Iran-Konflikt spitzt sich zu: Experten erwarten längere Phase hoher Ölpreise

Der Iran-Konflikt entwickelt sich zunehmend zu einer Belastungsprobe für die globalen Energiemärkte. Analysten sehen Parallelen zur Ölkrise 2022.
Werte in diesem Artikel
• TS Lombard überdenkt Prognose: Konflikt könnte Monate andauern
• Straße von Hormus bleibt zentraler Risikofaktor für Ölpreise
• Auch RBC und Goldman Sachs warnen vor anhaltendem Preisdruck
Inzwischen befindet sich der militärische Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran in der vierten Woche. Seither leuchten die Aktienmärkte weltweit tiefrot, auch der Goldpreis leidet darunter. Lediglich der Ölmarkt floriert in diesem Szenario.
Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende und eine damit verbundene Entspannung an den Börsen schwinden zunehmend, wie auch das Analysehaus TS Lombard feststellte.
Prognose angepasst: Monatelange Krise statt schnellem Ende
Das Analysehaus mit Hauptsitz in London ging, wie viele andere Beobachter, in den ersten Wochen des Iran-Kriegs von einem schnellen Ende aus. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Wie MarketWatch berichtet, hat TS Lombard seine Erwartungen spürbar nach oben korrigiert.
Statt einer kurzen Phase erhöhter Unsicherheit könnte sich die Lage deutlich länger hinziehen. "Die Rückkehr zum normalen Geschäft im globalen Ölmarkt könnte nun Monate und nicht Wochen dauern", heißt es in der Einschätzung.
Damit zeichnet sich ein Verlauf ab, der laut TS Lombard in seiner Dauer an den Energieschock 2022 heranreichen könnte. Damals hielten geopolitische Spannungen die Ölpreise über Monate hinweg auf hohem Niveau. TS Lombard sieht die Dauer des aktuellen Konflikts nun in einer Spanne von mehreren Wochen bis hin zu rund fünf Monaten.
Straße von Hormus als entscheidendes Druckmittel
Warum sich die Lage so lange hinziehen könnte, hat besonders mit der strategischen Bedeutung der Straße von Hormus zu tun. TS Lombard zufolge hat der Iran hier ein wirksames Druckmittel aufgebaut. Das Land kann eigene Exporte weiterlaufen lassen, gleichzeitig aber den internationalen Schiffsverkehr lahmlegen.
Eine Entspannung hängt vor allem davon ab, ob sichere Transportrouten gewährleistet werden können. "Die Macht, den Preisschock umzukehren, liegt weiterhin bei den USA", wird TS-Lombard-Experte Christopher Granville via MarketWatch zitiert. Voraussetzung wäre eine freie Passage für Tanker durch die Meerenge. Genau daran bestehen derzeit Zweifel. Hinzu kommt, dass auch wichtige Infrastruktur wie die Exportdrehscheibe Kharg Island zum Unsicherheitsfaktor geworden ist.
Auch andere Analystenhäuser unsicher über jähes Kriegsende
Mit dieser Einschätzung steht TS Lombard nicht allein da. Auch andere große Häuser werden vorsichtiger. Laut RBC Capital könnte sich der Konflikt deutlich länger hinziehen als zunächst gedacht. In Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern habe sich abgezeichnet, dass eine Kombination aus ausgeweiteten US-Kriegszielen und Irans militärischen Fähigkeiten den Konflikt "weit ins Frühjahr hineinziehen" könnte.
Für die Märkte hätte das spürbare Folgen. RBC rechnet damit, dass die Ölpreise zunächst über die Hochs aus der Ukraine-Krise 2022 steigen könnten. "Wir glauben, dass wir die Marke von 128 Dollar pro Barrel übertreffen werden, wenn der Krieg noch drei bis vier Wochen andauert", heißt es in der Analyse.
Auch Goldman Sachs sieht bereits Bewegung im Markt. Die Analysten sprechen von einer gestiegenen Risikoprämie auf den Ölpreis. Diese spiegelt vor allem die Unsicherheit darüber wider, wie stark die Lieferketten beeinträchtigt werden könnten. Entscheidend bleibt, wie lange und in welchem Ausmaß der Transport durch die Straße von Hormus gestört wird.
Märkte zwischen Hoffnung und strukturellem Risiko
An den Finanzmärkten zeigt sich bislang ein gemischtes Bild. Einerseits setzen viele Investoren noch darauf, dass politische Lösungen gefunden werden. Andererseits wächst die Nervosität. Vor allem die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts sorgt für Zurückhaltung - obwohl US-Präsident Donald Trump zuvor angedrohte Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur aufgrund "sehr guter und produktiver Gespräche" zunächst verschob.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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