Honeywell-Spinoff Quantinuum: Neuer Milliarden-IPO setzt Quanten-Aktien unter Druck

Quantinuum strebt an die NASDAQ und könnte mit bis zu 12,7 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Für die Branche wäre das ein starkes Signal - für Quantum-Aktien ein Belastungstest.
Werte in diesem Artikel
• Quantinuum plant laut MarketWatch einen Börsengang mit bis zu 1,05 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen
• Die Bewertung könnte bis zu 12,7 Milliarden US-Dollar erreichen und damit über D-Wave, Rigetti und Infleqtion liegen
• D-Wave, Rigetti und IonQ geben nach, während Honeywell zulegt
Quantinuum strebt Milliardenbewertung an
Der nächste große Börsengang im Quantencomputing rückt näher: Die von Honeywell abgespaltene Quantinuum hat laut MarketWatch die Konditionen für ihr geplantes IPO festgelegt. Demnach will das Unternehmen 21,05 Millionen Aktien zu einer Preisspanne von 45 bis 50 US-Dollar ausgeben. Im oberen Bereich der Spanne könnte Quantinuum damit bis zu 1,05 Milliarden US-Dollar einsammeln.
Mit 253,9 Millionen ausstehenden Aktien nach dem Börsengang würde sich daraus eine Bewertung von bis zu 12,7 Milliarden US-Dollar ergeben. Wie Barron's berichtet, wäre Quantinuum damit der größte Börsengang des Jahres 2026. Die Class-A-Aktien sollen an der NASDAQ unter dem Ticker "QNT" gehandelt werden. Honeywell bleibt nach dem IPO ein wichtiger Aktionär und soll laut MarketWatch 49,1 Prozent der kombinierten Stimmrechte halten.
Warum der IPO für die Quantenbranche wichtig ist
Für die Branche wäre der Börsengang mehr als nur ein weiteres Listing. Quantinuum gilt als einer der profiliertesten Namen im Quantencomputing und bezeichnet sich laut MarketWatch als vertikal integrierte Plattform. Entstanden ist das Unternehmen 2021 aus dem Zusammenschluss von Honeywell Quantum Solutions und Cambridge Quantum. Im September war Quantinuum in einer Finanzierungsrunde bereits mit 10 Milliarden US-Dollar bewertet worden.
Barron's verweist zudem auf die technologische Positionierung des Unternehmens: Quantinuum hat im vergangenen November das System Helios vorgestellt und bezeichnete es als "den präzisesten Quantencomputer der Welt". Bis Ende des Jahrzehnts soll mit Apollo die fünfte Generation folgen. Damit konkurriert Quantinuum mit Unternehmen wie IBM um den Weg zu fehlertoleranten Quantencomputern. Für Investoren entscheidend ist aber: Die kommerzielle Reife liegt weiter in der Zukunft, während die Bewertung schon heute sehr ambitioniert ausfällt.
Quantum-Aktien geraten teils unter Druck
Die Reaktion am Markt zeigt, dass das IPO nicht nur als Branchenvalidierung gelesen wird. Nach der zuvor von der Aussicht auf US-Fördermittel getriebenen Rally kühlten mehrere Quantentitel ab: D-Wave Quantum verlor im NYSE-Handel letztlich 1,22 Prozent auf 27,48 US-Dollar, Rigetti Computing gab 1,78 Prozent auf 24,62 US-Dollar nach. IonQ stieg hingegen zuletzt 2,8 Prozent auf 65,40 US-Dollar. Im Tagestief ging es auch hier jedoch bis auf 59,71 US-Dollar nach unten.
Laut MarketWatch ist es nicht ungewöhnlich, dass Aktien von Wettbewerbern unter Druck geraten, wenn ein neuer Branchenplayer an die Börse drängt. Investoren könnten bestehende Positionen reduzieren, um Kapital für den neuen Börsengang freizumachen, ohne ihre gesamte Sektorwette zu erhöhen. Die Honeywell-Aktie verlor derweil an der NASDAQ letztlich 0,07 Prozent auf 231,55 US-Dollar, nachdem sie zuvor noch zugelegt hatte. Auch GlobalFoundries profitierte laut MarketWatch von der Verbindung zu Quantinuum und stieg um 5 Prozent auf ein weiteres Rekordhoch.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger wird Quantinuum zum neuen Gradmesser für den gesamten Quantenmarkt. Gelingt das IPO nahe dem oberen Ende der Preisspanne, könnte das die hohen Bewertungen im Sektor stützen und zeigen, dass institutionelles Kapital weiter bereit ist, lange Entwicklungszyklen zu finanzieren. Gleichzeitig erhöht ein solcher Börsengang den Vergleichsdruck: Wenn Quantinuum mit Milliardenbewertung, Honeywell-Rückenwind, staatlicher Unterstützung und technologischer Roadmap an den Markt kommt, müssen D-Wave, Rigetti, IonQ und andere Pure Plays ihre eigene Investmentstory noch klarer belegen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, ob Quantencomputing langfristig ein Milliardenmarkt wird. Für Anleger dürfte es kurzfristig eher darum gehen, welche Unternehmen genug Kapital, Glaubwürdigkeit und technologische Substanz haben, um bis zur kommerziellen Skalierung durchzuhalten. Genau hier könnte Quantinuum die Messlatte verschieben. Das IPO wäre damit ein Signal für die Reife der Branche, aber auch ein Stresstest für alle bereits gelisteten Quantum-Aktien.
Benedict Kurcshat, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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