Rheinmetall-Aktie schließt dennoch freundlich: Wird der Rüstungsriese zu mächtig? Kartellexperte schlägt Alarm

Der Rüstungsboom stärkt Rheinmetall weiter - doch genau das ruft auch Kritiker auf den Plan. Ein Kartellexperte warnt vor einer wachsenden Abhängigkeit von dem Konzern.
Werte in diesem Artikel
• Experte warnt vor wachsender Marktmacht von Rheinmetall
• Bundeswehr laut Bericht teils ohne echte Alternativen
• Regulierung dominanter Rüstungskonzerne könnte schwieriger werden
Kartellexperte sieht wachsende Abhängigkeit von Rheinmetall
Die starke Expansion von Rheinmetall sorgt zunehmend auch für kartellrechtliche Diskussionen. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, warnen Experten vor einer wachsenden Marktmacht des Düsseldorfer Rüstungskonzerns. Hintergrund ist die massive Ausweitung des Geschäfts seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022.
Rupprecht Podszun, Jura-Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied der Monopolkommission, sagte in einem Interview mit dem Magazin, die "Zeitenwende" bringe einzelne Akteure in eine Position, die sich noch über Jahre auszahlen könne. Daraus könnten starke Abhängigkeiten entstehen. Rheinmetall habe das Potenzial, sich zu einer "Art Google der Rüstungswirtschaft" zu entwickeln.
Rheinmetall baut seine Stellung immer weiter aus
Tatsächlich hat Rheinmetall seine Position in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Unter Vorstandschef Armin Papperger hat der Konzern laut Capital seinen Umsatz bis 2025 praktisch verdoppelt. Gleichzeitig expandierte das Unternehmen in zusätzliche Rüstungsbereiche.
Vor allem im Bereich Artilleriemunition verfügt Rheinmetall laut dem Bericht inzwischen über eine dominierende Stellung in Deutschland. Für die Bundeswehr gebe es in mehreren Bereichen kaum noch echte Alternativen. Besonders bei programmierbarer Munition, die bereits in der Luft detoniert, sei der Konzern laut Aussagen aus der Branche sowohl teuer als auch marktbeherrschend.
Warnung vor schwieriger Regulierung
Podszun warnte gegenüber Capital zudem davor, dass eine solche Marktstellung langfristig auch die Regulierung erschweren könne. Unternehmen, von denen Staaten oder Streitkräfte stark abhängig seien, ließen sich nicht mehr ohne Weiteres regulieren. Gerade im Zuge der milliardenschweren europäischen Aufrüstungsprogramme könnte sich dieser Effekt in den kommenden Jahren weiter verstärken.
Rheinmetall selbst äußerte sich laut Capital nicht zu den Vorwürfen. Der Konzern verweist jedoch seit längerem auf die stark gestiegene Nachfrage nach Munition, Militärfahrzeugen und Verteidigungssystemen infolge der geopolitischen Spannungen und baut seine Produktionskapazitäten weltweit deutlich aus.
So reagieren die Aktien von Rheinmetall, HENSOLDT, RENK und TKMS
Am Montag zeigte sich die Rheinmetall-Aktie im XETRA-Handel letztlich 1,34 Prozent höher bei 1.243,60 Euro. Die Papiere des Branchenkollegen HENSOLDT verlor daneben marginale 0,02 Prozent auf 89,02 Euro, sie wurden allerdings ex-Dividende gehandelt. Anteilsscheine von RENK sprangen via XETRA um 3,22 Prozent auf 50,61 Euro nach oben. TKMS-Aktien gewannen 5,23 Prozent auf 82,50 Euro.
Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Melanie Shcürmann, Redaktion finanzen.net
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