Ökologische Fassaden: Mehr als nur ein grüner Anstrich
Werbemitteilung unseres Partners
finanzen.net GmbH ist für die Inhalte dieses Artikels nicht verantwortlich

Bis zum Jahr 2030 soll sich der Anteil der Solarenergie am Energieverbrauch in Deutschland mehr als verdreifachen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind technologische Innovationen notwendig, die Photovoltaik (PV) nicht nur auf Dächern, sondern auch an Gebäudefassaden integrieren. Das Forschungsprojekt "SolarEnvelopeCenter", gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, arbeitet an solchen Lösungen.
Begrünte Fassaden bieten nicht nur Vorteile für das Stadtklima, sondern auch für die Artenvielfalt, Schadstofffilterung und Lärmdämmung.
Ein zukunftsweisendes Beispiel für diese Innovation ist das Bürogebäude Obere Waldplätze (OWP) 12 in Stuttgart. Das Gebäude kombiniert eine vertikale Gartenfassade mit einer modularen, energieerzeugenden Fassade. Zusätzlich zu den Solaranlagen auf dem Dach sorgt die Grünfassade mit PV-Elementen an der Süd- und Westseite für ausreichend grünen Strom. Insgesamt wird aus der 700 m² großen Fassade etwa rund 70 MWh Strom jährlich gewonnen. Entwickelt von Drees & Sommer SE in Zusammenarbeit mit FKN Fassaden und dem Dämmstoffhersteller Evonik, ist die Fassade gerade einmal 210 mm dick und integriert PV-Elemente, die etwa ein Drittel des Strombedarfs des Gebäudes decken. Neben der Energieerzeugung bietet die Fassade hervorragende Wärme- und Schalldämmung und ist zudem brandsicher.
Moderne Grünfassade: Temperaturregulierend und brandsicher
In Stuttgart und anderen Städten wird die Fassadenbegrünung zunehmend vorgeschrieben. Drees & Sommer testet dies an einem eigenen Gebäude und will damit nicht nur Vorbild sein, sondern auch bei der Entwicklung der notwendigen Umsetzungsgrundlagen mitwirken. Eine grüne Wand erstreckt sich über drei Geschosse mit 12 m Höhe und mehr als 100 m² Fläche. Diese vorgehängte, hinterlüftete und vergleichsweise leichte Fassadenplatte kombiniert ein flächiges Vlies-Substrat-System aus vornehmlich nicht brennbaren Materialien. Ein Brandversuch zeigte 2020, dass der Wasseranteil in der Anlage die Fassade kühlt und so im Hinterlüftungsraum für niedrigere Temperaturen sorgt. Das Begrünungssystem wiegt wassergesättigt nur 35 kg/m².
Für ein ganzjähriges lebendiges und dynamisches Fassadenbild kommen beim gemeinsam mit der Firma Vertiko entwickelten Pflanzkonzept 2500 Einzelpflanzen in elf verschiedenen Arten und sechs verschiedenen Farbgebungen zum Einsatz. Bewässert wird die auf den Standort an der Nordseite des Gebäudes abgestimmte Pflanzenmischung mit Regenwasser, das in drei Zisternen auf dem Gebäudedach gesammelt und über ein Freispiegelgefälle verteilt wird. Nur bei außerordentlichen Hitzeperioden unterstützt ein automatisch gesteuertes Nachspeisesystem die Wasserversorgung mit Trinkwasser.
Im Vergleich zu einer Standardfassade erfordert die Fassadenbegrünung nur einen geringen Mehraufwand und liegt bei den Kosten pro Quadratmeter nur unwesentlich höher als bei vergleichbaren Konstruktionen. Die Fassadenbegrünung bietet dabei nicht nur ästhetische , sondern auch zahlreiche ökologische und klimatische Vorteile. Sie trägt maßgeblich zur Temperaturregulierung bei, filtert Schadstoffe aus der Luft, dämmt Lärm und bietet Lebensraum für Insekten. Durch die ganzjährige Begrünung entsteht ein dynamisches und lebendiges Erscheinungsbild, das zur Verbesserung des städtischen Klimas beiträgt.
Nachhaltiges Bauen und Solarenergie: Cradle-to-Cradle und das SolarEnvelopeCenter
Das Bürogebäude OWP12 in Stuttgart setzt auf das Cradle-to-Cradle-Prinzip, um Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen zu minimieren. Materialien der e-coFACE-Fassade sind Cradle-to-Cradle Gold zertifiziert und erfüllen Umweltstandards wie DGNB, LEED und BREEAM. Die geplante Rückbaubarkeit ermöglicht eine sortenreine Trennung und Wiederverwertung, was den Ressourcenverbrauch reduziert. Dennoch sind grüne Fassaden sowie Solarmodule an Gebäudefassaden sind noch selten. Um das Ziel von 200 Gigawatt Solarenergie bis 2030 zu erreichen, müssen noch mehr Photovoltaikanlagen an Fassaden installiert werden. Das Forschungsprojekt "SolarEnvelopeCenter" entwickelt standardisierte Lösungen für die PV-Integration an Fassaden. Bis Ende 2025 sollen die Ergebnisse als VDI-Richtlinie veröffentlicht werden, um die breite Anwendung zu fördern.
Zum Autor: Thomas Berner, Associate Partner bei der Drees & Sommer SE

Thomas Berner studierte an der Technischen Universität Stuttgart Bauingenieurwesen und schloss seine akademische Laufbahn als Diplom-Ingenieur ab. Nach seinem Studium begann er bei der Drees & Sommer SE und war dort zuerst als Projektmanager, dann als Projektpartner und seit 2014 als Associate Partner tätig. Seine Expertise umfasst das Kosten- und Baumanagement, die Risikosteuerung und -beratung sowie die Leitung des Bereichs Immobilienmanagement SE und weitere Themengebiete rund um komplexe Bauvorhaben. Zu seinen persönlichen Referenzprojekten zählen unter anderem der Neubau des Bürogebäudes Obere Waldplätze in Stuttgart, das Einkaufszentrum Gerber in Stuttgart, das Mercedes-Benz Center in Sindelfingen und das Office L und LE der Daimler Real Estate GmbH.
Drees & Sommer: Uniting opposites to create a world we want to live in.
Nachhaltige, innovative und wirtschaftliche Lösungen für Immobilien, Industrie, Energie und Infrastruktur zu beraten, umzusetzen – oder den Kunden sogar beides aus einer Hand zu bieten – das zeichnet das partnergeführte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE aus. Im Jahr 1970 gegründet und seitdem als Nachhaltigkeitspionier und Digitalisierungstreiber der Real Estate Branche bekannt, beschäftigt das Unternehmen mehr als 5.100 Mitarbeitende an 59 Standorten. Interdisziplinär zusammengesetzte Teams arbeiten in mehr als 5.000 Projekten weltweit daran, eine lebenswerte Zukunft zu schaffen und scheinbare Gegensätze zu vereinen: Tradition und Zukunft, Analog und Digital, Effizienz und Wohlbefinden. Als Unternehmer im Unternehmen steht dafür eine persönlich verantwortliche Partnerschaft ein.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
Bildquellen: Drees & Sommer