MARKT-AUSBLICK/Böser Cocktail - KI-Angst trifft Zinssorgen

13.02.26 11:54 Uhr

DOW JONES--Eine spannende Woche liegt vor den Aktien- und Anleihemärkten in Europa und den USA. Das lange als Heilsbringer an den US-Börsen gefeierte KI-Thema hat sich plötzlich in ein Schreckgespenst gewandelt. Anstatt auf fantasievolle Chancen der Technologie zu blicken, stehen plötzlich Kosten und Verdrängung anderer Branchen im Fokus. "Es fällt sukzessive eine Branche nach der anderen", sagt ein Händler.

Waren die Verkäufe zunächst auf juristische Software nach einem neuen Tool von Anthropic beschränkt, dehnten sie sich auf Finanzdienstleister und Broker, dann die gesamte Softwarebranche aus. Mit einer weiteren Anwendung traf es in den USA dann sogar die klassische Wirtschaft über die Logistikbranche.

Angst vor KI als neues Börsenthema - Kapitalabzug läuft schon lange

Mittlerweile wird dieses Phänomen unter dem Schlagwort "AI Agent Scare" zusammengefasst. Konkrete Zeichen für ein Ende gibt es kommende Woche noch nicht, allerdings warnen Analysten, die aktuelle Massenpanik sei nunmehr übertrieben. Tatsächlich handelt es sich auch nur noch um die letzten sentimentgetriebenen Zuckungen, wie sie typisch für das Ende großer Trends sind.

Der schleichende Kapitalabfluss aus dem KI-Thema läuft schließlich schon lange - still und heimlich seit vergangenem Sommer. So handeln Nvidia seit August nur noch seitwärts, der Kurs von Oracle hat sich seit September rund halbiert. Profi-Anleger teilen seitdem den Markt klar auf in KI-Gewinner und -Verlierer. Wer die gigantischen Investitionen zahlen muss, wie Oracle, zählt zu den Verlierern.

Chip-Hersteller müssen dagegen nur die Hand aufhalten, zu ihnen fließt das Kapital. Entsprechend hatten Maschinenhersteller ASML und Chip-Produzent TSMC ihre Aufwärtstrend seit Sommer 2025 erst so richtig beschleunigt - ebenso Siemens Energy als Zulieferer für KI-Datenzentren.

Steigende Zinsen belasten Tech-Aktien zusätzlich - PMI und PCE im Fokus

Die brutale Zweiteilung der Mitspieler im KI-Rennen dürfte sich sogar verschärfen, falls die Zinsen global steigen. Die kommende Woche werden die Börsen viel diskutieren über das Zusammenspiel von US-Arbeitsmarkt und Verbraucherpreisen (CPI). Die echte Bewährungsprobe für die US-Zinsaussichten stehen aber erst am Freitag an mit dem PCE-Index. Er wird innerhalb der US-BIP-Daten veröffentlicht und gilt als das bevorzugte Inflationsbarometer der US-Notenbank.

Dazu gesellen sich auch noch die wichtigsten Konjunkturdaten, die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) rund um den Globus. Sollten sich die Belebungsanzeichen vor allem aus Asien fortsetzen, gibt es wenig Hoffnung auf weiter fallende Zinsen. Der Druck auf Technologie-Aktien dürfte sich damit verschärfen.

Signale aus China wird es allerdings wegen der Neujahrsfeiern nicht geben. Die Börsen sind die ganze Woche geschlossen. Auch die Wall Street handelt am Montag nicht - dort erinnert der Geburtstag von George Washington an Zeiten, als die USA noch vorbildliche Präsidenten hatten.

Bei den Daten schaut man dazu noch in Deutschland auf den ZEW-Index und die Erzeugerpreise, in Japan auf das neue CPI. In den USA stehen Frühindikatoren und der Philly-Fed-Index an. Auch die Berichtssaison läuft weiter auf vollen Touren. Unter anderem kommen Geschäftsausweise quer durch alle Branchen von Airbus, Nestle, Renault, Danone und Air France - im DAX von Infineon.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/flf

(END) Dow Jones Newswires

February 13, 2026 05:54 ET (10:54 GMT)

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