanierung bei KlöCo läuft
Der Zeitpunkt des Einstiegs ist trotz der schwächelnden Stahlkonjunktur sinnvoll: Mit 30 bis 40 Prozent Abschlag auf den Buchwert werden die Papiere von KlöCo — auch nach dem jüngsten Kursanstieg — besonders günstig gehandelt. Zudem trägt das laufende Restrukturierungsprogramm allmählich Früchte. Vorstandschef Gisbert Rühl will 60 Standorte verkaufen und 1.800 Stellen abbauen. Bis Ende des ersten Quartals sollen zahlreiche Töchter in Osteuropa veräußert sein. Ende Januar kündigte Rühl das Ziel von mindestens 190 Millionen Euro operativem Gewinn für 2013 an. 2012 hat das Unternehmen laut Schätzungen von Analysten hier etwas mehr als 100 Millionen Euro erzielt. Der Duisburger Stahlhändler sieht sich in der Ergebnisentwicklung offensichtlich vor dem Wendepunkt.
Ermunternde Signale kamen Anfang des Monats auch von der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Im vierten Quartal lagen die Auftragseingänge deutscher Stahlkonzerne mit 9,3 Millionen Tonnen leicht über dem Vorjahr. Zudem sind die Lagerbestände bei Händlern, Stahlservice-Centern und Endverarbeitern nach Angaben des Branchenverbands zum Jahresende weiter gesunken.
Wie fragil die jüngste Stabilisierung ist, zeigt indes die Einschätzung des europäischen Stahlverbands Eurofer. Rückenwind von der Konjunktur sei erst gegen Jahresende zu erwarten, so Eurofer-Generaldirektor Gordon Moffat. Erst dann würden Industrie und Stahldistributoren das verbesserte Umfeld spüren. Das Vertrauen in die Branche nehme zu, aber nur auf sehr gedämpftem Niveau, so Moffat.
Verständlich, dass der Duisburger Stahlhändler in diesem weiterhin schwierigen Umfeld zusätzliche Störungen schlecht gebrauchen kann. Entsprechend überrascht reagierte man in der Konzernzentrale. Verständlich auch, dass die Ambitionen des Gipsmilliardärs eher auf Vorbehalte stoßen dürften, schließlich ist KlöCo der deutlich größere Stahlhändler. Das Unternehmen sei strategisch richtig aufgestellt, heißt es trotzig aus Duisburg. Zudem sei die Kurserholung der Aktie seit November ein Indiz für zunehmendes Vertrauen der Investoren in die Restrukturierung.
Größenvorteile in Sicht
Das muss indes kein Widerspruch zu Knaufs Plänen sein. Bisher war Interfer eine Randaktivität innerhalb der Firmengruppe mit Sitz im unterfränkischen Iphofen. Der Schwerpunkt der Verbunds mit 23.000 Beschäftigten liegt in der Entwicklung und dem Vertrieb von Baustoffen. Beim KlöCo-Einstieg verwies Knauf auf die positiven Erfahrungen, die man im Stahlhandel gemacht habe.
Offenbar will Knauf den Duisburgern eine Fusion mit seiner Tochter Interfer schmackhaft machen. Mit dem Handelsvolumen von Interfer, rund eine Million Tonnen, kämen die beiden Stahlhändler auf acht Millionen Tonnen. Größe ist sicher kein Nachteil in schwierigen Zeiten.
Analysten schätzen den Kaufpreis für Interfer auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Den könnten sich die Duisburger gut leisten. Der Aufsichtsrat des Konzerns wird auf der Hauptversammlung am 24. Mai neu gewählt. Bis dann sollte Knauf die Sperrminorität und seine Kandidaten für KlöCos Kontrollgremium zusammenhaben.
Kursziel: 13,00 Euro
Stopp: 8,80 Euro
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