BP: Warum die Aktie wieder interessant ist
Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kommen auf BP Zahlungen in Milliardenhöhe zu. Doch die Zuversicht unter Investoren steigt. Gründe hierfür gibt es zuhauf.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Bob Dudley behält auch in extremen Situationen einen kühlen Kopf. Über seine Zeit als Chef des britisch-russischen Joint Ventures BP-TNK sagt der BP-Chef, es sei wie eine Autofahrt gewesen, bei der man nicht gewusst habe, ob die Bremsen funktionieren.
Dudley lässt sich nicht provozieren oder, wie Vorgänger Tony Hayward, dazu hinreißen, Missstände zu beschönigen, sagen Leute, die ihn kennen. In den USA ist es Dudley gelungen, die aufgeheizte Stimmung nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko abzukühlen. In dem am Dienstag veröffentlichten Abschlussbericht der Nationalen Kommission zur Untersuchung der Katastrophe ist zwar von einem „signifikanten Versagen“ des BP-Managements die Rede. Allerdings wird die Umweltkatastrophe auch als systematische Fehlsteuerung der gesamten Ölbranche gewertet.
An der Börse weicht das Misstrauen gegenüber BP allmählich auf. Zuletzt hat die Aktie gegenüber den Papieren der Konkurrenz deutlich aufgeholt. Die Wertung der Katastrophe als Fehlsteuerung einer ganzen Industrie lässt den BP-Vorstand und die Aktionäre hoffen, dass der Ölkonzern bei der Explosion der Plattform Deepwater Horizon doch nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Wäre dies nämlich der Fall, müssten die Briten zu den von ihnen geschätzten Kosten von 40 Milliarden Dollar zusätzlich bis zu 21 Milliarden Dollar bezahlen. Und dafür hat BP keine Rücklagen gebildet. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte wird sich klären, ob BP grob fahrlässig gehandelt hat oder nicht. Bis dahin bewahren die milliardenschweren Risiken BP wohl vor Übernahmeofferten von Konkurrenten wie ExxonMobil oder Royal Dutch. Entsprechende Gerüchte hatten zuletzt an der Börse für Aufsehen gesorgt. BP-Chef Dudley muss deshalb das Zeitfenster nutzen, um den Börsenwert schnell zu steigern.
Dudleys erste Chance dafür ist die Bilanzpressekonferenz am 1. Februar. Dort soll die Konzernstrategie im Detail vorgestellt werden. Viele britische und ausländische Pensionsfonds und Versicherer haben BP vor allem wegen der großzügigen Dividendenpolitik im Depot. Die Analysten der Credit Suisse erwarten deshalb, dass BP trotz der Schadenersatzrisiken für das vierte Quartal acht Cent pro Aktie ausschütten wird. Das wäre halb so viel wie vor der Katastrophe und aus Sicht der Analysten vertretbar. Auf 2011 hochgerechnet wären das gut fünf Prozent Dividendenrendite. „Der Schwerpunkt der Strategie muss eine strenge Risikokontrolle und hohe Sicherheit sein. Das setzen die Anleger jetzt als gegeben voraus“, so die Credit Suisse.
Doch BP hat noch andere Probleme. Zu Jahresbeginn geriet der britische Ölmulti mit einem Leck in seiner Alaska-Pipeline in die Schlagzeilen. Wegen einer defekten Pumpe musste der Öltransport in der knapp 1300 Kilometer langen Transportleitung vorübergehend gestoppt werden. Die North Slope, also „Nordschleife“, liefert etwa zwölf Prozent der gesamten US-Ölfördermenge. Allerdings drang diesmal kein Öl in die Tundra. Um das Einfrieren des Öls zu verhindern, nahm BP die Pipeline provisorisch wieder in Betrieb. Immerhin: An der Börse wurde das Problem als Non-Event eingestuft.
Gut läuft dagegen der Verkauf von Ölfeldern und Beteiligungen im Gesamtwert von 30 Milliarden Dollar, um ausreichend Geld für die Schadenersatzforderungen zu haben. Zwei Drittel der Summe sind schon in der Kasse. Während seiner Zeit in Moskau ging Dudley einer Konfrontation mit den mächtigen russischen Eignern nicht aus dem Weg. Es scheint, als sei Dudley mit seiner zupackenden Art der richtige Mann, um den Ölkonzern zu retten. Momentan jedenfalls sieht es ganz danach aus, dass das Kürzel BP, das für British Petroleum steht, nicht umgedeutet werden muss in „bald pleite“.
Investor-Info
BP
Anleger werden wieder mutiger
Fitch bricht eine Lanze für BP. Die Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung wegen grober Fahrlässigkeit bei der Explosion im Golf von Mexiko sei stark gesunken, urteilt die US-Ratingagentur unter Verweis auf den Abschlussbericht der Nationalen Kommission zur Untersuchung der Ölkatastrophe. Wegen der drohenden Schadenersatzforderungen erwarten Analysten für 2011 jedoch kaum spürbares Gewinnwachstum. Der Abschlag der BP-Aktie mit einem 2011er-KGV von sieben gegenüber den Papieren von Royal Dutch Shell (11) oder ExxonMobil (13) ist groß. Optimisten sehen für die Aktie ein Potenzial bis acht Euro. Auch die Wiederaufnahme der Dividende sollte dem Papier wieder auf die Sprünge helfen. Spekulativ!
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Name | Hebel | KO | Emittent |
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Datum | Rating | Analyst | |
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04.04.2025 | BP Sector Perform | RBC Capital Markets | |
04.04.2025 | BP Buy | Jefferies & Company Inc. | |
02.04.2025 | BP Buy | Goldman Sachs Group Inc. | |
01.04.2025 | BP Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
12.03.2025 | BP Buy | UBS AG |
Datum | Rating | Analyst | |
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04.04.2025 | BP Sector Perform | RBC Capital Markets | |
01.04.2025 | BP Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
27.02.2025 | BP Hold | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
27.02.2025 | BP Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
27.02.2025 | BP Sector Perform | RBC Capital Markets |
Datum | Rating | Analyst | |
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27.02.2025 | BP Verkaufen | DZ BANK | |
11.02.2025 | BP Verkaufen | DZ BANK | |
11.02.2025 | BP Underweight | JP Morgan Chase & Co. | |
07.02.2025 | BP Underweight | JP Morgan Chase & Co. | |
14.01.2025 | BP Underweight | JP Morgan Chase & Co. |
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