Weitere Gewinne für die Aktien von Micron und Co.? - Analyst sieht Höhepunkt des DRAM-Zyklus noch entfernt

Die jüngste Korrektur bei Speicherchip-Aktien hat viele Anleger verunsichert. Analysten sehen darin jedoch keinen Hinweis auf ein Ende des Booms.
Werte in diesem Artikel
• Morgan Stanley: Jüngster Rücksetzer bei Speicherwerten ist gesunde Korrektur innerhalb Bullenmarktes
• DRAM-Zyklus mit Höhepunkt erst Ende des Jahres oder später
• Langfristige Lieferverträge und KI-Nachfrage entscheidend für weiteres Kurspotenzial
Speicherchip-Aktien wie Micron, Samsung Electronics und SK hynix haben Anfang Juni deutlich korrigiert. Für Morgan-Stanley-Analyst Shawn Kim ist diese Entwicklung jedoch kein Warnsignal, sondern vielmehr eine notwendige Verschnaufpause innerhalb eines weiterhin starken Marktzyklus. Demnach sei eine Korrektur nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Monate unvermeidlich und letztlich gesund, wenn sich der Hausse-Trend bei Speicherchips bis zum Jahresende fortsetzen solle.
DRAM bleibt ein Engpass der KI-Infrastruktur
Im Mittelpunkt der positiven Einschätzungen steht weiterhin der Markt für DRAM-Speicher. Wie MarketWatch berichtet, sieht Morgan Stanley DRAM nach wie vor als einen der wichtigsten Engpässe beim weltweiten Ausbau von KI-Infrastruktur. Die drei führenden Hersteller Micron, Samsung und SK hynix seien deshalb in einer günstigen Position, um von der anhaltenden Nachfrage zu profitieren.
Analyst Shawn Kim betont laut der Nachrichtenseite: "Der Zyklus beschleunigt sich weiterhin, die Gewinnschätzungen werden nach wie vor deutlich nach oben angepasst und sind nachhaltiger, als die meisten Marktteilnehmer glauben". Der Börsenexperte sieht dies als wichtige Bestätigung für die bisherige Kursentwicklung der Branche. Die steigenden Gewinnerwartungen würden die Rally über einen längeren Zeitraum rechtfertigen.
Zyklus-Hoch möglicherweise noch mehrere Quartale entfernt
Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung zum weiteren Verlauf des DRAM-Marktes. Sollte er den bisherigen Mustern folgen, dürfte sich der aktuelle DRAM-Zyklus nach Kims Meinung zum Jahresende dem Höhepunkt nähern.
Jedoch hält er ein anderes Szenario für wahrscheinlicher. So könnte die Nachfrage durch sogenannte Agentic-AI-Anwendungen dazu führen, dass das eigentliche Zyklushoch erst mehrere Quartale später erreicht werde. Der Analyst geht daher davon aus, dass der aktuelle Aufschwung länger anhalten könnte als bei früheren Zyklen.
Langfristige Verträge verändern die Marktstruktur
Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Speicherzyklen sind laut MarketWatch die zunehmenden langfristigen Liefervereinbarungen zwischen Speicherherstellern und ihren Kunden. Diese könnten die Ertragsentwicklung stabilisieren und höhere Bewertungen rechtfertigen. Kim verweist darauf, dass frühere Speicherzyklen hingegen eher vom Angebot als von der Nachfrage getrieben gewesen seien. Die Folge waren häufig Überkapazitäten und ein späterer Preisverfall.
Auch Wolfe-Research-Analyst Chris Caso sieht laut MarketWatch Potenzial für höhere Bewertungen. Die langfristigen Vereinbarungen würden Kapazitätserweiterungen stärker an realen Nachfrageprognosen ausrichten. Da solche Vertragsstrukturen in der Speicherindustrie noch relativ neu seien, könnten sie in den Erwartungen vieler Investoren bislang nicht vollständig berücksichtigt sein.
DRAM-Preise steigen weiter
Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche durch die Preisentwicklung. So erwarte Wolfe Research angesichts von Lieferengpässen für das laufende Jahr einen Anstieg der DRAM-Preise um 200 Prozent. Für das kommende Jahr prognostiziert das Analysehaus ein weiteres Plus von 17,5 Prozent.
Auch Morgan Stanley verweist auf die angespannte Marktlage. Demnach haben sich die Speicherpreise seit Februar nahezu verdoppelt, während sich die Lieferzeiten verlängert haben. Zudem seien durch langfristige Verträge bereits erhebliche Teile des verfügbaren Angebots gebunden.
Allerdings erwartet Kim, dass die Speicherpreise letztendlich sinken werden. Das sei für die Speicherunternehmen jedoch nicht unbedingt schlecht. Niedrigere Preise für DRAM könnten den Betrieb von KI-Modellen verbilligen, wodurch die Implementierung kostengünstiger würde, was möglicherweise die Nachfrage nach KI noch weiter ankurbeln könnte, so Kim.
Was das für Anleger bedeutet
Es ist ein insgesamt positives Bild für Speicherchip-Hersteller wie Micron: Die Analysten von Morgan Stanley und Wolfe Research sehen die jüngste Korrektur nicht als Ende des Speicherzyklus, sondern als notwendige Bereinigung innerhalb eines weiterhin starken Marktumfelds. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleiben laut den Analysten die KI-getriebene Nachfrage nach DRAM-Speichern sowie die zunehmende Bedeutung langfristiger Lieferverträge.
Anleger die bereits investiert sind, sollten daher insbesondere die Entwicklung der DRAM-Preise, die Nachfrage aus dem KI-Sektor und die Gewinnrevisionen der Analysten beobachten. Wer einen Einstieg erwägt, findet laut den genannten Analysten weiterhin ein Umfeld vor, in dem der Höhepunkt des aktuellen Speicherzyklus möglicherweise noch nicht erreicht ist.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

