Produktivität

Mythos Effizienz: So schneiden KI-Chatbots im Arbeitsalltag wirklich ab

22.08.25 23:50 Uhr

Effizienz-Check: Können KI-Chatbots den Arbeitsalltag wirklich erleichtern? | finanzen.net

Die Einführung von KI-Chatbots wie ChatGPT oder Microsoft Copilot wird häufig als bahnbrechender Schritt zur Effizienzsteigerung im Berufsalltag gefeiert. Die Realität ist jedoch differenzierter: Während in einigen Arbeitsbereichen spürbare Zeitgewinne erzielt werden, bleibt der Nutzen in vielen anderen Fällen begrenzt.

Geringere Zeitersparnis im Durchschnitt

Eine groß angelegte Untersuchung des National Bureau of Economic Research (NBER) mit rund 25.000 Angestellten in Dänemark ergab, dass der durchschnittliche Produktivitätsgewinn durch den Einsatz von KI-Chatbots lediglich etwa drei Prozent beträgt. In der Praxis bedeutet das: Die durch KI gewonnene Zeit wurde häufig für andere Tätigkeiten genutzt, wodurch sich der Nettoeffekt auf die Gesamtproduktivität relativiert. "KI-Chatbots hatten in keinem Beruf einen signifikanten Einfluss auf das Einkommen oder die Arbeitszeit, wobei Konfidenzintervalle Effekte von über 1 Prozent ausschließen", heißt es in der Studie.

Signifikante Effekte in spezifischen Bereichen

Trotz des verhaltenen Gesamteffekts lassen sich in bestimmten Bereichen signifikante Vorteile erkennen. Eine Studie mit mehr als 6.000 Mitarbeitenden aus 56 Unternehmen ergab, dass durch den Einsatz von Microsoft Copilot wöchentlich rund 30 Minuten beim Lesen von E-Mails eingespart werden. Zudem ließen sich Dokumente um etwa 12 Prozent schneller erstellen. Im Vertrieb sind die Effekte noch deutlicher: Laut einer Umfrage von Hubspot sparen Vertriebsmitarbeitende durch KI-Tools wie ChatGPT täglich über zwei Stunden - insbesondere bei Routineaufgaben wie Terminplanung, Notizenerstellung oder der Zusammenfassung von Kundengesprächen.

Herausforderungen bei der Integration von KI-Chatbots

Die begrenzte Wirkung von KI-Chatbots auf die Produktivität lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. In vielen Unternehmen fehlt eine klare Strategie zur Integration von KI-Tools, was deren Effektivität einschränkt. Zudem erfordern KI-generierte Inhalte häufig Überprüfung und Anpassung durch Mitarbeitende, was zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet. Zudem sind Mitarbeitende oft nicht ausreichend im Umgang mit KI-Tools geschult, was deren effiziente Nutzung behindert. "Obwohl die Umsetzung von KI in Unternehmen schnell erfolgt ist und die Unternehmen inzwischen stark in die Erschließung des technologischen Potenzials investiert haben, bleiben die wirtschaftlichen Auswirkungen gering", resümieren die Wissenschaftler der Studie aus Dänemark.

Redaktion finanzen.net

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