BioNTech-Aktie stürzt ab: Umsatzrückgang und Verlust in Q4 - Gründer verlassen Unternehmen

Der Biotechriese BioNTech hat seine Bücher geöffnet. So sind die Ergebnisse des abgelaufenen Jahresviertels und des gesamten Geschäftsjahrs ausgefallen.
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Für BioNTech ist das vierte Geschäftsquartal 2025 mit einem Verlust zu Ende gegangen. Nach einem Ergebnis von 1,08 Euro je Anteilsschein vor Jahresfrist, machte das Biotechunternehmen im aktuellen Berichtsquartal einen Verlust von 1,25 Euro je Aktie. Damit verfehlte BioNTech die Markterwartungen, die im Vorfeld bei einem EPS von -0,16 Euro gelegen hatten.
Den Quartalsumsatz bezifferte BioNTech auf 907,4 Millionen Euro nach 1,19 Milliarden Euro vor Jahresfrist und Analystenschätzungen von 768 Millionen Euro.
Im Gesamtjahr 2025 verschlechterte sich das Ergebnis von -2,77 Euro je Aktie auf 4,70 Euro je Anteilsschein, hier hatten die Analystenschätzungen im Vorfeld bei -3,44 Euro gelegen. Bei den Erlösen ging es daneben von 2,75 Milliarden Euro auf 2,87 Milliarden Euro nach oben, Experten hatten hier zuvor einen Wert von 2,69 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Für das laufende Jahr 2026 erwartet das Unternehmen, dessen Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden werden, Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Diese sollten die geplanten Forschungs- und Entwicklungskosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro ausgleichen, hieß es.
Große Pläne bis zum Jahr 2030
"Unsere solide finanzielle Position treibt unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten voran und reduziert gleichzeitig deren Risiken, während wir uns auf mehrere Produkteinführungen in den kommenden Jahren vorbereiten", sagte Finanzvorstand Ramon Zapata.
Das Unternehmen, das in der Corona-Pandemie Milliarden mit seinem Corona-Impfstoff verdient hatte, entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Bis 2030 wollen die Mainzer mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Kandidaten gestellt haben.
BioNTech-Gründer scheiden überraschend aus und gründen neues Unternehmen
Daneben gab das Unternehmen überraschend bekannt, dass die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci das Unternehmen verlassen und ein neues gründen werden. Die Eheleute scheiden spätestens Ende 2026 aus, dann enden ihre aktuellen Dienstverträge, wie BioNTech in Mainz mitteilte.
Ihr neues Biotechnologie-Unternehmen soll sich demnach auf die Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von BioNTech, das für das Geschäftsjahr 2025 einen Milliardenverlust meldete, wollen die Eheleute aber bleiben. Derzeit halten sie nach Unternehmensangaben rund 15 Prozent.
Rechte und Technologien gehen an neues Unternehmen
Geplant ist laut BioNTech, Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug bekomme BioNTech eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren. Auch seien Meilensteinzahlungen vereinbart worden, BioNTech wird also bei Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte Geld von dem neuen Unternehmen erhalten. Eine bindende Vereinbarung hierzu soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 abschlossen werden, erklärte BioNTech.
Sahin und Türeci hatten BioNTech 2008 gegründet. Ziel war die Entwicklung von Krebstherapien auf mRNA-Basis. In der Corona-Pandemie wurden kurzerhand dann alle Kapazitäten der Mainzer in die Entwicklung eines mRNA-Vakzins gegen Covid-19 gesteckt - mit Erfolg. Das Unternehmen gewann das Wettrennen gegen eine Reihe von Mitbewerbern und erhielt gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Corona-Impfstoff.
Jahre nach der Pandemie sind Gewinn und Umsätze bei BioNTech wieder deutlich geschrumpft, und obwohl das Geschäft mit dem Corona-Vakzin weiterläuft, steht längst wieder die Forschung an mRNA-Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten im Mittelpunkt.
Hoffnung auf Zulassungen in der Onkologie
Nach wie vor ist das Vakzin das einzige BioNTech-Produkt am Markt, das regelmäßig weiterentwickelt wird. Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf mehreren späten klinischen Studien für Krebspräparate. BioNTech peilt bis 2030 mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Therapien an.
Ein weiteres Mal neue Wege beschreiten
Und warum nun der Ausstieg Sahins und Türecis? "Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten", sagte Sahin in einer Mitteilung. Es sei schon immer ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Nun biete sich die Chance, die nächste Generation an Innovationen zu erschließen.
Ausstieg nach CureVac-Übernahme
Die Ankündigung dieses Schritts erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologie-Branche. BioNTech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff, das Tübinger Unternehmen CureVac, übernommen. Zuvor hatten BioNTech und CureVac ihren Streit um Corona-Vakzin-Patente beigelegt.
Nach dem angekündigten Abschied von Sahin und Türeci hat der Aufsichtsrat von BioNTech nun damit begonnen, Nachfolgerinnen und Nachfolger für die beiden zu suchen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, wie es hieß. Sahin und Türeci hätten im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt, sagte Aufsichtsratschef Helmut Jeggle. Man unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, "die Chance zu ergreifen ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA-basierten Technologien auszuschöpfen."
Wie das neue Unternehmen heißen, wo es sitzen und welche Gesellschaftsform es haben wird, ist noch nicht bekannt. Es soll aber definitiv keine Tochtergesellschaft von BioNTech werden. Für Sahin und Türeci ist es nach BioNTech (2008) und Ganymed Pharmaceuticals (2001) die dritte Gründung.
Sahin: BioNTech sehr gut aufgestellt
Das Impfstoffgeschäft von BioNTech und die weitere Entwicklung der Pipeline mit möglichen neuen Produkten bleibe von dem Ausstieg der beiden unberührt, betonte BioNTech. Sahin sagte, er und Türeci hätten BioNTech in 18 Jahren von einem Start-up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen aufgebaut. Das Unternehmen sei sehr gut aufgestellt, um sich als kommerzielles Biopharma-Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren.
Das werden Sahin und Türeci, die trotz des ganzen wirtschaftlichen Erfolgs im Herzen stets Wissenschaftler geblieben waren, nun ein Stück weit von der Seitenlinie aus begleiten.
So bewegt sich die BioNTech-Aktie
Der überraschend angekündigte Ausstieg des Gründungsehepaars Türeci und Sahin aus BioNTech hat die Aktie des Mainzer Biotechunternehmen am Dienstag im US-Handel auf Talfahrt geschickt. Zwar blieb das Zahlenwerk zum vierten Quartal obendrein hinter den Konsensschätzungen zurück, doch weitaus schwerer gewichtete der Markt, dass das während der Corona-Pandemie weltbekannt gewordene Mediziner-Ehepaar neue Wege gehen will.
Die BioNTech-Aktie verlor an der NASDAQ 20,77 Prozent auf 68,85 US-Dollar. Kurz nach dem Börsenstart ging es sogar unter 80 Dollar auf einen Tiefstand seit August 2024.
Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets zeigte sich vom Kurseinbruch kaum überrascht. "Das Unternehmen ist von den Gründern explizit in der mRNA-Impftechnologie platziert worden, und sie haben maßgeblich die Unternehmenspolitik bestimmt." Selbst von internen Nachfolgern könne der bis spätestens Ende des Jahres angepeilten Ausstieg von Sahin und Türeci kaum aufgefangen werden. "Und obwohl die Impfstoffanwendung in den letzten Jahren stark an operativem Einfluss verloren hat, ruhten die Hoffnungen zuletzt vor allem auf einer Ausweitung der Behandlung etwa gegen Krebs und Immunerkrankungen", ergänzte er.
Analyst Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank sprach von einer "etwas unorthodoxen Entwicklung". Schließlich wolle das Paar einen neuen mRNA-Spezialisten gründen und für eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma samt Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen BioNTech-Rechte und Technologien mitnehmen. Das scheint ihm zufolge "nicht gerade Vertrauen in den in der Entwicklung befindlichen Tumor-Antikörper Pumitamig oder den Rest zu signalisieren". Zudem könnte das neue Unternehmen durchaus zu einem Konkurrenten für BioNTech werden.
Allerdings, so beschreibt Papadakis die andere Seite der Medaille, könnte das Mediziner-Ehepaar auch von einem gereiften Unternehmen mit all den damit verbundenen Vermarktungszwängen zu ihren Forschungswurzeln zurückkehren wollen. "Auch wächst die Wahrscheinlichkeit, dass BioNTech ein Übernahmeziel für größere Pharmakonzerne werden könnte, sofern BioNTech mit Pumitamig erfolgreich ist."
Zu den vorgelegten Quartalszahlen schrieb der Deutsche-Bank-Experte, dass diese für ihn in Ordnung seien, aber die durchschnittlichen Analystenschätzungen "weit verfehlt" hätten. Die Jahresziele für den Umsatz und die operativen Ausgaben 2026 deckten sich unterdessen mit den Erwartungen.
Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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