Benjamin Feingold-Kolumne

Blutige Wochen am Kryptomarkt

18.06.26 15:07 Uhr

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Blutige Wochen am Kryptomarkt | finanzen.net

Während der S&P 500 mit 7.620 Punkten am 02.06.2026 neue Allzeithochs verzeichnet, blutet der Kryptomarkt unter Führung von Bitcoin. Seit Monatsbeginn ist BTC um rund 10% von $73.000 auf $64.000 gefallen. Gemessen am Mai-Hoch bei $82.000 entspricht das einem Rückgang von knapp 20%. Zwischenzeitlich notierte BTC sogar knapp unter $60.000, konnte sich zuletzt aber wieder auf $64.000 erholen.

Zyklisch betrachtet befindet sich Bitcoin in einer klassischen Post-Rekordhoch-Korrekturphase, wie in den drei vorangegangenen Halving-Zyklen. Das Rekordhoch wurde am 06.10.2025 bei $126.198 erreicht, 534 Tage nach dem 4. Halving am 20.04.2024 und damit nur 15 Tage früher als der historische Durchschnitt von 549 Tagen. Auf das ATH (All-Time-High) folgt in der Regel eine Korrektur von rund 383 Tagen bis zum zyklischen Tief, was einen Boden im Oktober 2026 implizieren würde. Bei einem historischen Durchschnitts-Drawdown von 82% und einem aktuellen Stand von -48% vom ATH sind weitere Korrekturen statistisch wahrscheinlich. Die Aussagekraft dieser Muster ist allerdings durch das kleine Sample von nur drei vorherigen Zyklen begrenzt.

Makroökonomisch entkoppelt sich Bitcoin seit dem Rekordhoch von etablierten Beziehungen. Bitcoin generiert weder Zinsen noch Dividenden; die einzige Rendite ist Preissteigerung. Solange die 10Y US Treasury Yield bei 4,30% liegt, erhält jeder Investor risikolos 4,30% pro Jahr in US-Staatsanleihen, was die Opportunitätskosten für ein BTC-Holding entsprechend erhöht. Eine hohe Yield zieht zudem globales Kapital in den Dollar, und ein starker Dollar verteuert Bitcoin in allen anderen Währungen und drückt die internationale Nachfrage. Diese inverse Beziehung zwischen Dollar-Stärke und BTC-Preis galt über Jahre als eine der stabilsten Konstanten im Krypto-Markt. Seit März 2026 ist sie gebrochen. Bitcoin korreliert aktuell weder positiv mit dem S&P 500 noch invers mit dem Dollar, sondern folgt einer eigenen Dynamik aus ETF-Outflows und zyklischer Halving-Mechanik.

Kurzfristige Treiber

Kurzfristig verstärken drei Faktoren den Abverkauf. Erstens flossen im Mai 2026 rund $2,4 Mrd. aus den Spot-ETFs ab - rund 2,5% der Gesamt-AUM von zuletzt etwa $94 Mrd. und damit der höchste Monats-Outflow des Jahres. (Daten: SoSoValue). Parallel belastete bis zuletzt die geopolitische Eskalation zwischen den USA und Iran; der Ölpreis war um über 40% gestiegen und hatte Inflationsdruck und Yield-Erwartungen weiter erhöht. Mit der am 15.06.2026 erzielten Einigung zwischen Washington und Teheran fällt dieser Belastungsfaktor jedoch weg - ein wesentlicher Treiber des jüngsten BTC-Rebounds aus dem Bereich um $60.000 auf aktuell $66.000. Hinzu kommt der Liquiditätsentzug durch den erfolgreichen Börsengang von SpaceX mit einem Volumen von $85,7 Mrd. sowie die laut Medienberichten bevorstehenden IPOs von Anthropic und OpenAI mit einem geschätzten Gesamtvolumen von über $120 Mrd., der Risikokapital aus dem Krypto-Sektor in attraktivere Primärmarkt-Allokationen abzieht.

Angebotsseitig kommt ein Warnsignal von den Minern. Die durchschnittlichen Produktionskosten liegen laut Checkonchains Difficulty-Regression-Modell und MacroMicro netzwerkweit aktuell bei rund $78.000-$85.000 pro BTC, womit Bitcoin unter den Break-Even-Kosten handelt. Historisch markiert dies Kapitulationsphasen, in denen schwache Miner ihre Bestände liquidieren und den Verkaufsdruck verstärken, gleichzeitig aber zyklische Bottoms vorbereiten.

Der Fear & Greed Index notierte am 10.06.2026 zwischenzeitlich ein Tief von 14 - historisch ein Bottom-Signal. Vergleichbare Werte unter 15 wie im März 2020 und im November 2022 gingen jeweils einer Rally von über 100% innerhalb von 12 Monaten voraus. Aktuell (Stand 16.06.2026) liegt der Index bei 25.

Ausblick

Kurzfristig hat sich Bitcoin im Bereich von $60.000-$62.000 stabilisiert und notiert aktuell wieder bei $66.000. Entscheidend ist nun, ob aus dieser Stabilisierung ein nachhaltiger Aufwärts-Breakout wird; die Zone um $64.000-$65.000 bleibt der erste relevante Support. Mittel- und langfristig deutet jedoch vieles auf weitere Korrekturen bis zum Zyklus-Boden hin. Die Kombination aus restriktiver Geldpolitik, ETF-Outflow-Momentum und der historischen 383-Tage-Korrekturdauer macht eine Bodenbildung erst im Q4 2026 wahrscheinlich.

150 Jahre Börsenerfahrung kombiniert technische Analyse, Trading, Börsenpsychologie und konkrete Investments. Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Unseren Börsendienst finden Sie unter feingoldresearch.de!

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