Wacker Chemie: Solider Konzern mit Hebelwirkung
Ist der Preisverfall bei Polysilizium endlich vorbei? Experten sehen klare Zeichen einer Trendwende. Die Aktie des weltweit zweitgrößten Produzenten des Solarrohstoffs, Wacker Chemie, zieht deutlich an.
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von Stephan Bauer, Euro am Sonntag
Sand zu Gold — das war die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Wacker Chemie noch vor wenigen Jahren. Die Bayern verkauften Polysilizium, ein Halbmetall, das aus Sand hergestellt wird, zu Höchstpreisen an die boomende Solarindustrie. In Spitzenzeiten kassierte der Konzern 500 Dollar pro Kilogramm für den Rohstoff, aus dem Solarzellen gefertigt werden. Herstellungskosten: damals 30 bis 40 Dollar pro Kilogramm.
Es kam, wie es kommen musste. Weltweit investierten Hersteller Milliarden in den Ausbau der Produktionskapazitäten für hochreines Silizium. Erst kollabierte der Preis der daraus hergestellten Solarzellen. Dann übertrug sich die Nachfrageschwäche auf das Geschäft mit dem Rohstoff. Die Notierung zerbröselte wie Sand, aus 500 Dollar wurden zuletzt etwa 20 Dollar pro Kilo.
Der Boom und der anschließende Einbruch der Preise spiegeln sich in den Gewinnen von Wacker wider. 2010 freute sich Vorstandschef Rudolf Staudigl beim operativen Gewinn noch über einen Rekord von knapp 1,2 Milliarden Euro. Allein das Polysiliziumgeschäft trug mehr als 730 Millionen Euro dazu bei. Aus jedem Euro Umsatz mit dem schwarz glänzenden Material kristallisierten die Bayern rund 55 Cent Gewinn.
Sonnengeschäft regt sich
Vor wenigen Tagen musste Staudigl den zweiten Rückgang des operativen Gewinns in Folge bekannt geben. 2012 ging es um 29 Prozent runter, bereits im Vorjahr waren die Profite des MDAX-Werts gesunken. Eine erfreuliche Nachricht gab es jetzt aber auch: Die Bayern spüren wieder Aufwind bei ihrem immer noch gewinnträchtigsten Produkt.
Seit einigen Wochen deuten Indikatoren darauf hin, dass der Solarrohstoff bei der Preisentwicklung die dunkelsten Tage hinter sich haben könnte. So hat sich etwa der Anteil der Polysiliziumgeschäfte, der auf dem Spotmarkt stattfindet, deutlich reduziert. Noch im Mai lief fast die Hälfte der Transaktionen auf kurzfristiger Basis und in kleineren Mengen ab, typisch für diesen Markt. Dies und die stark fallenden Preise galten als klares Indiz, dass Lagerbestände verramscht wurden.
Die Zeit der Panikverkäufe ist offenbar vorbei. Im Dezember lag der Anteil der Spotmarktdeals laut US-Analysehaus IHS bei moderaten 20 Prozent, der Anteil lang laufender Kontrakte stieg wieder auf ein Normalmaß. Vor allem aber zieht die Nachfrage an. „Wir können zwar noch nicht sagen, ob es sich um Käufe für die aktuelle Produktion von Solarzellen oder um Lageraufstockungen handelt, die Tendenz ist aber eindeutig positiv“, sagt ein Branchenbeobachter.
Auch beim — nach dem US-Rivalen Hemlock Semiconductor — weltweit zweitgrößten Polysiliziumanbieter kommt die Erholung an: Wegen steigender Nachfrage beendete Wacker soeben die seit Herbst währende Kurzarbeit am Standort Burghausen. Der Chef wittert auch bei den Preisen Morgenluft. „In den vergangenen Wochen gab es ermutigende Signale, die auf einen verstärkten Ausbau der Fotovoltaik deuten“, sagte Staudigl. Dies könne sowohl den Absatz als auch die Notierungen bei Polysilizium positiv beeinflussen, so der promovierte Chemiker.
Konsolidierung macht Mut
Die Voraussetzungen für eine dauerhafte Erholung stehen nicht schlecht. Die Branchenkonsolidierung fordert ihre Opfer, vor allem unter Anbietern mit höheren Produktionskosten. So stellte etwa der zweitgrößte chinesische Siliziumproduzent LDK die Produktion im Herbst mehr oder weniger ein. Der Solarkonzern, der hauptsächlich Wafer für Solarzellen herstellt, gilt als faktisch insolvent.
Wacker setzt unterdessen weiter auf das Geschäft. Die Bayern eröffneten im April 2012 nach fast vier Jahren Bauzeit eine große Polysiliziumanlage in Sachsen. Inzwischen tritt Staudigl bei den Ausgaben jedoch auf die Bremse. Die Fertigstellung einer weiteren Anlage in den USA wurde auf 2015 verschoben. Die Investitionen sollen 2013 insgesamt fast um die Hälfte auf etwa 600 Millionen Euro sinken, was die Finanzlage entspannt.
Wegen des hohen Gewinnhebels hatten Börsianer bislang stets die Siliziumsparte im Blick. Dabei glänzt Wacker auch in der klassischen Chemie. Der Konzern stellt unter anderem Polymere her, Kunststoffe, die für Verputze von Häusern oder Beschichtungen von Verpackungen benötigt werden. Hier profitiert das Unternehmen beispielsweise von der guten Baukonjunktur in den asiatischen Wachstumsmärkten. Der Umsatz der größten Konzernsparte zog zuletzt deutlich an, der operative Gewinn verdoppelte sich im vierten Quartal beinahe. Diese solide Basis — und die Hoffnung auf wieder bessere Geschäfte in der Hochglanzsparte Polysilizium — machen die Aktie attraktiv. Auch wenn die Zeiten, in denen bei Wacker aus Sand Gold wurde, wohl endgültig vorbei sein dürften.
Investor-Info
Wacker-Konzern
Mehr als Solarmaterial
Ein Fünftel des Umsatzes stammt aus dem Siliziumgeschäft, das trotz Preisverfall die höchsten Gewinnmargen abwirft. Etwa 60 Prozent liefert die Chemiesparte mit Produkten wie Silikonen oder Polymeren etwa für die Bauindustrie. Wacker stellt überdies Wafer für die Chipproduktion her.
Die Aktie
Mit Nachbrenner
Das Papier gilt als Solaraktie, was am hohen Gewinnhebel der Polysiliziumsparte liegt. Wacker ist indes ein Chemiekonzern, der mit operativen Margen von etwa sieben Prozent und einem ähnlich hohen Wachstum ein solides Kerngeschäft hat.
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19.03.2025 | WACKER CHEMIE Buy | Deutsche Bank AG | |
17.03.2025 | WACKER CHEMIE Buy | Warburg Research | |
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13.02.2024 | WACKER CHEMIE Verkaufen | DZ BANK | |
30.01.2024 | WACKER CHEMIE Verkaufen | DZ BANK | |
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