Devisen-Trader-Kolumne Detlef Rettinger

Euro: Krise oder Hausse?

28.03.11 08:39 Uhr

Euro: Krise oder Hausse? | finanzen.net

Die Eurokrise ist wieder zurück auf der Agenda.

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Die portugiesische Regierung war sich lange sicher, auf die Finanzhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds verzichten zu können. Das Land an der Peripherie Europas wollte es alleine schaffen. Hatte man das nicht schon einmal, genauer gesagt zweimal gehört? Ähnlich wie Griechenland und Irland wird Portugal einen Teil seiner wirtschaftlichen Eigenständigkeit aufgeben müssen, um nicht pleite zu gehen. Dazu kommt eine handfeste Regierungskrise. Ministerpräsident Jose Socrates ist zurückgetreten, nachdem sein Sparpaket aus Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen im Parlament abgelehnt wurde. Nun ist der Gang nach Canossa, bzw. Brüssel unvermeidlich.

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Portugal droht der Gang nach Canossa

Doch ist die Situation wirklich so schlimm? Portugals Finanzlage ist schlecht, aber nicht so katastrophal wie die von Griechenland oder Irland. Die Neuverschuldung des Staates wurde 2010 von 9,3 auf 7,0 Prozent des BIPs gesenkt und der Schuldenstand liegt mit 88 Prozent des BIPs ziemlich genau auf dem EU-Durchschnitt. Das Problem ist vor allem das schwache Wachstum, 2011 droht sogar ein Rückgang des BIPs. Und das resultiert aus der chronischen Wettbewerbsschwäche, die sich auch in einem hohen Leistungsbilanzdefizit manifestiert. Es wird lange dauern, diese Strukturprobleme erfolgreich zu bekämpfen, aber es ist möglich. Das Schlüpfen unter den Euro-Rettungsschirm wird dafür Zeit erkaufen. Und anders als bei Griechenland oder Irland müssen lediglich die bereits bestehenden Sparpläne der Regierung umgesetzt werden, um die Finanzen wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

EUR/USD weiter auf dem Weg nach oben?

Der Euro, der in den Tagen zuvor gegen viele Währungen zugelegt hatte, kam aufgrund der Krise in Portugal unter Verkaufsdruck. Doch trotz aller berechtigten Kritik am EU-Rettungsfonds: Der Bestand der Eurozone ist nicht gefährdet, nicht in absehbarer Zeit jedenfalls. Wenn sich der Rauch um Portugal wieder gelegt hat, wird der Blick am Devisenmarkt daher wieder auf die Zinsentwicklung gelegt werden. Und die spricht für den Euro. Die EZB wird den Leitzins früher anheben als die US-Notenbank und das wird EUR/USD weiteren Auftrieb geben. Sollte sich der Wechselkurs nach dem EU-Gipfel Anfang nächster Woche über der Marke von 1,4000 USD halten können, dann wird es weiter nach oben gehen. Ein Kursanstieg bis 1,45/1,46 USD ist mittelfristig möglich.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.