SpaceX-Aktie vor Bewährungsprobe: Warum Musks Konzern trotz Rekord-IPO eine Milliardenanleihe braucht

Am vergangenen Freitag zündete die SpaceX-Aktie bei ihrem Rekord-Börsengang den Turbo und schoss nach oben. Doch nun dürften einige Anleger auf den Boden zurückgeholt werden.
Werte in diesem Artikel
• SpaceX-Aktie nach erster Börsenwoche nur noch knapp über dem volumengewichteten Durchschnittspreis von fünf Tagen
• Unternehmensanleihe im Volumen von mindestens 20 Milliarden US-Dollar geplant
• Moody's vergibt Investment-Grade-Rating
Der Höhenflug der SpaceX-Aktie hat nach spektakulären ersten Handelstagen inzwischen eine Pause eingelegt. Nachdem das Papier den ersten Tag an der Börse mit einem Plus von 19,17 Prozent abgeschlossen hatte und auch zu Beginn dieser Woche noch weiter zulegen konnte, mussten die Anleger in den letzten zwei Handelstagen leichte Kursrückgänge hinnehmen. Zuletzt schloss das Papier an der NASDAQ am Donnerstag um 3,56 Prozent tiefer bei 185,00 US-Dollar und kam nachbörslich noch um weitere 1,79 Prozent auf 181,69 US-Dollar zurück. Am heutigen Freitag wird aufgrund eines Feiertages in den USA nicht gehandelt, so dass sich an diesem Stand vor dem Wochenende nichts mehr ändern wird.
Während Anleger, die die SpaceX-Aktie im Rahmen des IPOs für 135 US-Dollar zeichnen konnten, mit ihrer Investition trotz der jüngsten Kursrückgänge weiterhin komfortabel im Plus liegen, könnte dies laut "CNBC" beim durchschnittlichen Käufer des Anteilsschein bald anders aussehen. Die Nachrichtenseite verweist dabei auf einen technischen Indikator: So befindet sich der offizielle letzte Schlusskurs der SpaceX-Aktie inzwischen nahezu auf Höhe des volumengewichteten Durchschnittspreises (VWAP) der ersten fünf Handelstage. Dieser lag zuletzt bei 181,71 US-Dollar. Der VWAP gilt unter institutionellen Investoren als wichtige Referenzgröße, weil er den durchschnittlichen Einstiegskurs aller Marktteilnehmer unter Berücksichtigung des gehandelten Volumens widerspiegelt. Anders formuliert: Der durchschnittliche Käufer der ersten Börsenwoche befindet sich inzwischen nur noch knapp im Gewinnbereich. Blickt man auf den nachbörslichen SpaceX-Kurs, befände er sich sogar bereits minimal im roten Bereich.
Die Kursentwicklung der letzten Tage verdeutlicht zudem, wie schnell sich die Wahrnehmung eines Börsenlieblings verändern kann. So wird die anfängliche Euphorie derzeit offenbar zunehmend von Fragen nach Bewertung, Kapitalbedarf und strategischer Ausrichtung überlagert.
Rekord-IPO - und dennoch neuer Kapitalbedarf
Hinzu kommen nun noch Bericht über eine - auf den ersten Blick widersprüchliche - Finanzierungsinitiative des Musk-Konzerns: Obwohl SpaceX mit dem größten Börsengang der Geschichte rund 85,7 Milliarden US-Dollar einnahm, bereiten die Banken des Unternehmens laut "Reuters" derzeit eine Anleiheplatzierung im Volumen von mindestens 20 Milliarden US-Dollar vor. Zu den beteiligten Instituten zählen dem Bericht zufolge Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley. Laut "Financial Times" könnten Investorengespräche sowie die Emission der Unternehmensanleihe bereits in der kommenden Woche stattfinden.
Die naheliegende Frage lautet daher: Warum benötigt ein Konzern, der gerade einen historischen Kapitalzufluss erhalten hat, unmittelbar weiteres Geld vom Kapitalmarkt?
Die Antwort liegt dabei wohl weniger in einem Liquiditätsmangel als vielmehr in der Struktur moderner Unternehmensfinanzierung. Ein Börsengang stellt Eigenkapital bereit. Anleihen hingegen sind Fremdkapital. Beide Finanzierungsformen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Firmen mit hoher Bonität versuchen in der Regel, ihre Kapitalstruktur so zu optimieren, dass sie einerseits ausreichend Eigenkapital besitzen und andererseits günstige Schulden nutzen können, um die Rendite für Aktionäre zu erhöhen.
Der Grund für die mögliche Anleihenemission: Ein milliardenschwerer Brückenkredit
Nach Angaben von "Reuters" soll der Großteil der aktuell von SpaceX geplanten Anleihe nicht unmittelbar für neue Projekte verwendet werden. Vielmehr dient die Emission dazu, einen bereits bestehenden Brückenkredit über 20 Milliarden US-Dollar abzulösen. Dieser Kredit wurde im Zusammenhang mit der Integration von Elon Musks KI-Unternehmen xAI aufgenommen. Die geplante Anleihe wäre damit in erster Linie eine Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten und keine klassische Wachstumsfinanzierung.
Solche Transaktionen sind an den Kapitalmärkten keineswegs ungewöhnlich. Brückenkredite werden häufig genutzt, um Übernahmen oder größere strategische Maßnahmen kurzfristig zu finanzieren. Anschließend werden sie durch langfristige Anleihen ersetzt, die meist günstigere Konditionen und längere Laufzeiten bieten.
Gleichzeitig signalisiert die geplante Anleihe, dass SpaceX künftig weit mehr sein möchte als ein Raumfahrt- und Satellitenkonzern. Laut "Reuters" plant der Konzern Investitionen in Rechenzentren, Hochleistungsprozessoren und Energieinfrastruktur in einer Größenordnung von mehreren zehn Milliarden US-Dollar. Die KI-Aktivitäten entwickeln sich damit zu einem zweiten strategischen Standbein neben Raketenstarts und dem Starlink-Geschäft.
Das bedeutet die geplante SpaceX-Anleihe für Investoren
Für Investoren besitzt die geplante Anleihe noch eine weitere Bedeutung. Nach Angaben von "Reuters" würde es sich um die allererste Investment-Grade-Dollaranleihe des Börsenneulings handeln. Eine erfolgreiche Emission würde signalisieren, dass institutionelle Investoren SpaceX inzwischen nicht mehr nur als wachstumsstarkes Technologieunternehmen betrachten, sondern als Emittenten mit ausreichend stabilen Cashflows für den klassischen Anleihemarkt.
Von der Ratingagentur Moody's wird SpaceX laut "Financial Times" bereits mit "Baa1" bewertet - einem Rating im "Investment-Grade"-Bereich. "Das Baa1-Emittentenrating von SpaceX spiegelt die außergewöhnliche Marktstärke des Unternehmens als weltweit führender Anbieter von Orbitalstarts und Betreiber des größten Satelliten-Breitbandnetzwerks im niedrigen Erdorbit (Starlink) wider", erklärte Moody's laut der Nachrichtenseite am Donnerstag im Rahmen der Veröffentlichung des Ratings.
Der Schuldenmarkt gilt zudem häufig als nüchterner als der Aktienmarkt. Während Aktienkurse von Euphorie und Zukunftsvisionen getrieben werden können, konzentrieren sich Anleiheinvestoren vor allem auf Rückzahlungsfähigkeit, Cashflow-Stabilität und Bilanzqualität. Gelingt die Platzierung zu attraktiven Konditionen, wäre dies daher ein starkes Signal für das Vertrauen professioneller Kapitalgeber in die langfristige Strategie von SpaceX.
Carolin Ludwig, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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