Wirecard: Schwieriges Ringen um mehr Vertrauen

Der Zahlungsabwickler verspricht, finanzielle Ungereimtheiten künftig zu verhindern. Vorstandschef Markus Braun beschwört "einzigartige Marktstellung" und Wachstumspotenziale mit Softbank.
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von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag
Der Zahlungsabwickler Wirecard setzt als Reaktion auf die andauernden Betrugsvorwürfe eine "Taskforce" ein. Damit sollen Abläufe und Organisation bei dem DAX-Wert verbessert und finanzielle Unregelmäßigkeiten künftig verhindert werden. "Wir sind ein Wachstumsunternehmen, wir machen Fehler, wir haben das jetzt realisiert, und wir lernen daraus", sagte Vorstandschef Markus Braun auf der Bilanzpressekonferenz am Firmensitz in Aschheim bei München.
Braun räumte ein, dass es im Asien-Geschäft "Qualitätsmängel in der Buchhaltung" gegeben habe. Man habe aber keine Anzeichen für vorsätzliches, strafrechtlich relevantes Verhalten gefunden. Nach Angaben von Finanzvorstand Alexander von Knoop werde die Taskforce "im Unternehmen aufräumen, und zwar zeitlich unbegrenzt".
Mit den Statements reagierte das Unternehmen auf wiederholte Medienberichte insbesondere in der "Financial Times", wonach es gravierende bilanzielle Unregelmäßigkeiten im Asien-Geschäft geben soll. Die Berichte sorgten jeweils für starke Kurseinbrüche, ohne dass sich die Vorwürfe bislang substanziell bestätigten. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Marktmanipulation.
Wirecard hatte sich heftig gegen die Berichte zur Wehr gesetzt. "Die vergangenen Wochen hatten herausfordernde Tage", sagte Braun. "Ich führe weder Kämpfe, noch muss ich permanent Short-Attacken kommentieren. In einem liberalen Markt gibt es solche Phänomene, aber man muss sich dem Markt stellen. Ich bin gern an der Börse." Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) hatten Wirecard in dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht trotz der Vorwürfe ein uneingeschränktes Testat für 2018 erteilt.
Kooperation mit Softbank
Braun will jetzt den Fokus auf seinen neuen Großinvestor Softbank richten. Bereits am Mittwoch hatte das DAX-Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Konzern angekündigt, was der Aktie einen kräftigen Schub gab. Softbank will über eine Wandelschuldverschreibung 900 Millionen Euro in das DAX-Unternehmen investieren, die in eine 5,6-prozentige Beteiligung an Wirecard getauscht werden kann. Braun ist mit sieben Prozent derzeit größter Wirecard- Aktionär, dicht gefolgt von der US-Bank Goldman Sachs, die ihren Anteil kürzlich auf 6,9 Prozent erhöht hat.
Die Partnerschaft im Bereich digitale Bezahldienste soll auch beim Einstieg in verschiedene asiatische Märkte helfen, zum Beispiel Südkorea, sagte Braun. Zudem wolle Wirecard so auch Partner für Unternehmen werden, die Softbank im Portfolio habe. Dazu gehören etwa die Fahrdienstleister Uber und Lyft. Braun beschwor in diesem Zusammenhang die "einzigartige Marktstellung" von Wirecard im Wachstumsbereich der Verknüpfung von Zahlungsabwicklung und klassischen Finanzdienstleistungen.
Wirecard hatte bereits im Januar vorläufige Zahlen für 2018 veröffentlicht. Wegen der Aufklärung der Unregelmäßigkeiten in Asien hatte sich die Bilanzvorlage verzögert. Nach den jetzt vorgelegten Zahlen stiegen Betriebsergebnis und Umsatz etwas weniger stark als im Januar angegeben. Ein Grund für die Ergebnisbelastung waren nach Konzernangaben die Kosten für die Untersuchungen in Singapur. Der Umsatz wuchs 2018 nach endgültigen Zahlen um 35 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn (Ebitda) kletterte um 37 Prozent auf 560 Millionen Euro.
"Das uneingeschränkte Testat war uns wichtig", hieß es im Aktienresearch der LBBW in einer ersten Stellungnahme. Die Baader Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung und hält die Aktie auf dem jetzigen Niveau für unterbewertet. Sowohl LBBW als auch Independent Research haben aber Zweifel, dass Wirecard die hohen Umsatz- und Ergebniswachstumsraten auf Dauer halten kann.
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Bildquellen: Andreas Pohlmann/Wirecard AG, Wirecard
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