Microsoft: Der findige Antreiber

Microsoft-Chef Satya Nadella kennt keine Scheu vor Tabus wie Gratis-Software. Zudem zeigt er, dass der Konzern wieder neue Ideen entwickeln kann. An der Börse kommt die Strategie des Querdenkers gut an.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Schrille Auftritte und die Wagenburgmentalität seines Vorgängers Steve Ballmer gibt es bei Microsoft-Chef Satya Nadella nicht. "Für Technologieunternehmen zählt nur Innovation, nicht Tradition", sagt der Inder mit amerikanischem Pass. Im Februar wird der langjährige Microsoft-Manager sein erstes Jahr an der Konzernspitze absolviert haben. Aktionäre und Investoren sind begeistert: Seit Nadellas Antritt stieg der Börsenwert um mehr als 50 Prozent auf knapp 348 Milliarden Euro.
Vor Nadella wirkte der größte Softwarekonzern der Welt zeitweise wie ein Auslaufmodell. Trotz seines hochprofitablen Geschäftsmodells verblasste der Nimbus im Vergleich etwa zum verblüffenden Aufstieg des Erzrivalen Apple mit seinen Smartphones oder Tablets. Auch die Giganten aus der Webwelt, allen voran der Suchmaschinenbetreiber Google oder auch der weltgrößte Betreiber von Cloud-Rechenzentren, Onlinehändler Amazon, stahlen Microsoft die Schau.
Endlich wieder eine Vision
Unter Nadellas Führung wirkt der Konzern wieder dynamisch und fokussiert sich darauf, eigene Ressourcen effizient zu nutzen. Und es gibt wieder Innovationen: Soeben stellte Nadella eine holografiefähige Computerbrille vor, die Hololens. Ein Highend-Produkt, das völlig neue Anwendungen ermöglichen soll. Google blickt da nach dem vorläufigen Aus der Computerbrille Google Glass in die Röhre. Auch Facebooks Oculus sieht dagegen alt aus.
Für die Brille, die im Verborgenen mit Weltraumtechnik der NASA-Tochter Jet Propulsion Laboratory entwickelt wurde, entwarf Microsoft einen speziellen Steuerungschip. Zugleich integrierte der Konzern umfangreiche Unterstützungen für holografische Fähigkeiten in das neue Betriebssystem Windows 10, das in diesem Jahr auf den Markt kommt. "Der Konzern präsentiert nach sehr langer Zeit wieder eine Vision", sagt Michael Silver vom Marktforscher Gartner Group. Mit Demos für Architekten und Chirurgen will der Konzern zunächst Firmenkunden für seine Innovation begeistern.
Denn das Geschäft mit ihnen ist seine eigentliche Stärke. Nach Schätzungen der Schweizer Bank UBS spielen Unternehmen etwa 60 Prozent des Umsatzes und zwei Drittel des operativen Gewinns ein.
Generell bringt Tempomacher Nadella den Riesen dort auf Trab, wo auch in Zukunft wohl viel Gewinn verbucht wird: etwa beim Cloud-Computing, der Nutzung von Software via Web auf externen Rechenzentren. Mit Azure, der Datenwolke für Firmenkunden, ist Microsoft Cloud-Weltmarktführer Amazon Web Services (AWS) erfolgreich auf die Pelle gerückt. Mit weltweit 19 Regionen, die jeweils auf bis zu 600.000 Cloud-Netzwerkrechner ausgebaut werden können, hat Azure eine Ausdehnung erreicht, mit der die Amazon-Tochter sogar überflügelt werden kann.
Das Cloud-Geschäft macht mit 5,5 Milliarden Dollar im laufenden Geschäftsjahr weniger als sechs Prozent des Konzernumsatzes aus. Das starke Wachstum zeigt aber, dass Microsoft für die Zukunft gut vorbereitet ist: Im jüngsten Quartal hatte sich der Cloud-Umsatz verdoppelt. Im Softwaregeschäft von IBM oder SAP etwa drückt der Umbruch vom Lizenzverkauf samt Serviceverträgen zum Modell der Software aus dem Netz die Profitabilität bereits deutlich. Bei Microsoft ist davon bisher nichts zu spüren.
Laut Nadella, bis zu seinem Aufstieg Leiter der Cloud-Sparte, wird erst ein Viertel der Netzwerkrechner an Cloudfirmen verkauft. Der Anteil an neuen Servern mit klassischer Software sei noch groß, beruhigt der Chef.
Auf Tablets ein Zwerg
Während der Konzern in Zukunftsmärkten gut vorankommt, bremst indes ein Handicap aus der Vergangenheit: Der Riese schafft es nicht, die Windows-Welt auf Smartphones und Tablets zu übertragen. Trotz Kauf der Nokia-Handysparte liegen die Marktanteile bei Betriebssystemen für Smartphones sowie Tablets immer noch unter vier Prozent.
Als Erstes sagte Nadella deshalb der Aversion gegen Apple ade. Um Microsoft bei der jungen Generation ins Gespräch zu bringen, gibt es die Verbraucherversionen des Office-Pakets für Tablets und Smartphones inzwischen kostenlos. Auch das künftige Windows 10 soll es für Computer und alle mobilen Geräte ein Jahr gratis geben, sogar für Geschäftskunden.
Schätzungen zufolge wird die Aktion zwar 500 Millionen Dollar kosten - aber sie öffnet die Tür zum Verkauf von Dienstleistungen und Apps, schließlich werden mobile Geräte auch in Firmen immer wichtiger. Bis vorzeigbare Marktanteile erreicht werden, wird es zwar wohl dauern. Mit mehr als 60 Milliarden Dollar Cash hat Nadella aber noch reichlich Reserven.
Investor-Info
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Frischer Wind
Der Riese wirkt dynamisch. Investoren trauen dem neuen Chef zu, die Windows- und Office-Software, die 80 Prozent des Gewinns liefert, aus der PC-Ära in eine Zukunft der Datenwolken und mobilen Geräte zu übertragen. Zwar ist die Aktie mit geschätzten sechs Prozent Gewinnwachstum im laufenden Geschäftsjahr und zwölf Prozent fürs nächste Jahr nicht mehr günstig. Aber langfristig aussichtsreich.
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