Aktien von Shell, ExxonMobil, BP & Co. im Blick: Chevron-CEO warnt vor Fehlbewertung der Hormus-Blockade

Chevron-Chef Mike Wirth sieht den globalen Ölmarkt trotz jüngster Preisrücksetzer in einer gefährlichen Schieflage.
Werte in diesem Artikel
• Marktexperten und CEOs warnen vor einer unzureichenden Einpreisung der Lieferstopps im Nahen Osten
• Physische Verfügbarkeit von Rohöl divergiert zunehmend von den spekulativen Erwartungen der Terminkontrakte
• Trotz diplomatischer Signale aus Washington bleibt die Infrastruktur in der Golfregion massiv beschädigt
Diskrepanz zwischen Terminmarkt und physischer Realität
Der globale Ölmarkt steht vor einer massiven Neubewertung der Risiken im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt in der Region um den Iran. Chevron-CEO Mike Wirth betonte am Montag auf der CERAWeek-Konferenz in Houston, dass die aktuellen Notierungen an den Terminbörsen die tatsächliche Schwere der Versorgungsunterbrechungen nicht widerspiegeln, wie CNBC berichtet. Laut Wirth agieren viele Händler auf Basis von unzureichenden Informationen und rein subjektiven Wahrnehmungen, während die physischen Realitäten eine deutlich engere Angebotssituation zeichnen. "Es gibt sehr reale, physische Auswirkungen der Schließung der Straße von Hormus, die sich durch das globale System arbeiten und von denen ich nicht glaube, dass sie in den Futures-Kurven für Öl vollständig eingepreist sind", erklärte Wirth gegenüber den anwesenden Branchenvertretern und Analysten.
Infrastrukturschäden und langsame Erholung der Produktion
Ein zentrales Problem stellt die Geschwindigkeit einer potenziellen Wiederaufnahme der Förderung dar, sollten sich die geopolitischen Spannungen legen. Der Chevron-Chef gab zu bedenken, dass beschädigte Anlagen und unterbrochene Logistikketten nicht per Knopfdruck reaktiviert werden können. Bevor der Konflikt eskalierte, passierten rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots die Straße von Hormus, eine Menge, die derzeit größtenteils vom Weltmarkt abgeschnitten bleibt. Mike Wirth unterstrich in seinem Statement, dass es erhebliche Zeit in Anspruch nehmen wird, die globalen Lagerbestände wieder aufzufüllen und die Produktion in den Golfstaaten, die aufgrund mangelnder Exportwege gedrosselt wurde, hochzufahren.
Diplomatie vs. fundamentale Angebotsknappheit
Zuletzt sorgten Aussagen von US-Präsident Donald Trump für einen kurzzeitigen Abverkauf bei den Rohölnotierungen, nachdem dieser die Absicht bekundet hatte, ein Abkommen mit Teheran anzustreben. Während die Sorte Brent zeitweise unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel fiel, warnen Branchengrößen wie Wirth vor verfrühtem Optimismus. Die Marktteilnehmer preisen laut CNBC derzeit ein Szenario ein, in dem die Störungen nur von kurzer Dauer sind, was sich in der Backwardation-Struktur der Terminkurve zeigt - einem Marktzustand, bei dem Öl zur sofortigen Lieferung deutlich teurer ist als für spätere Termine. Doch die physische Realität, geprägt durch Angriffe auf Tanker und Energieinfrastruktur, lässt laut internen Berichten von ExxonMobil und Shell befürchten, dass die Unterversorgung bis weit in das zweite Halbjahr 2026 anhalten könnte.
Aktienreaktion: Öl-Aktien ziehen weiter an
Die Aktien der großen Ölkonzerne reagierten am Dienstag unterschiedlich auf die Warnungen aus Houston, wenngleich die allgemeine Marktvolatilität die Kursgewinne begrenzte. Die Chevron-Aktie schloss an der NYSE mit einem Plus von 0,77 Prozent bei 206,80 US-Dollar. Beim Branchenprimus ExxonMobil stand zeitweise ein Zuwachs von 2,61 Prozent auf 165,33 US-Dollar zu Buche. In Europa zeigte sich die Shell-Aktie in Amsterdam mit einem Plus von 2,67 Prozent bei 34,44 Euro fest, während die BP-Aktie in London schlussendlich um 3,42 Prozent auf 5,57 GBP zulegte. Investoren dürften derzeit die hohen Cashflows aus den gestiegenen Preisen gegen die operativen Risiken im Nahen Osten abwägen.
Alexandra Hesse, Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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