BioNTech verklagt Moderna wegen Patentrechtsverletzung - So reagieren die Aktien

Der Mainzer Impfstoffpionier BioNTech verschärft den juristischen Konflikt mit dem US-Wettbewerber Moderna vor einem Bundesgericht in Delaware.
Werte in diesem Artikel
• BioNTech wirft Moderna die Verletzung des US-Patents Nr. 12,133,899 vor, das eine optimierte, domänenbasierte mRNA-Struktur schützt
• Technologie ermöglicht laut Klageschrift eine signifikant reduzierte Dosierung bei gleichbleibender Immunantwort und verbesserter Stabilität
• Rechtsstreit betrifft Modernas Hoffnungsträger mNEXSPIKE, der künftig über 50 Prozent der COVID-Umsätze des US-Konzerns generieren soll
Technologie-Transfer ohne Erlaubnis: Der Kern des "899-Patents"
In der am 19. Februar 2026 eingereichten Klageschrift wirft BioNTech dem US-Konkurrenten Moderna vor, eine fundamentale Innovation im Bereich der mRNA-Impfstoffe kopiert zu haben. Während der ursprüngliche Impfstoff COMIRNATY auf der Sequenz des vollständigen Spike-Proteins basierte, beschreibt das geschützte Verfahren von BioNTech ein Design, das nur spezifische Fragmente - sogenannte Domänen - nutzt. Laut der beim US-Bezirksgericht für den Distrikt Delaware vorliegenden Akte (Case 1:26-cv-00183-UNA) ermöglicht dieser Ansatz eine "gestraffte" Messenger-RNA, die in wesentlich geringeren Mengen verabreicht werden kann. BioNTech betont in der Einleitung der Klage, man habe diese Alternative bereits zu Beginn der Pandemie parallel zu COMIRNATY entwickelt und erfolgreich klinisch getestet.
Die rechtliche Auseinandersetzung konzentriert sich auf Modernas Präparat mNEXSPIKE (auch bekannt als mRNA-1283), das erst kürzlich von der FDA zugelassen wurde. BioNTech führt an, dass Moderna die Vorteile dieser Technologie - insbesondere die erhöhte Stabilität bei Kühlschranktemperaturen und die Reduktion der Dosis auf ein Fünftel der Standardmenge - offensiv vermarktet, ohne die Urheberrechte zu respektieren. "Schlüssel zu BioNTechs patentierter Technologie ist die Philosophie: Weniger ist mehr", lässt der leitende Anwalt Daniel M. Silver in den Gerichtsdokumenten verlauten. Das Unternehmen fordert nun eine Feststellung der vorsätzlichen Patentverletzung sowie eine angemessene Entschädigung in Form von Lizenzgebühren und Schadenersatz.
Wirtschaftliche Dimension: mNEXSPIKE als Umsatztreiber in der Kritik
Die Bedeutung dieses Verfahrens für die Bilanz von Moderna dürfte kaum zu unterschätzen sein. In der Klageschrift verweist BioNTech auf Prognosen, wonach mNEXSPIKE für etwa 55 Prozent der Einnahmen von Moderna aus COVID-Impfstoffen in der respiratorischen Saison 2025-2026 verantwortlich sein wird. Da die Umsätze im Sektor nach dem Ende der pandemischen Notlage und angesichts politischer Veränderungen in den USA unter Druck stehen, kämpfen die Unternehmen verbissen um die verbleibenden Marktanteile. Ein Moderna-Sprecher erklärte gegenüber Reuters, dass sich das Unternehmen entschieden gegen die Vorwürfe verteidigen werde. Es ist nicht die erste Konfrontation: Moderna hatte bereits 2022 eine Klage gegen BioNTech und den Partner Pfizer initiiert, die bis heute nicht final entschieden ist.
Für die gesamte Branche der Biotechnologie markiert dieser Fall einen Präzedenzfall für die Bewertung von geistigem Eigentum in der Post-Pandemie-Ära. Analysten dürften genau beobachten, ob die Gerichte den Pionieren der mRNA-Technologie weitreichende Exklusivitätsrechte für verfeinerte Wirkmechanismen zusprechen. Sollte BioNTech obsiegen, könnten auf Moderna Rückzahlungen in Milliardenhöhe zukommen, was die ohnehin belastete Cash-Position des Unternehmens weiter strapazieren würde. Während Pfizer offiziell nicht als Partei in diesem spezifischen Prozess auftritt, wird das Ergebnis dennoch Signalwirkung für die gesamte Allianz haben.
Aktuelle Marktreaktion: Kursgewinne trotz juristischer Turbulenzen
An den internationalen Handelsplätzen zeigten sich die Anleger von der neuen Eskalationsstufe zunächst unbeeindruckt, was auf eine bereits eingepreiste juristische Unsicherheit hindeutet. Die Aktie von BioNTech notierte gestern an der NASDAQ mit einem Plus von 2,29 Prozent bei 110,42 US-Dollar, während sie im Freitagshandel schließlich um 0,25 Prozent auf 110,15 US-Dollar nachgab. Im Vergleich dazu zeigte sich die Moderna-Aktie deutlich robuster und kletterte gestern um 6,65 Prozent auf 49,70 US-Dollar, während sie am Freitag letztlich 0,34 Prozent auf 49,87 US-Dollar gewann. Experten werten den Anstieg bei Moderna primär als technische Erholung nach vorangegangenen Abverkäufen, die durch die Ernennung von Robert F. Kennedy Jr. zum Gesundheitsminister ausgelöst worden waren. Die Marktteilnehmer scheinen die langfristigen Auswirkungen der Patentklage derzeit noch als zweitrangig gegenüber der allgemeinen Stimmung im Biotech-Sektor einzustufen. Dennoch könnte eine Verschärfung des Tons zwischen Mainz und Cambridge (Massachusetts) die Volatilität der Papiere in den kommenden Wochen erhöhen, sobald erste Anhörungstermine in Delaware feststehen.
Redaktion finanzen.net
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