US-Anleihen: Erneute deutliche Kursgewinne - Zollkonflikt verschärtt

04.04.25 18:47 Uhr

NEW YORK (dpa-AFX) - Der von den Vereinigten Staaten ausgehende globale Zollkonflikt hat die Kurse von US-Staatsanleihen am Freitag erneut beflügelt. Die sehr hohe Unsicherheit stützt die als sicher geltenden Staatsanleihen. Der Terminkontrakt für zehnjährige Papiere (T-Note-Future) stieg um 0,80 Prozent auf 113,52 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Titel fiel auf 3,93 Prozent.

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Die Verschärfung der aggressiven Zollpolitik der US-Regierung mit der Ankündigung von Maßnahmen gegen nahezu alle Länder der Welt hatte bereits am Donnerstag die Anleihekurse stark gestützt. Hinzu kam am Freitag eine scharfe Reaktion Chinas auf die US-Zölle. Das Pekinger Finanzministerium kündigte Gegenzölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent an, die am 10. April in Kraft treten sollen. Zudem hat China elf amerikanische Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, welche es den betroffenen Firmen de facto unmöglich macht, weiter Handel in dem Land oder mit chinesischen Unternehmen zu betreiben.

Die Finanzmärkte erwarten offenbar vor allem eine deutliche Abschwächung der US-Konjunktur. Inflationssorgen scheinen weniger eine Rolle zu spielen. Die Anleger preisen derzeit vor allem eine deutliche Wachstumsabschwächung in den USA ein. So werden in den Vereinigten Staaten im weiteren Jahresverlauf mittlerweile vier Leitzinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erwartet.

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Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geht davon aus, dass das neue Zollpaket von Präsident Donald Trump zu einer höheren Inflation und einem langsameren Wachstum führen wird. "Auch wenn die Unsicherheit nach wie vor groß ist, wird nun deutlich, dass die Zollerhöhungen deutlich größer ausfallen werden als erwartet, und dasselbe gilt wahrscheinlich auch für die wirtschaftlichen Auswirkungen", sagte Powell. Dazu zählten eine höhere Inflationsrate und ein langsameres Wachstum. "Der Umfang und die Dauer dieser Auswirkungen bleiben ungewiss." Vor der Rede hatte Trump Powell aufgefordert, die Leitzinsen zu senken.

Der im März robust ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht spielte am Markt kaum eine Rolle. "Ich kann mich nicht entsinnen, dass ein US-Arbeitsmarkt jemals so zur Nebensache geriet wie heute", kommentierte Dirk Chlench, Volkswirt bei der LBBW. Die Märkte stehen ganz in Bann des Zollstreits.

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Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner erwartet in den nächsten Monaten eine Abschwächung des Arbeitsmarktes. Die Rahmenbedingungen von Unternehmen und Konsumenten seien durch zunehmende Kosten und eine steigende Verunsicherung geprägt. "In dieser Lage dürfte die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen abnehmen."/jsl/he