Neuer Bitcoin-Token-Standard

Bitcoin-Runes-Protokoll: Was seit dem Launch aus dem Token-Standard geworden ist

27.02.26 22:19 Uhr

Vom Mega-Hype zur Flaute: Wie sich das Bitcoin-Runes-Protokoll neu erfindet | finanzen.net

Das im April 2024 eingeführte Runes-Protokoll ermöglicht die Erstellung von Altcoins auf der Bitcoin-Blockchain. Nach einem explosiven Start zeigt sich inzwischen ein differenziertes Bild.

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• Runes-Protokoll ging am 21. April 2024 live, zeitgleich mit dem Bitcoin-Halving
• Nach anfänglichem Hype brach die Aktivität ein, erholte sich aber deutlich
• Entwickler Rodarmor stellte im März 2025 ein AMM-Upgrade vor

Das Runes-Protokoll ging am 21. April 2024 auf der Bitcoin-Blockchain live, nur einen Tag nach dem vierten Bitcoin-Halving. Entwickelt von Casey Rodarmor, der zuvor bereits das Ordinals-Protokoll geschaffen hatte, ermöglicht Runes die Erstellung fungibler Tokens direkt auf Bitcoin. Das Protokoll nutzt dafür Bitcoins UTXO-Modell und arbeitet komplett On-Chain, was es gegenüber dem älteren BRC-20-Standard effizienter macht. Anders als BRC-20, das auf Ordinals-Inscriptions basiert und mehrere Transaktionen für einen einzigen Token-Transfer benötigt, kommt Runes mit einer Transaktion aus und vermeidet die Erstellung überflüssiger Junk-UTXOs.

Vom Hype zum Einbruch und zurück

Der Start von Runes verlief spektakulär. Am 23. April 2024 entfielen laut einem Bericht von CoinDesk vom 14. Mai 2024 rund 81 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen auf Runes. Miner verdienten allein am Halving-Wochenende Gebühren in Höhe von über 62 Millionen US-Dollar durch Runes-Transaktionen. In der ersten Woche nach dem Launch wurden über 40.000 Runes erstellt und mehr als drei Millionen Transaktionen durchgeführt.

Doch die Euphorie war kurzlebig. Bereits im Mai 2024 berichtete CoinDesk, dass sämtliche Kennzahlen (Gebühren, neue Runes, Nutzeraktivität) um mehr als 50 Prozent gefallen seien. Bis Anfang September 2024 sank der Anteil der Runes-Transaktionen am Bitcoin-Netzwerk laut Daten von Dune Analytics auf nur noch 3,2 Prozent. Die anfänglich hohen Kosten und die Komplexität der Transaktionen schreckten viele Nutzer ab. Der DeFi-Forscher Ignas hatte bereits vor dem Launch gewarnt, dass die Begeisterung über das "Neue" schnell verfliegen könnte, da Runes zunächst vorwiegend wie Memecoins gehandelt würden.

Inzwischen hat sich die Aktivität allerdings deutlich erholt. Wie aus einer Unternehmensmitteilung von C2 Blockchain vom 20. Februar 2026 hervorgeht, entfielen laut Unternehmensangaben zuletzt rund 69,5 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen auf das Runes-Protokoll. Den größten Anteil daran hat der Token DOG•GO•TO•THE•MOON, der laut derselben Mitteilung etwa 86,8 Prozent des gesamten Bitcoin-basierten Memecoin-Volumens ausmacht. C2 Blockchain selbst hält nach eigenen Angaben über 680 Millionen DOG-Tokens als Teil seiner Treasury-Strategie.

Das "Agents"-Upgrade: AMM direkt auf Bitcoin

Eine wichtige Weiterentwicklung des Protokolls stellte Casey Rodarmor am 19. März 2025 in einer Folge seines Podcasts "Hell Money" vor. Das sogenannte "Agents"-Upgrade führt die Möglichkeit ein, Automated Market Makers (AMMs) direkt auf der Bitcoin-Blockchain (Layer 1) zu betreiben. Die "Agents" nutzen einen Mechanismus namens "Interactive Transaction Construction", der es Market-Makern ermöglicht, Liquidität in Runes-basierten AMMs bereitzustellen, ohne einer zentralen Gegenpartei vertrauen zu müssen.

Das Upgrade adressiert zwei zentrale Probleme des bisherigen Runes-Handels: das sogenannte "Batch Splitting" und das "Mempool-Front-Running", die den dezentralen Handel auf Bitcoin bislang erschwerten. Rodarmor räumte ein, dass der Durchsatz eines AMM auf Bitcoin aufgrund der Blockgröße begrenzt bleibe, bezeichnete die Funktion aber als wichtigen ersten Schritt hin zu dezentralen Märkten direkt auf der Bitcoin-Blockchain. Damit rückt das Runes-Ökosystem näher an DeFi-Funktionalitäten heran, die bislang Ethereum und Solana vorbehalten waren.

Einordnung: Bitcoin als DeFi-Plattform?

Franklin Templeton Digital Assets hatte bereits zum Launch von Runes im April 2024 große Potenziale für das Bitcoin-Ökosystem gesehen und dem Protokoll zugetraut, die Lücke zwischen Bitcoin und anderen Blockchains im Bereich fungibler digitaler Vermögenswerte zu schließen. Mit Blick auf die Entwicklung seit dem Launch zeigt sich ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite hat sich Runes als dominanter Token-Standard auf Bitcoin etabliert und den älteren BRC-20-Standard weitgehend verdrängt. Mehrere Wallets und Marktplätze, darunter Magic Eden, UniSat und OKX, unterstützen Runes inzwischen nativ. Auf der anderen Seite bleibt die Nutzung stark von spekulativer Memecoin-Aktivität geprägt. Ob das Agents-Upgrade und die damit verbundene AMM-Funktionalität das Runes-Ökosystem langfristig in Richtung produktiver DeFi-Anwendungen verschieben kann, dürfte eine der zentralen Fragen für die Weiterentwicklung von Bitcoin als programmierbare Plattform sein.

D. Maier / Redaktion finanzen.net

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