MÄRKTE EUROPA/Ölpreisschock lastet schwer auf Aktienkursen - Zinsen steigen weiter

09.03.26 09:57 Uhr

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DOW JONES--Europas Börsen sind mit einem Ölpreisschock in die neue Woche gestartet und tendieren sehr schwach. Vor dem Hintergrund der anhaltenden beiderseitigen militärischen Gewalt im Iran-Krieg phasenweise schossen die Ölpreise um bis zu 30 Prozent nach oben. Der zuvor bereits stark gestiegene Preis der Nordseesorte Brent erreichte in der Spitze knapp 120 Dollar gestiegen. Aktuell "beruhigt" sich die Lage zumindest etwas, der Preis liegt bei etwa 107 Dollar, was aber immer noch ein Plus von 16 Prozent bedeutet.

Darauf knickten zunächst die Börsen in Asien ein, zugleich schnellten die Renditen an den Anleihemärkten nach oben. Die haussierenden Energiepreise, aber auch Sorgen vor Störungen der Lieferketten schüren Stagflationsängste, zumal den Zentralbanken in einem solchen Szenario weitgehend die Hände gebunden sind. An den Märkten werden entsprechend Zinssenkungserwartungen zunehmend ausgepreist. Laut Medienberichten wollen die Finanzminister der G7-Staaten zusammenkommen, um über eine Freigabe der strategischen Ölreserven zu sprechen.

Der DAX verliert 2,4 Prozent auf 23.033 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 geht es 2,6 Prozent nach unten. Die Marktzinsen steigen, die deutsche Zehnjahresrendite notiert bei 2,88 Prozent, etwa 3 Ticks höher als am Freitag. Im Hoch waren es schon über 2,90 Prozent, Am Devisenmarkt ist der Dollar als sicherer Hafen gesucht - der Euro wertet auf 1,1530 Dollar ab. Das Gold kann dagegen von seinem Ruf als sicherer Hafen nicht profitieren, der Preis für das Edelmetall fällt um 1,4 Prozent auf 5.094 Dollar zurück, auch belastet vom festen Dollar.

Solange die Straße von Hormus "dicht" ist, gibt es nach Einschätzung von QC Partners praktisch keine Hoffnung auf einen Rückgang des Ölpreises. Viele Golfstaaten hätten ihrer Produktionsmengen bereits massiv gedrosselt. Vom produzierten Öl komme ohne die Straße von Hormus deutlich weniger Öl nach Asien und Europa. "Statistiken zeigen: Kein einziger Öltanker hat die Straße von Hormus während der vergangenen 7 Tage in Richtung Westen passiert. Das gab es noch nie seit Beginn der Datenerhebung", so die QC-Experten.

Derweil wurde Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Khamenei als neuer Oberster Führer des Iran ernannt. Das deutet auf eine Fortsetzung der Politik der Hardliner hin und könnte auf einen längeren Krieg hindeuten. Zugleich gibt es seitens der USA keinerlei Anzeichen für eine Einlenken. US-Präsident Donald Trump will offenbar eine "bedingungslose Kapitulation" des Iran und schloss auch einen möglichen Einsatz von US-Bodentruppen nicht aus. Den explodierenden Ölpreis stuft er derweil als "kleinen Preis ein, den es zu zahlen gilt".

"Das ist eine neue Eskalationsstufe. Aber ich gehe davon aus, dass wir heute Nacht die Hochs in Öl gesehen haben, auch wenn es in den nächsten Wochen extrem schwankungsintensiv bleiben wird", kommentiert Jens Klatt von XTB die Entwicklung. Er verweist dazu auf die Zwischenwahlen in den USA im November. "Wenn die Republikaner bzw. US-Präsident hier einen Sieg einfahren wollen, muss der Ölpreis zurück unter 100 Dollar - und zwar deutlich", sagt er.

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg spielen in dem Umfeld keine Rolle.

Die Aktien von Luftfahrtgesellschaften werden im Handel als die Hauptverlierer des eskalierenden Krieges im Nahen Osten gesehen. Diese würden gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: einerseits durch die erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs und andererseits durch den historisch rapiden Ölpreisanstieg. Lufthansa verlieren 4,9, Air France 4,8 oder IAG 4,2 Prozent. Für die Reiseaktie Tui geht es um 3,3 Prozent nach unten.

Unternehmensnachrichten, die die Kurse bewegen sind rar. Roche sacken um 5,7 Prozent ab, zusätzlich belastet von der Nachricht eines Fehlschlags in einer Studie mit einer experimentellen Brustkrebs-Therapie.

Im DAX zeigen sich Gea mit einem nur kleinen Minus von 0,4 Prozent, nach der Vorlage von Geschäftszahlen. Die Zahlen enthielten nichts Überraschendes, das gelte auch für den Ausblick, heißt es. Die Aktionäre sollen für 2025 eine um 15 Cent höhere Dividende von 1,30 Euro je Aktie bekommen.

INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD

Euro-Stoxx-50 5.571,39 -2,6 -148,51 5.719,90 16,8

Stoxx-50 4.883,51 -2,2 -107,50 4.991,01 11,9

DAX 23.033,36 -2,4 -557,67 23.591,03 19,9

MDAX 28.662,61 -2,8 -820,17 27.039,42 15,3

TecDAX 3.531,12 -2,1 -76,36 3.091,28 4,8

SDAX 16.759,14 -2,8 -473,55 13.062,07 22,4

CAC 7.792,09 -2,5 -201,40 7.993,49 10,0

SMI 12.778,21 -2,4 -317,34 13.095,55 11,4

ATX 5.250,32 -2,8 -153,33 5.403,65 38,3

DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 18:30

EUR/USD 1,1519 -0,9 -0,0099 1,1618 1,1595

EUR/JPY 182,73 -0,3 -0,5300 183,26 182,9200

EUR/CHF 0,8981 -0,4 -0,0034 0,9015 0,9014

EUR/GBP 0,8656 -0,0 -0,0002 0,8658 0,8660

USD/JPY 158,62 +0,5 0,8300 157,79 157,7300

GBP/USD 1,3307 -0,8 -0,0104 1,3411 1,3388

USD/CNY 6,9167 +0,3 0,0202 6,8965 6,8965

USD/CNH 6,9236 +0,3 0,0189 6,9047 6,9004

AUS/USD 0,6988 -0,6 -0,0042 0,703 0,7014

Bitcoin/USD 67.803,84 +0,9 584,51 67.219,33 68.244,64

ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag

WTI/Nymex 103,45 +13,8 12,55 90,9

Brent/ICE 106,86 +15,3 14,17 92,69

Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag

Gold 5.094,72 -1,5 -75,20 5.169,92

Silber 83,65 -0,8 -0,68 84,33

Platin 2.100,07 -1,7 -35,28 2.135,35

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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