Gold: Ende der Rallye?

Nachdem die großen Aktien-Indizes in Europa und den USA weiter in einer engen Trading-Range gefangen sind, ...
... erlangt der Goldpreis umso mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Von neuen Rekorden in Serie ist die Rede. Doch genauer betrachtet ist das nur bedingt richtig. Lesen Sie, warum die Rallye bald zu Ende sein dürfte!?
Als Einstieg in die Gold-Thematik empfehle ich Ihnen meinen Geldanlage-Report vom 18. September 2010. Dort gehe ich im ersten Teil auf die Ursachen für den nun bereits seit über zehn Jahre währenden Anstiegs des Goldpreises ein. Hauptursache des Anstiegs ist meiner Ansicht nach das rückläufige Vertrauen der Anleger in das Finanzsystem an sich. Ein Teil des Kapitals fließt damit in (vermeintlich) krisenresistente "harte" Anlagen wie Gold und Silber.
Auffällig war zuletzt aber, dass Gold nur noch in US-Dollar gestiegen ist, nicht mehr in Euro. Umgekehrt formuliert: Der gegenüber dem Euro stark nachgebende US-Dollar hat dafür gesorgt, dass Gold in US-Dollar immer wertvoller wurde. Gold in Euro stagnierte dagegen.
Während Gold in US-Dollar in der Tat von Hoch zu Hoch marschiert ist der Goldpreis in Euro noch weit von seinem Hoch im Frühjahr entfernt - und hat im Gegenteil sogar einen kurzfristigen Abwärtstrend ausgebildet.
Noch extremer zeigt sich dieses Phänomen, wenn man den Goldpreis in einer in den letzten Jahren eher starken Währung wie dem australischen Dollar betrachtet. Hier fiel das Hoch - klassischerweise - im Frühjahr 2009 mit dem Höhepunkt der Panik in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zusammen. Der Angriff auf ein neues Hoch im Frühjahr 2010 ist gescheitert. Es hat sich ein charttechnisches Doppel-Top gebildet und kurzfristig wurde ebenfalls ein Abwärtstrend ausgebildet.
*Warum Gold kurzfristig fallen sollte
Der Anstieg des Goldpreises war zuletzt also mehr eine Schwäche des US-Dollars als echte Goldstärke.
Meiner Ansicht nach hängt das mit den bevorstehenden Midtherm-Wahlen in den USA zusammen. Diese finden am 02. November statt und es werden dabei 37 der 100 Sitze des US-Senats neu gewählt.
Die USA befinden sich aktuell mitten im Wahlkampf und selbst im Finanzsektor wird dieser Wahl große Aufmerksamkeit geschenkt, z.B. in der Kolumne eines von mir sehr geschätzten Kollegen, Jim Jubak, von MSN Money. Wie immer vor den Wahlen scheuen sich die Politiker aber, den Bürgern reinen Wein einzuschenken.
Genauso wie in Deutschland die FDP von Steuersenkungen sprach, die sich nun politisch nicht durchsetzen lassen, wird in den USA derzeit (noch) viel von Maßnahmen gesprochen, wie die Wirtschaft stimuliert werden könnte. Das Schlagwort lautet QE2. Da steht für Quantitative Easing Teil 2 und bezieht sich auf eine scheinbare Fortsetzung der lockeren Geldmarktpolitik der USA. Dazu gehört beispielsweise, dass die US-Notenbank am Markt selbst als Käufer lang laufender US-Staatsanleihen auftritt.
Die FED erzeugt so quasi eine künstliche Nachfrage für Staatsanleihen, so dass sich der Staat selber immer weiter verschulden kann, weil er Abnehmer für seine Schuldpapiere findet. Auf Dauer führt das in ein finanzielles Fiasko, was der Markt mit dem zuletzt rasanten Fall des US-Dollars quittiert hat.
Damit wird aber nach der Wahl meiner Ansicht nach Schluss sein: Auch die USA muss den viel zitierten Gürtel enger schnallen und Haushaltsdisziplin zeigen. Das heißt: Verringerung der Ausgaben und tendenziell höhere Steuern. Alles andere wäre angesichts der ausufernden Staatsverschuldung Harakiri. Für den Bürger wird das empfindliche Einschnitte zur Folge haben. Um keine Wählerstimmen zu verlieren, werden die Realitäten momentan einfach totgeschwiegen.
Diese scheinbar unvernünftige Finanzpolitik führte in den letzten Wochen zu einer massiven Abschwächung des US-Dollars, beispielsweise gegenüber dem Euro. Spätestens wenn die Wahlen gelaufen sind, dürfte es auch mit der Schwäche des US-Dollar vorbei sein - und damit mit der Stärke von Gold und Silber.
Weil der Markt derartige Entwicklungen aber oft bereits vorweg nimmt, sollten sich die Goldbullen vorsehen: Bereits in Kürze könnte eine heftige Korrektur beim Gold- und Silberpreis anstehen! Ein mögliches Korrekturziel wäre das lokale Tief von Ende Juli bei 1.156 US-Dollar je Unze.
*Langfristiger Aufwärtstrend bleibt intakt
Davon unabhängig dürfte aber der langfristige Aufwärtstrend für Gold weiter intakt bleiben. Die Gründe hierfür, allen voran der anhaltende gegenseitige Abwertungswettlauf bei Papierwährungen, wurden an dieser Stelle bereits mehrfach erörtert.
Wer daher seine Goldbestände in physischer Form hortet, kann die Korrektur einfach aussitzen. Wer dagegen über Derivate oder Goldminen investiert ist, sollte über eine Reduzierung seiner Positionen nachdenken.
MEIN FAZIT:
- Der Anstieg des Goldpreises in den letzten Wochen war eher eine Dollarschwäche als echte Goldstärke.
- Nach den Mid-Term-Wahlen wird unabhängig vom Ausgang eine restriktivere Geldmarktpolitik einsetzen, die den US-Dollar stabilisieren wird.
- Die Rallye des Goldpreises könnte in Kürze beendet sein und in eine heftige Korrektur münden, die Gold bis auf ca. 1.150 US-Dollar je Unze fallen lässt.
Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.