Edelmetall-Rally vorbei? Darum sieht ein Analyst den Silberpreis zwischen 50 und 100 Dollar

Der Silberpreis hat sich innerhalb eines Jahres stark verteuert, liegt aber deutlich unter dem Rekordhoch. Ein Analyst warnt nun vor einer längeren Seitwärtsphase.
• Silberpreis ist in den letzten Monaten kräftig gestiegen, zuletzt jedoch deutlich unter Rekordhoch gefallen
• Analyst McGlone erwartet mögliche langfristige Seitwärtsbewegung
• Silberstudie zeigt Angebotsdefizit - schwächere Industrie- und stärkere Investitionsnachfrage erwartet
Silberpreis im Blick
Der Silberpreis konnte in den letzten zwölf Monaten um fast 120 Prozent zulegen. Von seinem Hoch im Januar bei 116,63 US-Dollar ist der Silberpreis dennoch deutlich zurückgekommen. Derzeit liegt der Preis pro Unze bei 72,13 US-Dollar und damit mehr als ein Drittel unterhalb seiner Bestmarke (Stand: 30.04.2026).
Nach der starken Rally der vergangenen Monate rechnet Mike McGlone, Senior Market Strategist bei Bloomberg Intelligence, allerdings damit, dass die Silberpreise "jahrelang zwischen 50 und 100 Dollar verharren" könnten, wie Kitco berichtet.
Verschiebung bei Angebot und Nachfrage
McGlone hält zwar einen erneuten Anstieg des Silberpreises in Richtung der Januar-Hochs für möglich, warnt jedoch zugleich vor möglichen Gegenbewegungen. Aus seiner Sicht könnte die stark gestiegene Preisentwicklung die bisherige Angebots-Nachfrage-Struktur verändern. Dadurch entstehe laut McGlone die Gefahr, dass sich das zuvor bestehende Angebotsdefizit durch die "parabolische Preisanpassung" umkehrt und eine Phase fallender Preise einsetzt.
Die aktuelle Entwicklung am Silbermarkt weist seiner Einschätzung nach Parallelen zu früheren solcher Phasen auf. Die seit Mitte 2025 laufende Rally habe ihren Höhepunkt erreicht, als der Preis rund 2,6-mal über dem 10-Jahres-Durchschnitt lag - ein ähnliches Muster wie im Jahr 2011. "Wir sehen Parallelen. Bei einem Kurs von etwa 79 Dollar am 15. April scheint Silber über einen längeren Zeitraum zwischen 50 und 100 Dollar festzustecken, wobei die Risiken einer Rückkehr zum Normalzustand eher in Richtung seines gleitenden 10-Jahres-Durchschnitts von knapp 33 Dollar weisen als in Richtung eines möglichen Verbleibs über 100 Dollar", zitiert Kitco McGlone.
Zusätzlich verweist er auf die extrem hohe Schwankungsintensität: Die 180-Tage-Volatilität liege mehr als fünfmal so hoch wie beim S&P 500 und sei damit auf dem höchsten Stand seit 1980. Damals lag Silber kurz unter 50 US-Dollar auf seinem damaligen Höchstniveau, das 2011 erreicht und erst 2025 erneut übertroffen wurde.
Silberstudie im Fokus
McGlones vorsichtige Prognose fällt in eine Phase, in der Marktteilnehmer die aktuelle Jahresstudie des Silver Institute auswerten. Diese prognostiziert für das laufende Jahr ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen Silber.
Auf der Nachfrageseite wird ein Rückgang der industriellen Verwendung um rund 3 Prozent auf 639,6 Millionen Unzen erwartet. Besonders deutlich soll dabei der Einsatz in Photovoltaik-Solarmodulen sinken, der laut Prognose um 19 Prozent zurückgehen könnte.
Demgegenüber sieht Metals Focus die Investitionsnachfrage als zentralen Treiber des Silbermarktes in diesem Jahr. Diese soll um 18 Prozent zulegen, unterstützt durch Zuflüsse von rund 30 Tonnen in physisch besicherte börsengehandelte Silberprodukte.
Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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