Qualitätsstudie: E-Autos weisen mehr Mängel auf als Verbrenner
Befürworter von E-Autos sprechen häufig davon, dass diese weniger reparaturanfällig sind als Verbrenner. Eine großangelegte Qualitätsstudie zeigt jetzt: Das Gegenteil ist der Fall. So haben E-Autos deutlich mehr Probleme als Verbrenner.
Werte in diesem Artikel
• Ergebnisse der U.S. Initial Quality Studie zeigen deutlichen Qualitätsabfall bei E-Autos
• E-Autos benötigen in allen Reparaturkategorien mehr Reparaturen als Verbrenner
• Tesla, Rivian und Polestar schneiden besonders schlecht ab
E-Autos schneiden unterdurchschnittlich ab
In seiner U.S. Initial Quality Studie (IQS) hat das amerikanische Marktforschungsunternehmen J.D. Power zum 38. Mal die Qualität verschiedener Automobilhersteller erhoben. Dazu wurden Kunden zu der Anzahl der Probleme befragt, die in den ersten 90 Tagen nach Kauf bei ihren Fahrzeugen auftraten. Die Ergebnisse der Qualitätsstudie basieren auf einer Reihe von 227 Fragen sowie relevanten Reparaturdaten, die in 10 Fahrzeugkategorien unterteilt sind: Infotainment, Ausstattung, Bedienelemente und Anzeigen, Exterieur, Fahrassistenz, Innenraum, Antrieb, Sitze, Fahrerlebnis, Klima und nicht spezifizierte Angaben. Besonders auffällig ist der Abfall von Tesla und das insgesamt schlechte Abschneiden von E-Autos. Auch deutsche Hersteller schnitten unterdurchschnittlich ab.
Es sei nicht überraschend, dass die Einführung neuer Technologien die Hersteller vor die Herausforderung stellt, die Fahrzeugqualität aufrechtzuerhalten, so Frank Hanley, Senior Director für Auto-Benchmarking bei J.D. Power. "Die Branche kann sich jedoch damit trösten, dass einige Problembereiche wie Spracherkennung und Parkkameras heute als weniger problematisch angesehen werden als noch vor einem Jahr."
Mehr Reparaturen nötig
Befürworter von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs) geben oft an, dass diese Fahrzeuge unproblematischer seien und weniger Reparaturen erfordern als Verbrenner, da sie weniger Teile und Systeme haben. Neu aufgenommene Daten zeigen jedoch, dass BEVs sowie Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEVs) in allen Kategorien mehr Reparaturen benötigen als Verbrenner. "Besitzer von hochmodernen, technisch ausgestatteten BEVs und PHEVs haben Probleme, die so schwerwiegend sind, dass sie ihr neues Fahrzeug dreimal häufiger zum Händler bringen als Besitzer von benzinbetriebenen Fahrzeugen", erklärt Hanley.
Diese Marken schnitten besonders schlecht ab
Der Durchschnitt in der Studie über alle Marken hinweg liegt bei 195 Problemen per 100 Fahrzeugen. Tesla verzeichnete 266 Probleme pro 100 Fahrzeugen und liegt damit weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Auch andere Hersteller von Elektrofahrzeugen wie Rivian mit ebenfalls 266 Problemen per 100 Fahrzeugen und Polestar mit ganzen 316 Problemen per 100 Fahrzeugen finden sich am Ende des Rankings.
Am besten schneiden die Hersteller RAM (149 PP100), Chevrolet (160 PP100) und Hyundai (162 PP100) ab. Deutsche Autobauer wie BMW (206 PP100), Mercedes (206 PP100), VW (241 PP100) und Audi (242 PP100) finden sich im hinteren Mittelfeld und am Ende des Rankings wieder. Lediglich Porsche kann mit 172 Problemen per 100 Fahrzeugen überzeugen und belegt den insgesamt siebten Platz des Rankings.
Wichtigste Ergebnisse der Studie
Laut J.D. Power sei das schlechte Abschneiden unter anderem durch die vielen Warnungen bedingt, deren Bedeutung viele Besitzer nicht verstehen. Mitunter irritieren fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, die Leben retten und Verletzungen reduzieren sollen, Fahrzeugbesitzer mit ungenauen und lästigen Warnungen durch Querverkehrswarnungen hinten und automatischen Notbremsfunktionen für den Rückwärtsverkehr.
Neben der notorisch problemanfälligen Infotainment-Kategorie gehören Funktionen, Bedienelemente und Anzeigen zu den problematischsten Kategorien in der Studie. Von scheinbar einfachen Funktionen wie Scheibenwischern und Rückspiegel bis hin zur komplizierteren Bedienung einer OEM-Smartphone-Anwendung ist diese Kategorie bei Elektrofahrzeugen deutlich problematischer als bei Verbrennern. Unter anderem sei der Qualitätsverlust durch das Entfernen traditioneller Bedienelemente bedingt. Bei Tesla seien beispielsweise die anstatt Hupe und Blinkerhebeln zum Einsatz kommenden Knöpfe am Lenkrad mitverantwortlich für das schlechte Ergebnis.
Erhebliche Mängel bei Hauptuntersuchung
Auch die Ergebnisse des "TÜV-Reports 2024" zeigen: Elektrofahrzeuge schneiden bei der Hauptuntersuchung durchwachsen ab. Beispielsweise belegt Teslas Model 3 mit einer Mängelquote von 14,7 Prozent den letzten Platz in der Altersklasse. Hier hatten die TÜV-Sachverständigen am meisten Beanstandungen bei Beleuchtung, Bremsen und Achsen zu vermerken. Das Ergebnis bestätige die Hypothese, dass Elektroautos eben auch regelmäßig gewartet werden müssen, so TÜV SÜD-Experte Wolz.
M. Schausbreitner/Redaktion finanzen.net
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