Hohe Stromnachfrage

Siemens Energy-Aktie im Aufwind: Rekordaufträge und Gewinnsprung pulverisieren Analystenerwartungen

11.02.26 19:23 Uhr

Wende bei Siemens Energy? Aktie klettert nach starken Quartalszahlen und sinkenden Wind-Verlusten | finanzen.net

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy profitiert weiter von einer hohen Stromnachfrage. Der Rekordauftragsbestand erreicht neue Höhen.

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Bei Siemens Energy brummt das Geschäft mit Gasturbinen, aber auch die Netztechnik floriert weiter. Das Unternehmen startete daher mit starken Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn in das neue Geschäftsjahr. An der Prognose für 2025/26 (per Ende September) hält Siemens Energy fest - gestützt durch ein Rekordauftragsbuch.

Die Aktie reagierte mit Kursgewinnen und startete mit einem Rekordhoch. Zuletzt lag das Papier mit fast sechs Prozent im Plus - nach einem Rücksetzer von 4,6 Prozent vom Vortag. Im noch jungen Jahr hat die seit zwei Jahren von Rekord zu Rekord eilende Aktie bereits wieder rund ein Drittel an Wert gewonnen und ist damit Spitzenreiter im deutschen Leitindex DAX.

Analysten begeistert

Analysten lobten durchweg die Zahlen. Angetrieben von der Dynamik im Geschäft mit Gaskraftwerken sei der Start ins Geschäftsjahr stark gewesen, bemerkte Lucas Ferhani vom Analysehaus Jefferies. Der bestätigte Ausblick für das Gesamtjahr habe nun Spielraum nach oben bei Margen und Cashflow. Die Resultate seien durch die Bank deutlich besser als erwartet ausgefallen, schrieb Colin Moody von der kanadischen Bank RBC am Mittwoch. Highlight des Ganzen sei die starke Auftragsdynamik und der sehr hohe freie Mittelzufluss. Dies bestätigte auch Phil Buller von JPMorgan. Er wies zudem noch auf die verbesserte Entwicklung bei der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa hin. Deren Verluste seien inzwischen "zu vernachlässigen".

Der Umsatz stieg im ersten Quartal (per Ende Dezember) auf vergleichbarer Basis um 12,8 Prozent auf knapp 9,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Dabei ausgeklammert sind Währungs- und Portfolioeffekte.

Starkes Neugeschäft

Stark zeigte sich das Neugeschäft, das vergleichbar um gut ein Drittel auf 17,6 Milliarden Euro zulegte und einen Rekord erreichte. Der größte Beitrag kam dabei den Angaben zufolge aus den USA. Hauptverantwortlich für das Wachstum war die starke Nachfrage im Gasturbinengeschäft, welches seinen Auftragseingang im Auftaktquartal um mehr als 80 Prozent auf 8,75 Milliarden Euro steigerte. Die Netztechnik warb gut ein Fünftel mehr Aufträge ein. Damit sitzt Siemens Energy nun auf einem Rekordauftragsbestand von 146 Milliarden Euro.

Kunden kaufen früher

Kunden platzierten Aufträge inzwischen wegen der langen Lieferzeiten möglichst früh, sagte Konzernchef Christian Bruch in einer Telefonkonferenz. Derzeit würden bereits Kapazitäten für 2029 und 2030 reserviert. Dabei profitiere Siemens Energy generell von einem höheren Strombedarf, aber auch von der steigenden Energie-Nachfrage im Zusammenhang mit Rechenzentren im Zuge des KI-Booms.

Um die Nachfrage bedienen zu können, investiert Siemens Energy derzeit viel Geld in den Ausbau der Kapazitäten. Erst vergangene Woche hatte das Unternehmen angekündigt, in den USA eine Milliarde US-Dollar vor allem in die Erweiterung seiner Werke stecken zu wollen. Mehrheitlich investiere Siemens Energy jedoch in Europa, sagte Bruch.

Das bereinigte operative Ergebnis stieg von 481 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro, die entsprechende Marge kletterte um 6,6 Prozentpunkte auf 12 Prozent. Dies war deutlich mehr als von Analysten im Vorfeld erwartet worden war und liegt über dem Jahresziel von 9 bis 11 Prozent. Den Löwenanteil lieferten wie erwartet das Gas- und Netzgeschäft. Zudem reduzierte das seit Jahren schwächelnde Windturbinengeschäft Siemens Gamesa seine Verluste deutlich. Unter dem Strich verdreifachte Siemens Energy den Gewinn mit 746 Millionen Euro fast.

"Der Start in das Geschäftsjahr ist für uns sehr erfolgreich verlaufen. Besonders die anhaltend hohe Nachfrage im Geschäft mit Gasturbinen und Netztechnik leistet einen wesentlichen Beitrag zur positiven Entwicklung. Auch im Windgeschäft zeichnet sich eine leichte Verbesserung ab", kommentierte Konzernchef Bruch. Die Jahresprognose, die deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn vorsieht, wurde bestätigt.

So reagiert die Siemens Energy-Aktie

Die Aktien von Siemens Energy waren am Mittwoch bei Anlegern wie schon seit vielen Monaten heiß begehrt. Die Rekordjagd, die im Oktober 2024 mit einer Bestmarke begonnen hatte, setzte sich nach Zahlen zum ersten Geschäftsquartal fort. Ein Rückschlag vom Vortag wurde mehr als nur aufgeholt und erstmals wurden Kurse über 160 Euro für die Aktien bezahlt. Zum Handelsschluss war der Aufschlag via XETRA mit 163,25 Euro 8,4 Prozent groß.

Analyst Gael de-Bray von Deutsche Bank Research wies angesichts der weiterhin guten Kursentwicklung darauf hin, dass die schon hohen, eingepreisten Erwartungen mit den Resultaten für das erste Geschäftsquartal noch übertroffen worden seien. Der Energietechnikkonzern profitierte weiter von einer hohen Stromnachfrage und verzeichnete dabei Rekordaufträge.

Lucas Ferhani vom Investmenthaus Jefferies sprach von einem "starken Jahresauftakt", der getrieben sei vor allem von der Nachfrage im Gasturbinengeschäft, das den Auftragseingang aus eigener Kraft im Quartal um mehr als 80 Prozent steigern konnte. Ein weiterer Wachstumstreiber war die Netztechnik. Neben den Auftragseingängen haben laut Ferhani auch der bereinigte Gewinn und der freie Finanzmittelfluss weit über den Erwartungen gelegen.

Durch die Kursgewinne vom Mittwoch steigerten die Siemens-Energy-Aktien ihr Jahresplus auf mehr als 30 Prozent, was sie 2026 zum bislang besten DAX-Wert macht. Diese Rolle hatten sie 2024 schon inne und 2025 unter den Indexmitgliedern immerhin den zweiten Platz eingenommen. Die beeindruckende Rally wurde zuletzt weiter angetrieben von der Hoffnung darauf, dass das Unternehmen eine wichtige Rolle beim Trendthema der Künstliche Intelligenz spielt. So brauchen KI-Rechenzentren riesige Strommengen.

Im Oktober 2023 hatte der Kurs von Siemens Energy mit 6,40 Euro noch auf einem Rekordtief gestanden wegen einer Schieflage der Windkrafttochter Gamesa. Davon ausgehend, sind sie mittlerweile das 25-fache wert. Die Rally ist damit noch etwas beeindruckender als jene von Rheinmetall, die 2022 bis zum russischen Überfall auf die Ukraine noch weniger als 100 Euro kosteten und im Oktober bei knapp über 2000 Euro ihre Spitze fanden, von der sie sich längst verabschiedet haben.

/nas/ajx/he

MÜNCHEN (dpa-AFX)

Bildquellen: Siemens Energy AG

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30.03.2026Siemens Energy BuyJefferies & Company Inc.
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