Rüstungsboom

Aktien von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT & TKMS ziehen wieder an: Rekordausgaben treiben Fantasie - was jetzt zählt

27.04.26 19:36 Uhr

Aktien von Rheinmetall, RENK, TKMS & HENSOLDT legen zu: Rüstungsboom bleibt intakt - was Anleger beachten sollten | finanzen.net

Nach dem Rücksetzer vor dem Wochenende stabilisieren sich die Rüstungsaktien wieder. Rekordhohe Militärausgaben könnten nun für neue Impulse sorgen.

Werte in diesem Artikel

• Rüstungsaktien gaben vor dem Wochenende deutlich nach
• Gegenbewegung zum Wochenstart
• Globale Militärausgaben auf Rekordniveau

Rüstungswerte starten Erholungsversuch

Am vergangenen Freitag setzte im Rüstungssektor eine deutliche Korrektur ein: Die Rheinmetall-Aktie verlor über fünf Prozent und fiel auf 1.340,20 Euro. Auch RENK büßte mehr als 5,4 Prozent ein, während HENSOLDT ebenfalls um rund 5,4 Prozent nachgab. Die Papiere von TKMS hielten sich vergleichsweise stabil, verloren aber dennoch knapp drei Prozent auf 81,10 Euro.

Zum Wochenstart schien sich die Stimmung auf breiter Front zu bessern: Rheinmetall legte via XETRA letztlich um 2,02 Prozent zu auf 1.345,80 Euro, RENK verzeichnete ein Plus von 1,94 Prozent auf 54,93 Euro. Für HENSOLDT standen Gewinne von 1,56 Prozent auf 74,16 Euro an der Kurstafel, während TKMS-Papiere sich unbewegt bei 80,00 zeigten.

Diese Gegenbewegung könnte darauf hindeuten, dass Investoren Rücksetzer weiterhin als Einstiegsgelegenheiten interpretieren.

Globale Militärausgaben auf Rekordniveau

Noch nie hat die Welt so viel Geld für das Militär ausgegeben wie 2025. Angetrieben von zahlreichen Kriegen und Konflikten erreichten die globalen Militärausgaben dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge im elften Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Inflationsbereinigt stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchsen sie sogar um 41 Prozent.

Alle Staaten wandten 2025 zusammen knapp 2,89 Billionen US-Dollar (knapp 2,47 Billionen Euro) für das Militär auf. Allerdings fiel der Anstieg deutlich geringer aus als 2024. Das führten die Friedensforscher auf einen Rückgang der US-Militärausgaben zurück. Der Hauptgrund dafür: die ausbleibenden Hilfen für die Ukraine. Dagegen investierten die USA mehr in ihre eigenen nuklearen und konventionellen militärischen Fähigkeiten.
Die Bundesrepublik landete auf Platz vier der Rangliste der Länder mit den höchsten Ausgaben - hinter den USA, China und Russland, aber vor allen anderen europäischen Staaten.

Trotz des Rückgangs blieben die USA das Land mit den mit Abstand größten Ausgaben für das Militär (umgerechnet knapp 814 Milliarden Euro). In Zukunft dürfte die Zahl zudem wieder nach oben gehen, sagte Sipri-Experte Diego Lopes da Silva: "Die USA haben bereits Pläne zur Erhöhung ihrer Militärausgaben angekündigt."

Dass die globalen Militärausgaben 2025 insgesamt erneut gestiegen sind, ist laut den Forschern vor allem auf die Aufrüstung in Europa zurückzuführen. Die Ausgaben der europäischen Staaten stiegen im vergangenen Jahr um 14 Prozent.

Die Ungewissheit, inwiefern ihnen die USA als verlässlicher Nato-Partner in Zukunft zur Seite stehen werden, habe sicher für viele Länder eine Rolle gespielt, meinte da Silva. "Wenn man sieht, dass sich die internationale Sicherheit verschlechtert, schafft das eine Atmosphäre der Unsicherheit - und um sich sicherer zu fühlen, stecken die Staaten mehr Geld in ihr Militär."

Greenpeace kritisierte die hohen Ausgaben der europäischen Staaten: "Dieser Kurs führt in die falsche Richtung", sagte Abrüstungsexpertin Barbara Happe. "Echte Sicherheit wächst aus ziviler Krisenprävention, Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit, nicht durch immer neue Rüstungsspiralen." In Deutschland würden Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit vernachlässigt, während Milliarden in die Aufrüstung flössen.

"Wenn sich die internationale Sicherheit verschlechtert, entsteht Unsicherheit - und Staaten investieren mehr in ihr Militär", wird SIPRI-Experte Diego Lopes da Silva zitiert.

Rheinmetall setzt auf autonome Systeme

Rheinmetall treibt parallel die technologische Entwicklung voran. Gemeinsam mit IBM und weiteren Partnern arbeitet der Konzern an autonomen Überwasserfahrzeugen. Ziel ist es, maritime Operationen effizienter und sicherer zu machen.

"Die tragfähigste Lösung hierauf ist der autonome Systemverbund", erklärte Naval-Systems-Chef Tim Wagner. Ein erster Prototyp wurde bereits unter realen Bedingungen getestet und zeigte Fähigkeiten in Aufklärung, Überwachung und Verteidigung.

Für den Markt könnte das ein Hinweis sein, dass sich Wertschöpfung zunehmend in Richtung KI-gestützter Systeme verschiebt.

Bundeswehr-Folgeauftrag für Rheinmetall

Zudem erhält der Rüstungskonzern Rheinmetall einen weiteren Milliardenauftrag für sogenannte Soldatensysteme zur digitalen Vernetzung der Bodentruppen von der Bundeswehr. Aus einem im Februar 2025 geschlossenen Rahmenvertrag wurden weitere Soldatensysteme "Infanterist der Zukunft - Erweitertes System" (IdZ-ES) abgerufen, wie der Konzern mitteilte.

Der Auftrag im Wert von 1,04 Milliarden Euro sieht die Modernisierung von bestehenden Systemen sowie die Lieferung von weiteren 237 Zugsystemen vor. Die Systeme sollen zwischen November 2027 und Dezember 2029 ausgeliefert werden.

Ein Zugsystem dient zur Ausstattung einer militärische Teileinheit und umfasst überwiegend 35 einzelne Soldatensysteme und eine Zugausstattung an Peripheriekomponenten, bestehend aus einer erweiterten IT-Ausstattung, Optiken, Optroniken sowie der Bekleidungs-, Schutz- und Trageausstattung.

Der Bundestag habe vor wenigen Tagen 1,3 Milliarden Euro für das Projekt bewilligt, so dass weitere Abrufe erwartet werden.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hatte im Februar 2025 einen Rahmenvertrag über die Nachbeschaffung von IdZ-ES-Systemen mit einem maximalen Volumen von brutto 3,1 Milliarden Euro geschlossen. Dieser hat eine Laufzeit bis Ende 2030 und umfasste bereits eine Festbeauftragung zur Modernisierung von 68 Systemen in Nutzung sowie die Neubeschaffung von 24 Zugsystemen im Wert von rund 417 Millionen Euro brutto.

TKMS stärkt internationale Kooperationen

thyssenkrupp Marine Systems baut unterdessen seine internationale Präsenz aus. Gemeinsam mit Embraer und dem brasilianischen Verteidigungsministerium wurde eine Absichtserklärung zur Erweiterung des Tamandaré-Fregattenprogramms unterzeichnet.

Parallel wurde die erste Fregatte "Tamandaré" bereits in Dienst gestellt. CEO Oliver Burkhard sprach von einem "deutlichen Zeichen für das tiefe Vertrauen" in die Partnerschaft .

Das Programm gilt als Schlüsselprojekt für die brasilianische Marine und bindet rund 1.000 Unternehmen in die Lieferkette ein.

Korrektur als Chance?

Angesichts der steigenden Militärausgaben und den operativen Fortschritten könnte die jüngste Schwächephase als Konsolidierung innerhalb eines intakten Trends interpretiert werden. Neben den Verteidigungsausgaben bleiben auch geopolitische Spannungen als strukturelle Treiber der Branche bestehen.

Allerdings dürfte ein Teil dieser Erwartungen bereits eingepreist sein. Sollten Aufträge oder politische Impulse hinter den Erwartungen zurückbleiben, wäre eine Neubewertung denkbar. Andererseits könnten Rücksetzer Chancen bieten.

Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von Dow Jones Newswires und dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Oliver Hoffmann / Shutterstock.com, HENSOLDT

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20.04.2026Rheinmetall BuyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
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