Wechselseitige Zölle

Trump kündigt neues weitreichendes Zollpaket an

03.04.25 16:40 Uhr

Trump greift durch: Neues Mega-Zollpaket angekündigt | finanzen.net

US-Präsident Donald Trump führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten ein.

Für viele Länder sollen je nach Handelsdefizit höhere Strafabgaben greifen, wie der Republikaner im Rosengarten des Weißen Hauses ankündigte. Es ist der bisher aggressivste und folgenschwerste Schritt in der Handelspolitik des US-Präsidenten. Dies trifft die Europäische Union hart und dürfte die Weltwirtschaft im erheblichen Maße belasten. Ein Handelskrieg mit der Europäischen Union scheint nun unausweichlich.

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Der Republikaner hatte den Tag der Verkündung vorab als "Tag der Befreiung" angepriesen und die Verhängung wechselseitiger Zölle angekündigt. Das bedeutet im Prinzip, dass die USA überall dort ihre Zölle entsprechend im Verhältnis anheben, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner. Nun will er ein höchst komplexes System einführen, das sowohl wechselseitige als auch pauschale Strafabgaben enthält.

Trump: Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen

Zölle in Höhe von zehn Prozent sollen universell auf Importe aus allen Ländern in die Vereinigten Staaten gelten. Jenseits davon soll es individuelle Strafabgaben geben, die je nach Land variieren. Dabei werden besonders jene Länder ins Visier genommen, die aus Sicht der USA besonders hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte haben. Trump moniert neben Zölle immer wieder andere Handelshemmnisse wie Importvorgaben, Subventionen oder andere Regularien.

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"Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die amerikanische Industrie wiedergeboren wurde, als der Tag, an dem Amerika sein Schicksal zurückerobert hat, und als der Tag, an dem wir begonnen haben, Amerika wieder reich zu machen", sagte Trump. "Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen." Dies sei nun vorbei. Trump sprach von einem der wichtigsten Tage in der US-Geschichte. Das "goldene Zeitalter" der USA komme zurück.

Trump setzt seit dem Wiedereinzug ins Weiße Haus - ähnlich wie in seiner ersten Amtszeit - auf Zölle. Er verhängte bereits Strafabgaben auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, führte erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm seine Nachbarn Kanada und Mexiko ins Visier. Gerade die Autozölle treffen Europa und den deutschen Markt schwer.

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An den Finanzmärkten fielen die ersten Reaktionen unterschiedlich aus. Während die Futures auf verschiedene US-Aktienindizes deutlich nachgaben, sprang ihr japanisches Pendant nach oben. Der Eurokurs pendelte sich nach einer wilden Achterbahnfahrt etwas unter dem Niveau von vor der Ankündigung ein. Unmittelbar danach lag die Handelsspanne für eine kurze Zeit bei fast einem US-Dollar.

Zölle haben Folgen für Verbraucher

Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Sie muss vom importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von den Unternehmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten nicht einfach selbst übernehmen. Sie dürften sie an die Verbraucher weitergeben - die Preise steigen so, die Inflation könnte wieder angeheizt werden. Trumps Ziel ist, US-Unternehmen davon abzuhalten, Produkte aus dem Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA fördern.

Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden Unternehmen Umsatzeinbußen zukommen dürften, könnte dies zu einem Rückgang der Produktion und möglichen Stellenstreichungen führen, was die Wirtschaft insgesamt belasten kann. Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und der EU wird daher auch für deutsche Verbraucher deutlich spürbare Auswirkungen haben.

ist Trumps Dauerrivale

Immer wieder wettert Trump bei öffentlichen Auftritten vor allem gegen die EU. Grundsätzlich ist es Trump ein Dorn im Auge, dass europäische Unternehmen deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Unternehmen in der EU. Die bereits bekannten US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren sowie Autoimporte hatten den Handelsstreit mit den Europäern bereits angeheizt. Die neuen Strafabgaben könnten das Fass zum Überlaufen bringen und zu heftigen Gegenmaßnahmen aus Brüssel führen. Denn die Situation schaukelt sich bereits seit Wochen hoch. Dann dürften einzelne Produkte auch in Deutschland bald teurer werden.

Ansage vor besonderer Kulisse

Für seine Zoll-Ankündigung wählte Trump nun nicht irgendeinen Ort, sondern den Rosengarten. Es war die erste Veranstaltung des Republikaners in dem berühmten Garten direkt neben dem Oval Office nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus. Trump hat Zölle in der Vergangenheit als sein Lieblingswort bezeichnet und schon in seiner ersten Amtszeit diverse Strafabgaben eingeführt.

Er will mit Zöllen Handelsungleichgewichte korrigieren und mehr Produktion in die USA verlagern. Außerdem dürfte der US-Präsident mit der Verhängung der Zölle Stärke demonstrieren wollen, denn anderen Ländern wirft er vor, sein Land auszunutzen. Gleichzeitig könnten die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen umfassender Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren. Zölle dienen dem Republikaner auch als Druckmittel, um in Verhandlungen mit anderen Ländern seine Ziele zu erreichen.

US-Zölle treffen auch entlegene Inseln und Mini-Staaten

Mit seinen neu verhängten Zöllen hat US-Präsident Donald Trump nicht nur große Wirtschaftsnationen wie China und die EU ins Visier genommen: Auch winzige Inselstaaten und entlegene Gebiete tauchen auf der langen Liste der betroffenen Länder auf - teils sogar unbewohnte oder kaum besiedelte Regionen.

Unter ihnen: Die Heard- und McDonaldinseln im südlichen Indischen Ozean. Sie gehören zu mehreren australischen Außengebieten, die auf Trumps Zollliste separat aufgeführt werden. Das vulkanische Archipel liegt rund 4.000 Kilometer südwestlich von Australien und gehört zu den entlegensten Orten der Erde. Seevögel, Robben und Pinguine leben dort in großen Kolonien. Dennoch: Das Gebiet exportierte im Jahr 2022 der Weltbank zufolge Produkte im Wert von 1,4 Millionen US-Dollar in die Vereinigten Staaten.

Auch auf der neuen US-Zollliste: das britische Überseegebiet im Indischen Ozean. Dieses umfasst die Insel Diego Garcia, die von den USA und Großbritannien als Militärstützpunkt genutzt wird. Die Inselgruppe ist außer dem militärischen Personal unbewohnt: Die Bewohner wurden in den 1970er-Jahren umgesiedelt, als die USA den Stützpunkt errichteten.

Weitere ungewöhnliche Regionen sind die Kokosinseln im Indischen Ozean mit rund 600 Einwohnern, die vor allem für Touristen für ihre tropische Schönheit bekannt ist, oder die Pazifikinseln Tokelau Norfolk mit jeweils rund 2000 Bewohnern.

US-Regierung belegt Einfuhren aus EU mit 20-Prozent-Zöllen

Auf Einfuhren aus der Europäischen Union in die Vereinigten Staaten sollen nach Angaben von US-Präsident Donald Trump neue Zölle in Höhe von 20 Prozent greifen. "Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen. Es ist so erbärmlich", sagte der Republikaner im Rosengarten des Weißen Hauses mit Blick auf die Europäer.

EU-Kommissar kündigt im Zollstreit Gespräch mit USA an

Nach der neuen Zoll-Ankündigung von US-Präsident Donald Trump will EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Freitag das Gespräch mit der US-Seite suchen. Das kündigte der EU-Politiker auf der Plattform X an. "Wir werden ruhig, sorgfältig gestaffelt und einheitlich vorgehen, um unsere Reaktion zu kalibrieren und gleichzeitig ausreichend Zeit für Gespräche zu haben", schrieb Sefcovic. Geplant ist eine Videoschalte mit seinen US-Pendants am Nachmittag.

Sollten sich beide Seiten nicht auf einen fairen Deal einigen können, werde die EU indes nicht tatenlos zusehen, so Sefcovic. "Ungerechtfertigte Zölle werden unweigerlich nach hinten losgehen."

WASHINGTON (dpa-AFX)

Bildquellen: John Moore/Getty Images, Jabin Botsford/The Washington Post via Getty Image