Druck auf europäische Aktien? Barclays warnt vor Folgen eines Ölpreisschocks

Barclays warnt vor einem möglichen Ölpreisschock, der die Gewinnerwartungen europäischer Unternehmen deutlich belasten könnte.
Werte in diesem Artikel
• Laut Barclays sind die Gewinnschätzungen für Europa zu hoch und bei steigenden Ölpreisen gefährdet
• Schwächeres Wachstum und steigende Zinsen erhöhen die Stagflationsrisiken
• Sektoren und Länder sind unterschiedlich stark betroffen
Konsens zu optimistisch - Barclays deutlich vorsichtiger
Wie Investing unter Berufung auf eine Einschätzung des britischen Finanzdienstleisters Barclays berichtet, sind die Folgen des Nahostkonflikts in den Gewinnerwartungen europäischer Aktien bislang nur teilweise berücksichtigt. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises könnte demnach das Gewinnwachstum deutlich abschwächen und zugleich die bereits erhöhten Bewertungsniveaus zusätzlich belasten.
Die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) europäischer Unternehmen gehen für das Jahr 2026 weiterhin von einem Wachstum von 13 Prozent aus, heißt es weiter. Nach Einschätzung von Barclays zeichnet diese Zahl jedoch ein zu optimistisches Bild der tatsächlichen Entwicklung: Bereinigt um Basiseffekte im Automobilsektor dürfte das zugrunde liegende Wachstum vielmehr im Bereich von 8 bis 9 Prozent liegen, berichtet Investing. Zudem rechne die Bank unter der Annahme eines Ölpreises von 85 bis 90 US-Dollar pro Barrel lediglich mit einem Plus von 6 Prozent.
Den Analysten zufolge könnte ein Anstieg des Ölpreises über die Marke von 100 US-Dollar zudem einen "nicht-linearen Effekt auf die Gewinne" auslösen. In diesem Szenario wäre laut der Bank ein Rückgang des Gewinnwachstums auf niedrige einstellige Werte wahrscheinlich, heißt es weiter. Aktuell notiert der Ölpreis für ein Barrel Brent bei 98,67 US-Dollar (Stand: 13. April 2026).
Wachstum und Geldpolitik unter Druck
Wie aus dem Bericht weiter hervor geht, hat die Bank ihre BIP-Prognosen nach unten revidiert: Für die Eurozone wird nun ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet und für das Vereinigte Königreich 0,7 Prozent. Gleichzeitig rechnet Barclays damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen zweimal anheben dürfte. Dies verschärfe laut den Analysten "das ungünstigere Verhältnis zwischen Wachstum und Geldpolitik vor dem Hintergrund steigender Stagflationsrisiken".
Barclays betont zugleich, dass sich die aktuelle Lage trotz ähnlich starkem Ölpreisanstieg deutlich von der Energiekrise 2022 unterscheidet, da sich die Gas- und Strompreise bislang weit weniger dynamisch entwickelt haben und Europa zudem weniger stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig ist als zuvor von russischen Lieferungen, heißt es weiter.
Bewertungen im Fokus - weiteres Abwärtspotenzial
Europäische Aktien haben sich bereits verbilligt, liegen aber weiter über dem langfristigen Durchschnitt und könnten bei anhaltender Eskalation weiter fallen: "Die Bewertungsmultiplikatoren könnten sich in einem anhaltenden Ölpreisschock-Szenario weiter zurückbilden, wobei der SXXP unserer Ansicht nach auf etwa 550 Punkte fallen könnte, wenn sich der Ölpreis bei rund 100 US-Dollar pro Barrel oder darüber stabilisiert - oder sogar noch tiefer, falls die Rezessionsrisiken zunehmen", berichtet Investing unter Berufung auf das Team um Emmanuel Cau. "Gleichzeitig könnte eine schnelle Deeskalation den Bewertungen etwas Luft verschaffen, und die KGV-Multiplikatoren könnten wieder in Richtung früherer Höchststände steigen", heißt es weiter.
Die Bank halte außerdem an ihrem Basisszenario eines Kursziels von 620 Punkten fest.
Sektoren und Regionen unterschiedlich betroffen
Laut Barclays zeigt sich auf Sektor- und Länderebene ein differenziertes Bild: Bei einer Deeskalation profitieren Branchen wie Banken, Bergbau, Investitionsgüter und zyklische Konsumgüter, während bei anhaltenden Spannungen defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter und die Pharmaindustrie im Vorteil sind. Auf Länderebene bevorzugt Barclays britische Aktien, da der FTSE 100 durch seine hohe Energiegewichtung und geringe Binnenmarktabhängigkeit als vergleichsweise widerstandsfähig gilt - ähnlich wie bereits im Ukraine-Krieg.
Svenja Polonyi, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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