Krisenangst: Aktien von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT, TKMS und MTU uneins

Trotz der Eskalation des Iran-Konflikts zeigen sich Rüstungsaktien zum Wochenstart uneinheitlich - warum geopolitische Spannungen allein kein Garant für steigende Kurse sind.
Werte in diesem Artikel
• Rüstungsaktien reagieren überraschend verhalten
• Gewinnmitnahmen nach starkem Kursanstieg
• Produktionsengpässe und Marktumfeld bremsen Kurse
Die Rüstungsaktien Rheinmetall, HENSOLDT, RENK, TKMS und MTU zeigten sich zum Wochenstart uneins. Rheinmetall-Titel gewannen auf XETRA letztlich 2,04 Prozent auf 1.625,00 Euro, Aktien von HENSOLDT zeigten sich 4,68 Prozent höher bei 77,15 Euro - hier dürfte unter anderem eine Kaufempfehlung gestützt haben. RENK-Anteilsscheine notierten 0,47 Prozent im Minus bei 55,45 Euro, während TKMS 0,05 Prozent tiefer bei 93,05 Euro notierten und Aktien von MTU Aero Engines um 2,88 Prozent auf 340,90 Euro fielen.
In Paris legten Thales und in London BAE Systems zu. Thales entwickelt unter anderem Radarsysteme und unterstützt Streitkräfte bei der Sicherung kritischer Infrastruktur. BAE stand zuletzt vor allem als Zulieferer für die THAAD-Raketenabwehr der US-Armee im Fokus. In Mailand sind Aktien von Leonardo stark. Der Technologiekonzern stellt Hubschrauber und Militärflugzeuge sowie elektronische Überwachungssysteme her.
Auch in den USA gibt es Bewegung bei den Rüstungswerten. So steigen die Aktien von Lockheed Martin an der NYSE zeitweise um 0,3 Prozent auf 673,81 US-Dollar und für die Titel von Northrop Grumman geht es um 0,02 Prozent auf 755,99 US-Dollar nach unten. Die Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen obersten Führer des Iran deute darauf hin, dass es keinen schnellen Frieden im Nahen Osten geben und die Nachfrage nach Ausrüstung wie Drohnen, Raketen, Abfangjägern, bemannten Kampfflugzeugen und Tankflugzeugen daher weiter boomen werde, heißt es.
Paradox am Aktienmarkt: Warum deutsche Rüstungstitel nicht haussieren
Die geopolitische Lage ist aktuell so angespannt wie lange nicht mehr. Nach den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hätte man an den Börsen eine ungebremste Rally der Verteidigungswerte erwarten können, doch die vergangenen Handelstage zeigen nur für einige Titel überschaubare Gewinne, viele Branchenvertreter haben sogar für Verluste in den Depots der Anleger gesorgt.
Dieses Phänomen ist jedoch weniger ein Zeichen für schwindendes Vertrauen in die Branche als vielmehr das Ergebnis technischer Marktfaktoren und operativer Realitäten.
Anleger nehmen Gewinne mit
Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Schwäche ist die Marktpsychologie. So dürften professionelle Investoren die Eskalation im Iran bereits seit dem Jahreswechsel 2025/26 eingepreist haben, was in kräftigen Kursgewinnen für viele Rüstungsaktien mündete, da die Märkte eine Zunahme der Spannungen vorwegnahmen. Mit dem tatsächlichen Ausbruch der Kampfhandlungen trat das klassische Börsensprichwort "Buy the rumor, sell the fact" in Kraft. Anleger nutzten die extrem hohen Kurse, um Gewinne zu realisieren und Liquidität zu sichern, was den Verkaufsdruck bei den eigentlich gefragten Papieren erhöhte.
Operative Hürden bei HENSOLDT und RENK
Während die Nachfrage nach Verteidigungselektronik und Antriebstechnik so hoch ist wie nie zuvor, kämpfen Unternehmen wie HENSOLDT und die RENK Group mit den Schattenseiten des Booms. Die prallen Auftragsbücher führen zu massiven Kapazitätsengpässen. Investoren blicken zunehmend skeptisch auf die Fähigkeit der Unternehmen, diese Aufträge auch zeitnah in Umsatz und Gewinn umzumünzen. Zudem belasten die durch den Konflikt gestörten Lieferketten und die steigenden Energiepreise die Margen. Bei RENK etwa drückte ein vorsichtiger Ausblick auf die Profitabilität - und trotz Rekordnachfrage auch auf die Stimmung der Aktionäre.
Die Sonderrolle von TKMS und MTU Aero Engines
Bei thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) spielt ein weiterer Faktor eine Rolle: Zwar wird die Bedeutung von U-Booten und Korvetten durch die Instabilität am Persischen Golf unterstrichen, doch die Integration in den MDAX bringt kurzfristig auch Belastungen mit sich, da Investoren im Sog fallender Indizes Risiken abbauen und selbst bei als strukturellen Gewinnern wahrgenommenen Werten zunehmend selektiv agieren.
MTU Aero Engines wiederum ist doppelt betroffen: Einerseits profitiert das Unternehmen vom militärischen Triebwerksgeschäft, andererseits leidet die zivile Luftfahrtsparte massiv unter den explodierenden Kerosinpreisen und gesperrten Lufträumen infolge des Iran-Konflikts, was das Gesamtergebnis belastet. Dass das Unternehmen sinkende Margen erwartet, kommt bei Anlegern ebenfalls nicht gut an.
Marktumfeld belastet
Nicht zuletzt drückt das allgemeine Marktumfeld auf die Bewertungen. Die durch den Krieg im Nahen Osten befeuerte Inflation lässt Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen schwinden. Höhere Zinsen verteuern nicht nur die Finanzierung für die Rüstungskonzerne selbst, sondern machen auch Staatsanleihen gegenüber Dividendenwerten attraktiver.
Redaktion finanzen.net mit Material von Dow Jones Newswires
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Bildquellen: Tobias Arhelger / Shutterstock.com, MTU Aero Engines