Der Brexit: ob drinnen oder draußen, wichtig ist Großbritannien nicht
Es wird wieder heiß diskutiert, ob Großbritannien nicht doch in der EU bleibt oder sich vielleicht ganz und gar unkontrolliert herauskatapultiert.
Die Märkte bewegt das kaum noch - außer auf der Insel. Und das ist richtig so.
Natürlich ist das Vereinigte Königreich ein wichtiger Handelspartner. Und natürlich sind die Briten wichtige Abnehmer kontinentaler Güter. Aber entscheidend für die Staaten des Festlands sind sie nicht. Deshalb ist es fast egal, ob sie gehen oder nicht. Zumindest für die Märkte.
Denn hier wurden bereits beide Szenarien durchgespielt. Der Schock der ursprünglichen Entscheidung erreichte die Börsen und traf sie fast unvorbereitet. Die Händler konnten es kaum glauben, dass die Briten sich wirklich aus der EU verabschieden wollen. Entsprechend heftig fielen die Reaktionen aus, fast panisch wurde gehandelt. Doch dann kehrte bereits nach kurzer Zeit wieder Ruhe ein. Ein fester Fahrplan für Verhandlungen wurde versprochen, ein klar definierter Austritt, der in gegenseitigem Respekt und mit Kompromissen auf beiden Seiten vollzogen werden sollte.
Nachdem die Zeit der Verhandlungen nun fast abgelaufen ist und der Brexit bevorsteht ist klar: so läuft es nicht. Die EU bleibt zurecht hart gegenüber Teilforderungen aus Großbritannien. Die Briten denken immer noch, ohne sie geht es nicht und versuchen zu pokern. Doch die Zeit läuft ab und es scheint so, als bluffe die EU nicht und als verzocke die gegenwärtige britische Regierung gerade die Zukunft des Landes.
Die Märkte lassen all die Volten fast unberührt. Kurze Ausschläge werden schon auf mittlere Sicht wieder egalisiert, echte Verwerfungen sind nicht in Sicht. Warum? Weil es fast egal ist, wie der Brexit abläuft, wenn er denn überhaupt kommt. Es wird für einige Firmen auf dem Festland schwierig werden, aber auch diese werden weiter mit den Briten Geschäfte machen. Die Briten werden weiterhin Autos vom Festland kaufen und nicht nur aus Japan oder Korea. Sie werden französischen Käse importieren und italienischen Wein. Vielleicht sogar deutsche Wurst.
Das Handelsvolumen wird also vielleicht sinken, aber es sind nur Teile, die verschwinden. Härter trifft es vielleicht die britischen Banken oder die gesamte City, aber auch dafür existieren bereits die entsprechenden Pläne. Möglich, dass Frankfurt oder Paris profitieren, aber auch das wird kein riesiger Aufbau sein, es bewegt sich alles eher im geringen Prozentbereich - volkswirtschaftlich betrachtet.
Die Märkte machen sich diese Sicht zu Eigen und lassen sich vom Brexit-Geschacher nicht großartig bewegen. Das sollten Anleger auch tun. Denn ob mit den Briten in der EU oder ohne: es gibt viele gute Firmen, die gutes Geld verdienen und langfristig erfolgversprechend aufgestellt sind. Wer diese findet, wird gewinnen. Der Brexit ist bald nur noch eine Fußnote der Geschichte.
Von Uwe Zimmer, Geschäftsführer Fundamental Capital GmbH, Köln
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