Zu viele ETFs im Depot? Warum mehr Fonds nicht immer mehr Diversifikation bedeuten

Viele Anleger setzen auf zahlreiche ETFs, um ihr Risiko zu streuen - doch so können Überschneidungen entstehen, die das Klumpenrisiko erhöhen.
• Mehr ETFs können zu Doppelungen statt echter Risikostreuung führen
• US-lastige Indizes erhöhen oft unbewusst die Gewichtung einzelner Märkte
• Portfolio mit wenigen ETFs bleibt übersichtlich und effizient
Beim Aufbau eines Depots gilt Diversifikation als zentrale Regel zur Risikoreduzierung. Doch eine größere Anzahl an ETFs führt nicht automatisch zu einer besseren Streuung. Anleger kombinieren häufig globale ETFs mit zusätzlichen Indizes wie S&P 500 oder Themenfonds etwa für KI oder Cybersecurity, um von bestimmten Trends oder insbesondere der starken Entwicklung des US-Markts zu profitieren - und zugleich ein Gefühl breiter Diversifikation zu erzeugen.
Mögliche Überschneidungen
In der Praxis bringt eine Vielzahl an ETFs jedoch nicht immer echten Mehrwert. Stattdessen können Überschneidungen entstehen: Wer beispielsweise einen globalen Index wie den MSCI ACWI mit US-lastigen Indizes kombiniert, erhöht vor allem den ohnehin hohen Anteil amerikanischer Aktien. Dadurch werden bestimmte Titel mehrfach gewichtet, ohne dass die Streuung tatsächlich zunimmt. Ähnliches gilt für Themen-ETFs: Viele der darin enthaltenen Unternehmen sind bereits in globalen Indizes stark vertreten, sodass zusätzliche Investments die Diversifikation eher verringern als erhöhen können.
Komplexität des Portfolios
Mit steigender Anzahl an ETFs wächst zudem die Komplexität des Portfolios. Die Übersicht leidet, und auch der Aufwand für Anpassungen nimmt zu. Wer feste Gewichtungen einhalten möchte, muss regelmäßig Positionen anpassen. Das wird mit mehr ETFs aufwendiger. Hinzu kommen potenzielle Kosten und steuerliche Effekte durch häufigeres Umschichten.
So kann es funktionieren
Für viele Anleger reicht daher ein eher schlankes ETF-Portfolio. Ein einzelner weltweit investierender ETF kann bereits viele Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abdecken und erfordert kaum Pflege. Mit zwei ETFs lässt sich die Gewichtung zwischen entwickelten Märkten und Schwellenländern gezielt steuern. Drei ETFs ermöglichen zusätzliche Schwerpunkte - etwa eine stärkere Europa-Gewichtung oder das Einbauen bestimmter Faktoren wie Small Caps - sollten aber einen klaren Zweck erfüllen.
Wer dennoch gezielt auf Trends setzen möchte, kann dies über eine Core-Satellite-Strategie umsetzen. Dabei bildet ein breit gestreuter Kern aus ein bis drei ETFs den Großteil des Portfolios, während kleinere Beimischungen für Themen oder Einzelaktien genutzt werden. So bleibt die Grundstruktur stabil, ohne auf zusätzliche Chancen verzichten zu müssen.
Unter dem Strich gilt: Die richtige Anzahl an ETFs gibt es nicht - diese hängt unter anderem von der Anlagestrategie und der Risikobereitschaft ab . Zudem entscheidet nicht die Anzahl der ETFs über die Diversifikation, sondern die enthaltenen Werte. Zu viele Fonds können zu Dopplungen, höherem Aufwand und mehr Komplexität führen - ohne echten Nutzen für die Risikostreuung.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Weitere News
Bildquellen: Imagentle / Shutterstock.com, Shutterstock.com