Energiewende: Auf die Plätze - fertig - los!
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Die Energiewende, deren Fokus in den vergangenen Jahren vor allem auf der Stromerzeugung lag, erreicht zunehmend den Gebäudesektor. Die energiepolitischen Ziele der Europäischen Union und der Bundesregierung sind ambitioniert: Bis 2050 soll der Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein, also auch bei der Wärmeerzeugung per saldo praktisch kein C02 mehr ausstoßen.
Man spricht daher auch von der "Dekarbonisierung der Wärme". Ein Großteil des deutschen Gebäudebestands und der Infrastruktur müsste dafür energetisch auf Vordermann gebracht werden. Doch bislang bleibt die Sanierungsquote noch weit hinter den Erwartungen zurück: Derzeit werden jedes Jahr gerade mal ein Prozent der Gebäude energetisch saniert. Bleibt es dabei, würde nicht einmal die Hälfte des ausgegebenen Ziels erreicht. Auch bei der Infrastruktur sieht es derzeit nicht so aus, dass Ersatzlösungen für die fossile Wärmeerzeugung gefunden und angegangen werden.
Um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, müssen der Gebäude- und Gebäudetechnikbestand gemeinsam mit der technischen Infrastruktur für Wärme, Strom, Abwasser und den vorhandenen Umweltenergien wie Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie, Grundwasser, Außenluft und sogar der e-Mobilitätsinfrastruktur ganzheitlich betrachtet werden. Die seitherige "Integrale Planung" muss ausgehend vom Gebäude auf die Quartiersebene erweitert werden. Gebäude sind hier über Photovoltaik auf dem Dach und in der Fassade ebenso Energieerzeuger, mit Speichern ausgestattet auch Energiespeicher und zugleich vernetzte Energieverbraucher.
Effektive Energiestrategie dank Künstlicher Intelligenz
In Ballungsräumen ist zu erwarten, dass eine zukünftige Fernwärme-Infrastruktur eher mit kühleren Vorlauftemperaturen auskommt. Nach dem Vorbild Dänemarks konnte die Fernwärme auf Niedertemperatur oder kalte Fernwärme umgestellt werden. Größere Wärmetauscher, andere Trinkwassererwärmungssysteme und Wärmepumpensysteme, die die kalte Fernwärme zum Heizen als Wärmequelle und zum Kühlen als Wärmesenge nehmen, stellen dann die Gebäudetechniken der Zukunft dar. Energieträger der Zukunft ist Strom aus regenerativen Quellen. Die regenerativen Energiesysteme wie Photovoltaik auf dem Dach und in der Fassade, Geothermie für Heizen und Kühlen, Wärmepumpen oder Solarthermie sind technologisch ausgereift und bereits heute wirtschaftlich einsetzbar.
Über- und Unterkapazitäten von Energieerzeugung und Energieverbrauch werden im Netz intelligent gesteuert und untereinander ausgetauscht. Für die Vorausschau und Prognose können heute bereits Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um zu lernen, welche Steuerungsstrategie am effektivsten ist. Man spricht dann auch von Customized Smart Buildings oder Smarten Stadtquartieren.
Bausteine für eine klimaneutrale Zukunft
Neben der technologischen Entwicklung setzt die Europäische Kommission mit dem European Green Deal Zeichen in eine nachhaltigere Zukunft für den Neubau und den Bestand. Durch die Offenlegungsverordnung und die EU-Taxonomie kommen dem Finanzsektor und damit auch der Immobilienbranche und Energiewirtschaft Schlüsselrollen zu. Nach dem Aktionsplan zur Finanzierung des nachhaltigen Wachstums sollen Investitionsentscheidungen nach Kriterien für "Environmental", "Social" und "Governance", kurz "ESG", bewertet werden.
Die Offenlegungsverordnung verpflichtet institutionelle Anleger und Vermögensverwalter offenzulegen, inwieweit Nachhaltigkeitskriterien bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt werden. In der EU-Taxonomie wird festgelegt, wann Wirtschaftstätigkeiten nachhaltig sind. Beide legislativen Bausteine führen dazu, dass sich die Immobilienbranche und die Energiewirtschaft nachhaltig verändern werden. Gebäude- und Portfoliobesitzer müssen offenlegen, dass ihre Immobilien nachhaltig gebaut und betrieben werden. Die Offenlegung wird zwangsläufig mehr Investitionen in die energetische beziehungsweise nachhaltige Ertüchtigung des Immobilienbestandes nach sich ziehen.
Die Weichen sind gestellt. Eine klimaneutrale Zukunft scheint wirtschaftlich machbar. Der Technischen Gebäudeausrüstung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Denn nur mit dem sinnvollen Einsatz der innovativen Technologien werden die Klimaziele erreichbar sein.
Über den Autor:

Michael Bauer gehört seit 2005 zu den Partnern von Drees & Sommer. Bereits seit 1999 ist er am Standort Stuttgart Experte der Bereiche Energiedesign, Gebäudetechnik und Green Building. Seine Schwerpunkte sind die gewerkeübergreifende Planung und Optimierung von Gebäudetechnik - Raumklimatechnik - Bauphysik - und Fassadentechnik, das Entwickeln innovativer Energiekonzepte und neuer Planungs- und Inbetriebnahmemethoden mit BIM. Zu seinen Referenzprojekten gehören unter anderem die Experimenta Heilbronn und die Entwicklung A-Plus des Flughafen Frankfurt. Michael Bauer absolvierte sein Studium mit Schwerpunkt energiesparende Gebäudetechnik an der Universität Stuttgart, wo er heute selbst als Honorarprofessor an den Instituten Baubetriebslehre und Gebäudeenergetik lehrt.
Drees & Sommer: Innovativer Partner für Beraten, Planen, Bauen und Betreiben.
Als führendes europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen begleitet Drees & Sommer private und öffentliche Bauherren sowie Investoren seit 50 Jahren in allen Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur – analog und digital. Durch zukunftsweisende Beratung bietet das Unternehmen Lösungen für erfolgreiche Gebäude, renditestarke Portfolios, leistungsfähige Infrastruktur und lebenswerte Städte an. In interdisziplinären Teams unterstützen die rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an weltweit 46 Standorten Auftraggeber unterschiedlichster Branchen. Alle Leistungen erbringt das partnergeführte Unternehmen unter der Prämisse, Ökonomie und Ökologie zu vereinen. Diese ganzheitliche Herangehensweise heißt bei Drees & Sommer „the blue way“.
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Bildquellen: Drees&Sommer