Marktanalyse

Finanzexperte Müller: "Goldpreis und DAX vor scharfer Korrektur"

aktualisiert 03.02.10 10:41 Uhr

Heribert Müller denkt selten wie die breite Masse. Für 2010 hat er anhand von Elliott-Wellen kräftige Korrekturen für Gold und DAX ermittelt.

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An Prognosen, die Gold eine glänzende Zukunft voraussagen, mangelt es derzeit nicht. Morgan Stanley, Goldman Sachs und natürlich auch Evy Hambro, Fondsmanager des BlackRock World Mining, teilen die Ansicht, dass der Preis pro Unze langfristig nach oben gehen wird. Neben einer zunehmenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage verweisen die Experten auch auf die wachsenden Haushaltsdefizite vieler Staaten. Dies wecke bei vielen Investoren Inflationsängste. Und Gold sei nun mal der beste Schutz, wenn die Preisstabilität nicht mehr gegeben sei.

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Heribert Müller vertritt eine andere Meinung. Der Gründer und Vorstand der Heribert Müller Trust AG rechnet bei dem Edelmetall mit einer Fortsetzung der „scharfen Korrektur“. Die Talfahrt werde zu einer „schmerzhaften Ernüchterung in der Goldgemeinde“ führen, heißt eine seiner insgesamt 13 Börsenüberraschungen für 2010. Anstatt des von vielen Experten in Aussicht gestellten Kursziels von 2000 bis 3000 Dollar je Feinunze, hätte Gold mit der im Dezember 2009 erreichten Notierung von 1217 Dollar für lange Zeit seinen Höchststand gesehen, so sein Fazit.

Diesen Schluss zieht Müller nicht, weil es ihm Spaß macht, gegen den Strom zu schwimmen. Andererseits ist schon die Tatsache, dass die breite Masse sich für ein Investmentthema begeistert, für ihn ein Hinweis dafür, dass ein Trend zu Ende geht. Müllers Erkenntnisse fußen vielmehr auf dem Elliott-Wellen-Prinzip.

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Mathematisches Prinzip

Ralph Nelson Eliott, ein Buchhalter, hatte in den 1930er-Jahren entdeckt, dass die Finanzmärkte sich nicht zufällig entwickeln. Die Kurse, in denen sich die Hoffnungen, Befürchtungen, Vermutungen und Stimmungen der Anleger widerspiegeln, würden vielmehr immer wiederkehrenden Mustern folgen. Dabei bestünde jeder Börsenzyklus, ob Auf oder Ab, aus fünf Wellen, die ihrerseits von drei Korrekturwellen unterbrochen würden.

Der zeitliche Ablauf dieser Wellen und ihre Wendepunkte lassen sich nach Müllers Meinung mit Hilfe der Fibonacci-Zahlen und dem Goldenen Schnitt (das Verhältnis, das sich ergibt, wenn man zwei aufeinander folgende Fibonaccizahlen durcheinander teilt) ziemlich exakt ermitteln. „Unseren Berechnungen zufolge sinkt Gold im Jahresverlauf auf rund 830 Dollar. Dann dürfte eine Erholungphase folgen. „Letztendlich wird der Preis jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit auf 621 Dollar fallen“, rechnet Müller vor. Das ist der Goldene Schnitt bzw. der faire Wert aus dem gesamten Anstieg seit 1999. Elliott-Wellen und Fibonacci- Zahlen wendet Müller auch auf andere Anlageklassen an. Die Ergebnisse stehen – wie nicht anders zu erwarten – im Gegensatz zur breiten Mehrheitsmeinung. So erwartet er im Lauf des Jahres eine Flucht in sichere Häfen. Die Kurse deutscher Staatsanleihen würden daher steigen, die Renditen bereits im zweiten Quartal unter drei Prozent fallen. Für Unternehmensanleihen böte sich hingegen gerade jetzt die beste Verkaufsgelegenheit seit 2007.

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Aktienmärkte droht Korrektur

Falsch liegen laut Müller auch jene Investoren, die an eine Fortsetzung der Aktienrally glauben. Im ersten Quartal könne der DAX zwar noch auf 6410 Punkte steigen. Doch dann erfolge der Absturz auf unter 5000 Punkte. „Wir befinden uns seit 2000 in einem gigantischen Bärenmarkt, der erst in mehreren Jahren sein Ende finden wird“, so Müller. Als unerwartet stark werde sich dagegen die japanische Börse erweisen. „Spätestens ab April setzt der Markt zu einer Erholung an, die in ihrer Dauer und ihrem Ausmaß die Überraschung 2010 sein wird“, folgert Müller. Schon im Februar werde der japanische Leitindex Topix den deutschen DAX und den S&P 500 hinter sich lassen.

Nicht ganz so überraschend fällt Müllers Einschätzung zum Kaffeepreis aus. So traut er der Sorte Arabica bis Ende des Jahres einen Anstieg auf 170 US-Cent zu. Dass die Nachfrage steigt und die Ernten schlecht ausgefallen sind, das können Anleger indes auch dem Wirtschaftsteil der Tageszeitungen entnehmen.