Devisen-Trader-Kolumne Detlef Rettinger

Emerging-Markets-Währungen: Welche sollten Sie meiden?

04.06.12 09:28 Uhr

Emerging-Markets-Währungen: Welche sollten Sie meiden? | finanzen.net

Nachdem in den ersten Monaten des Jahres die Risikofreude an die Märkte zurückkehrte, ging es in den letzten Wochen ...

Werte in diesem Artikel
Devisen

1,0961 USD -0,0001 USD -0,01%

... wieder in die entgegengesetzte Richtung. Die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus dem Euro und dem Auseinanderfliegen der ganzen Eurozone ließ die Investoren wieder in sichere – oder vermeintlich sichere – Anlagen fliehen. Doch das ist es nicht allein: Auch die Sorge vor einem Einbruch der Weltkonjunktur hat wieder zugenommen. Dabei steht vor allem China im Blickpunkt, wo die geringere Wachstumsdynamik auch strukturelle Probleme aufdeckt. Die am Freitag veröffentlichten, zahlreichen Konjunkturdaten aus den USA, China und Europa enttäuschten allesamt und schickten die Aktienbörsen auf Talfahrt.

Wer­bung
EUR/USD und andere Devisen mit Hebel via CFD handeln (long und short)

Handeln Sie Währungspaare wie EUR/USD mit Hebel bei Plus500 und partizipieren Sie an steigenden wie fallenden Notierungen.

Plus500: Beachten Sie bitte die Hinweise5 zu dieser Werbung.

Eurokrise und Wachstumsangst schütteln den Markt

Trotzdem bleibt die US-Wirtschaft ein Hoffnungsschimmer für die Weltkonjunktur. Dank ihrer starken Binnenorientierung zeigt sie sich bislang relativ robust gegenüber der Eurokrise und den Problemen in Asien. Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten für Mai haben an dieser Einschätzung grundsätzlich nichts geändert. Große Dynamik kann die US-Konjunktur aber nicht entfalten. Sie bietet damit so etwas wie eine Blaupause für die gesamte Weltwirtschaft: Der Schuldenabbau an den Märkten („De-Leveraging“ genannt) bremst die konjunkturelle Dynamik. Zwar besteht die Gefahr, dass die Eurokrise die Weltwirtschaft in eine Rezession reißt, das wahrscheinlichste Szenario ist das aber nicht. Denn: Die US-Konjunktur bleibt auf moderatem Erholungskurs und Peking steuert inzwischen gegen die Wachstumsschwäche an. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Notenbanken weltweit noch stärker zu stimulierenden Maßnahmen greifen.

Was bedeutet dies für die Emerging Markets?

Die zunehmende Risikoaversion hat viele Schwellenländer-Währungen in den letzten Wochen stark unter Druck gesetzt. Der US-Dollar startete dagegen als globale „Fluchtwährung“ Nummer eins einen Höhenflug. Besondere Bedeutung kommt China zu, denn die Probleme dort wirken sich stark auf viele Schwellenländer aus. Von Brasilien bis Südafrika hängen viele rohstoffproduzierende Staaten am Tropf einer anhaltend starken Nachfrage aus China. Viele Länder, darunter Brasilien und Indien, haben daher bereits die Geldpolitik gelockert und die Leitzinsen gesenkt, um die Konjunktur zu stützen. Das macht die jeweiligen Währungen für Anleger unattraktiver, da dadurch der Zinsvorteil gegenüber Dollar und Euro sinkt.

Der Brasilianische Real wertet ab

Der Real ist sogar unter den 16 am meisten gehandelten Währungen seit Jahresbeginn die mit der schlechtesten Performance. Das liegt vor allem daran, dass sich das Wachstum abgekühlt hat und die Notenbank darauf mit einer Reduzierung des Leitzinses von 12,50 auf 8,50 Prozent reagierte. Allerdings war der Real zuvor auch überbewertet. Weitere Zinssenkungen auf ein Rekordtief von unter 8,00 Prozent sind zu erwarten und könnten den Real weiter fallen lassen. Langfristig wird sich die Wirtschaft jedoch wieder fangen und der Real wird durch die Abwertung als Anlagewährung wieder interessanter.

Fazit

Die Unsicherheit wächst derzeit von Tag zu Tag. Das sorgt bei vielen Schwellenländer-Währungen für Verkaufsdruck. Durch die Euroschwäche wird dieser Verkaufsdruck gegenüber der europäischen Währung aber abgemildert. Allerdings zeigen die Schwellenländer-Währungen keine einheitliche Entwicklung. Einige kamen besonders stark unter Verkaufsdruck, wie z.B. der Rand und der Real, andere behaupteten sich besser, wie z.B. die Lira und der Forint.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.