Benjamin Feingold-Kolumne

Rüstungsaktien - ist die Party vorbei?

28.03.25 15:55 Uhr

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Rüstungsaktien - ist die Party vorbei? | finanzen.net

An der Börse haben Anleger Rüstungsaktien gekauft, als stünde der nächste Krieg schon vor der Tür. Aktuell konsolidieren die Titel, eine härtere Korrektur erscheint möglich.

In der Rüstungsbranche blicken die meisten Börsianer auf Rheinmetall, um eine Übertreibung bei diesen Rüstungsaktien festzumachen. Doch die Aktie von Steyr aus Österreich schoss den Vogel ab und hat die Übertreibung widergespiegelt. Sie knallte vergangenen Woche an einem Tag auf 320 Euro nach oben. Dazu muss man wissen, dass Steyr zum einen ein Sanierungsfall gewesen ist vor nicht allzu langer Zeit und zum zweiten noch vor wenigen Wochen zu 18 Euro zu haben war. Wenn sich ein Kurs binnen 15 Börsenhandelstagen verzwanzigfacht, muss schon einiges passiert sein. Im konkreten Fall hat Friedrich Merz mitgeholfen. Denn Steyr stellt Dieselmotoren her, die als Antrieb für Militärfahrzeuge und Kampfpanzer dienen können.

Nach dem Kurssprung wurde Steyr auf dem dann erreichten Rekordhoch zum 14-fachen des Jahresumsatzes bewertet. Normal ist für einen Maschinenbauer ein Kurs-Umsatz-Verhältnis, wie es im börsendeutsch heißt, von maximal zwei wie ihn gegenwärtig der Gabelstaplerkonzern Jungheinrich aufweist. Im Falle von Steyr bedeutet die auch, dass der Konzern in der Spitze an der Börse mit einer Milliarde bewertet ist während für 2025 grade mal 60 Millionen Umsatz erwartet werden.

Militär planiert alles

Doch die Österreicher sind bei Weitem nicht allein. "Renk, Hensoldt und Rheinmetall haben sich alle in der Spitze mehr als verdoppelt", rechnen die Experten vom Lynx-Broker vor. Die Aktie von Rheinmetall ist am Börsenplatz Gettex seit Wochen jeden Tag unter den TOP 3 Aktien zu finden. Nicht anders sieht es beim Smartbroker aus. Dort wurden Highflyer wie Nvidia oder D-Wave-Quantum mal eben von der gesammelten deutschen Rüstungsriege als meist gesuchte Aktien verdrängt. Rheinmetall hat beim Börsenwert 60 Milliarden erreicht nach drei Milliarden vor wenigen Jahren. Damit ist man übrigens nun wertvoller als Volkswagen. Scherzhaft könnte man hinzufügen, dass die Rheinmetall-Produkte im Friedensfall immerhin gut haltbar sind und wenig rosten.

Rüstungsaktien en vogue

Dass Rüstung momentan gehypt wird und niemand weiß, wann er endet, kann man auch an typischen Mustern erkennen. So haben mehrere Fondsgesellschaften Fonds umgestaltet, so dass man Rheinmetall und Co. in die Fonds aufnehmen kann oder gleich explizit Anlagekörbe geschaffen mit denen Anleger beim Thema Rüstung dabei sein können. Kurios dabei - noch vor wenigen Jahren verkauften die gleichen Fondsgesellschaften ESG-Produkte und Fonds mit gutem Gewissen und CO2-Fußabdruck. Ein Leopard-Panzer von Rheinmetall verbraucht im Leerlauf rund 12 Liter die Stunde und im Übungseinsatz gute 500 Liter auf 100 Kilometer. Vom CO2-Ausstoss für die Produktion wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Kurzum - Friedrich Merz hat die Zeitenwende ausgerufen und für Infrastruktur und Militär wird aller Voraussicht nach ein Budget auf nominalem Level der Wiedervereinigung locker gemacht. An der Börse schießt man schon jetzt und zwar die Kurse - nach oben.

150 Jahre Börsenerfahrung kombiniert technische Analyse, Trading, Börsenpsychologie und konkrete Investments. Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Unseren Börsendienst finden Sie unter feingoldresearch.de!

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