Euro am Sonntag-Aktien-Tipps

E-Mobilität-Boom: Welche Aktien unter Strom stehen

18.08.17 21:56 Uhr

E-Mobilität-Boom: Welche Aktien unter Strom stehen | finanzen.net

Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Graphit sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Für Anleger ergeben sich enorme Chancen.

von Florian Westermann, Euro am Sonntag

Wer mit dem Flugzeug über den Salar de Uyuni in Bolivien fliegt, sieht nichts als weiße Wüste. Doch unter der Kruste der größten Salzpfanne der Erde schlummert ein Schatz mit unvorstellbarem Wert: Lithium. Lange relativ unbedeutend, ist das Metall heute ein Schlüsselelement für die Produktion leistungsfähiger Batterien, wie sie etwa in Smartphones oder Elektroautos ­eingesetzt werden. Um den Lithium- Schatz in der staubigen Einöde zu heben - es sind die größten Vorkommen der Welt -, kündigte Boliviens Staatschef Evo Morales Investitionen von mehr als 800 Millionen Dollar an.



Auch andere Rohstoffe zur Elektro­autoproduktion wie Kobalt, Graphit, Kupfer oder Nickel rücken immer stärker in den Fokus. Weltweit sind erst zwei Millionen E-Autos unterwegs - bei ­einem Pkw-Bestand von 1,3 Milliarden Fahrzeugen. Experten rechnen mit ­einem enormen Boom. 2020 sollen laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) zwischen neun und 20 Millionen Stromer zugelassen sein. Fünf Jahre später rechnet die IEA mit 40 bis 70 Millionen E-Autos.

Kritische Versorgung

Tesla-Chef Elon Musk, der im kommenden Jahr eine halbe Million Elektrofahrzeuge verkaufen will, stampft im US-Bundesstaat Nevada die größte Batteriefabrik der Welt aus dem Boden. In dem Werk - nach Musks Plänen nur einem von vielen - sollen in Kooperation mit Panasonic Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und stationäre Stromspeicher vom Band laufen. Ohne Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt ist an die Fertigung von Millionen Elektroautos nicht zu denken. In den Batterien von Teslas Elektrolimousine Model S etwa stecken 51 Kilo Lithium. Um die steigende Nachfrage zu decken, müsste die Lithium-Produktion bis 2024 etwa verdreißigfacht werden, schätzt die Schweizer Großbank UBS.



Die Preise für Lithium sind in den vergangenen Monaten regelrecht explodiert. Anders als etwa bei Gold oder Silber können Anleger aber nicht direkt investieren. Sie müssen den Umweg über Fonds, ETFs oder Aktien gehen. Die Kurse vieler Lithium-Aktien sind bereits kräftig gestiegen. Besonders hohe Kursgewinne gab es bei Explorationsgesellschaften und Junior-Minen. Den Chancen stehen enorme Risiken bis hin zum Totalverlust gegenüber. Längst nicht jede Firma, die das Wort Lithium im Namen trägt, ist ein gutes Investment.

Anleger, die in den Sektor investieren wollen, sollten auf Aktien von Unternehmen setzen, die bereits produzieren. Zu den größten Lithium-Schürfern gehören SQM, FMC Corporation und Albemarle. Der Spezialchemiekonzern ist über seine Tochter Rockwood der führende Produzent des seltenen Metalls. Um die Marktführerschaft zu festigen, investiert Albemarle-Chef Luke Kissam kräftig in den Sektor, was bei der Zahlenvorlage zumindest kurzfristig für Unmut sorgte.


Eine riesige Lücke klafft auch bei Kobalt, seltenen Erden und Graphit. Selbst die Nickel- und Kupferproduktion muss in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden, treffen die Prognosen der Analysten zum E-Auto-Absatz zu.

Besonders schwierig ist das bei Kobalt. Eine Tonne des Metalls, das auch in der Rüstungsindustrie unabdingbar ist, kostet derzeit knapp 60.000 Dollar - mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Über die Hälfte der Weltproduktion stammt aus Minen im von Gewalt erschütterten Kongo, wo das Metall unter menschenverachtenden Bedingungen gewonnen wird. Außerdem fällt Kobalt hauptsächlich als Nebenprodukt der Kupfer- und Nickelgewinnung an. Kaum ein Unternehmen wird jedoch die Kupfer- oder Nickelproduktion steigern, um mehr Kobalt aus der Erde zu holen.

Engpässe scheinen programmiert. Zudem kontrolliert China mit Unternehmen wie China Molybdenum oder Jinchuan über Minen im Kongo rund die Hälfte des Weltmarkts. Das birgt Konfliktpotenzial mit den USA, die kaum über Vorkommen verfügen. Ohne Wohlwollen der Chinesen dürfte auch Musk Probleme bekommen, seine Pläne umzusetzen.

Deutscher Marktführer

Angespannt ist die Lage auch bei Graphit. Das Material kommt ebenfalls bei der Produktion von leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Die Aktie des kanadischen Minenunternehmens Leading Edge Materials etwa profitiert von seinen Graphit-Liegenschaften in Schweden. Umsätze oder Gewinne erzielt die Firma nicht. Für Fantasie sorgt aber eine Kooperation mit Northvolt. Das vom ehemaligen ­Tesla-Vorstand Peter Carlsson gegründete Start-up will vier Milliarden Euro in eine Batteriefabrik in Schweden investieren und hat bereits Geldgeber wie den Energiekonzern Vattenfall von seinen Plänen überzeugt.

Vom erwarteten Graphit-Boom profitiert auch SGL Carbon. Die Wiesbadener sind Weltmarktführer für technische Graphite, die in Lithium-Ionen-Akkus von Elektro- und Hybridautos eingesetzt werden. "Graphite sind in vielen Anwendungen nicht ersetzbar. Der Bereich wird weiter wachsen", sagte SGL-Chef Jürgen Köhler gegenüber €uro am Sonntag. Auch wenn Tesla-­Chef Musk die deutschen Autobauer beim Elektroantrieb auszubooten scheint - mit SGL ist zumindest ein deutsches Unternehmen mit auf der Überholspur.

Investor-Info

SGL Carbon
Heimlicher Profiteur

SGL Carbon profitiert doppelt vom erwarteten E-Auto-Boom. Der MDAX-Konzern, der jüngst gute Quartalszahlen vorlegte, liefert nicht nur Graphite, sondern ist auch Experte in Sachen Leichtbau. Für die Autobauer ist es wichtig, Gewicht zu sparen, um die Reichweite der Stromer zu erhöhen. Nach dem Verkauf des Geschäfts mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden ist SGL zum Jahresende voraussichtlich nahezu schuldenfrei. Turnaround-Story mit Potenzial.

Albemarle
Lithium-Spezialist

Die Zahlen, die der Spezialchemiekonzern und weltgrößte Lithium-Produzent jüngst vorlegte, lösten Gewinnmitnahmen aus. Die mittelfristigen Aussichten sind positiv. Trotz hoher Ausgaben für die Erschließung neuer Lithium-Vorkommen dürfte der bereinigte Nettogewinn 2017 um 22 Prozent auf 492 Millionen Dollar zulegen. 2018 rechnen Analysten mit einem Gewinnsprung um ein Drittel auf 560 Millionen Dollar. Aussichtsreich.

China Molybdenum
Kobalt-Riese

Der chinesische Rohstoffriese profitiert vom anhaltenden Kobalt-Boom. Hauptprodukt ist aber Molybdän. Das Metall ist ein wichtiger Werkstoff etwa in der Photovoltaik-Industrie. Für das laufende Jahr rechnen Analysten im Schnitt mit einem Plus beim bereinigten Nettogewinn um 130 Prozent auf umgerechnet 310 Millionen Euro. 2018 soll ein Gewinn von 350 Millionen Euro unter dem Strich stehen. Unternehmensstory und Chart sprechen für weiter steigende Kurse. Spekulativ.

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Bildquellen: Zapp2Photo / Shutterstock.com, RWE

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