KONJUNKTUR IM BLICK/Die Büchse der Pandora

04.04.25 16:13 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Nachdem US-Präsident Donald Trump die Büchse der Pandora geöffnet hat - hohe Einfuhrzölle gegen alle Handelspartner - fallen die tarifären Plagen nun über ihn selbst und sein Land her: China verhängt einen Einfuhrzoll auf 34 Prozent aller US-Waren, legt eine schwarze Liste von US-Unternehmen an und droht mit dem Verbot von Direktinvestitionen. Die EU erwägt Sanktionen für den Dienstleistungssektor, in dem die USA einen hohen Bilanzüberschuss aufweisen. Auch kleinere Länder verhängen Zölle gegen US-Waren. Trumps kraftmeierische Zollpolitik eskaliert damit schneller als erwartet zum Handelskrieg und schadet vor allem den USA, indem sie das Wachstum einigen Prognosen zufolge halbiert und die Inflation auf fast 4 Prozent hebt.

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Die Börsen stürzen in der Folge ab, der Dollar zeigt sich ausgesprochen schwach, und die Fed fragt sich vermutlich, wie sie mit dieser Gemengelage umgehen soll. Das ist nicht mehr die Welt von gestern. Aber die Daten, die in der Woche auf dem Kalender stehen, die sind noch etwas stärker von gestern als sonst üblich. Folgendes ist zu erwarten:

Deutsche Exporte steigen im Februar

Die deutschen Ausfuhren dürften im Februar gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass die Exporte gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent zugelegt haben, nachdem sie im Januar um 2,5 Prozent gesunken waren. Die Daten werden am Montag (8.00 Uhr) zusammen mit denen zum Außenhandel veröffentlicht.

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Deutsche Produktion sinkt im Februar

Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands dürfte im Februar gesunken sein. Volkswirte erwarten, dass der Output im verarbeitenden Gewerbe, der Bau- und der Energiewirtschaft gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent zurückgegangen ist, nachdem sie im Januar um 2,0 Prozent angezogen hatte. Allerdings ist der Umsatz im verarbeitenden Gewerbe leicht gestiegen, was eigentlich eine ähnliche Entwicklung bei der Produktion erwarten lässt.

US-Zölle lassen Sentix-Index sinken

Der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindex für Deutschland (Montag, 10.30 Uhr) dürfte im April gesunken sein. Zwar gibt es keine Konsensprognose für dieses Index, doch ist anzunehmen, die Stimmung unter den Investoren unter der Ankündigung unerwartet hoher US-Importzölle gelitten hat, nachdem sie im März noch von der deutschen "Fiskalwende" gestützt worden war. Bei Bekanntwerden der chinesischen Vergeltungszölle am Freitagmittag lagen rund 75 Prozent der Antworten auf die aktuelle Umfrage vor.

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Wirtschaftsforschungsinstitute veröffentlichen Gemeinschaftsprognose

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute veröffentlichen ihre Gemeinschaftsprognose mit aktuellen Wachstumsprognosen. Das Prognosegeschäft ist in diesen schnelllebigen Zeiten ein undankbares. Schon die Prognosen der einzelnen Institute litten unter dem Manko, aktuelle Entwicklungen wie die deutsche Fiskalwende nicht berücksichtigen zu können. Gleiches gilt für die Wechselfälle des Handelskriegs zwischen den USA und dem Rest der Welt. Man darf aber davon ausgehen, dass die im September genannten Wachstumsprognosen für 2025 und 2026 von 0,8 und 1,3 Prozent keinen Bestand haben werden. Die Prognose wird am Donnerstag (10.00 Uhr) veröffentlicht.

US-Inflationsdruck nimmt im März etwas ab

Der Inflationsdruck in den USA dürfte im März etwas abgenommen haben. Analysten rechnen laut dem Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gestiegen sind und um 2,6 (Februar: 2,8) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Zuwachsraten von 0,3 und 3,0 (3,1) Prozent prognostiziert. Die Fed schaut eher auf den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator), dessen März-Veröffentlichung noch etwas in der Zukunft liegt.

Beeinflusst werden die Erwartungen für den PCE-Deflator noch von den US-Erzeugerpreisen, weil einige Posten des Erzeugerpreisindex in den PCE-Deflator eingehen. Die Verbraucherpreisdaten kommen am Donnerstag (14.30 Uhr), die Erzeugerpreise zur gleichen Zeit am Freitag.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/cbr

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April 04, 2025 10:13 ET (14:13 GMT)