Rally der Intel-Aktie noch nicht vorbei? Jetzt wird sogar ein langjähriger Skeptiker zum Bullen

Ein bislang eher Intel-skeptischer Analyst der Bank of America vollzieht ein seltenes Doppel-Upgrade und sieht die Aktie trotz 217-Prozent-Rally noch immer unterbewertet.
Werte in diesem Artikel
• BofA hebt Intel direkt auf "Buy"
• CPU- und Foundry-Geschäft als zentrale Kurstreiber
• Analystenkonsens bleibt trotz Upgrade deutlich vorsichtiger
Die Bank of America hat die Intel-Aktie am Donnerstag von "Underperform" direkt auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 96 auf 135 US-Dollar angehoben. Analyst Vivek Arya, der die Kursvervielfachung des laufenden Jahres verpasst hatte, begründet seinen Schwenk mit wachsender Zuversicht über Intels Chancen im CPU-Markt für agentische KI sowie mit konkretem Fortschritt im Foundry-Geschäft. Die Intel-Aktie schloss daraufhin an der NASDAQ mit einem Plus von 9,26 Prozent bei 116,96 US-Dollar. Im Handel am Freitag notieren die Anteilsscheine 7,39 Prozent höher bei 125,60 US-Dollar.
Das strukturelle Argument: CPU als Profiteur agentischer KI
Den Kern des Upgrades bildet eine veränderte Einschätzung des Serverchip-Marktes. Der Experte hebt seine Prognose für das globale Marktvolumen bei Server-CPUs auf mehr als 170 Milliarden US-Dollar an, nach zuvor 125 Milliarden. Arya sieht die CPU dabei als strukturellen Gewinner der Verlagerung hin zu agentischen KI-Systemen: Moderne KI-Agenten benötigen Prozessoren nicht mehr nur zur Unterstützung von Grafikchips, sondern für eigenständige Aufgaben wie Reasoning, Speicherverwaltung und Werkzeugnutzung. Intel könne davon überproportional profitieren. Die Analysten beziffern das kombinierte Marktpotenzial für KI-taugliche und agentische CPUs bis 2030 auf rund 140 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Rechenzentrums-Systemmarktes von insgesamt 2,1 Billionen US-Dollar. Intels eigener Serverchip-Umsatz soll darin bis 2030 die Marke von 40 Milliarden US-Dollar überschreiten, was einem Marktanteil von rund 25 Prozent entspräche.
Foundry-Geschäft als zweiter Treiber
Neben dem Produktgeschäft hebt der Analyst das Fertigungsgeschäft von Intel Foundry hervor. Als konkreten Beleg nennt Arya einen Großauftrag von Alphabet zur Herstellung von Tensor Processing Units über Intel Foundry. Das Unternehmen verarbeite eigene Chips zudem mit einer Ausbeute von über 90 Prozent beim EMIB-Verfahren, einem fortgeschrittenen Verbindungsstandard für Chip-Pakete. Arya sieht hier Potenzial für eine Neubewertung durch den Markt, besonders wenn die Kapazitäten beim Konkurrenzverfahren CoWoS knapp bleiben. Die bisherige Bewertungsmethodik habe Intels langfristige CPU- und Foundry-Chancen systematisch unterschätzt, weil sie zu stark auf Schätzungen für 2028 basiert habe.
"Underowned": Das taktische Argument
Arya ergänzt seinen Fall um einen Aspekt, der über klassische Fundamentalanalyse hinausgeht. Intel sei trotz einer Jahresperformance von mehr als 200 Prozent, der drittbesten im PHLX Semiconductor Index, nach wie vor signifikant unterrepräsentiert in institutionellen Portfolios. Das Unternehmen rangiere bei der Eigentümerquote auf Platz 14 von 15 unter den größten Chip- und KI-Infrastrukturwerten. BofA verweist auf AMD als Analogie: Dort habe eine Verbreiterung der Eigentümerbasis zuletzt ebenfalls zu Kurssteigerungen beigetragen. Je mehr Fonds Intel in ihre Benchmarks aufnehmen, desto stärker könnte strukturelle Nachfrage entstehen.
Gegenthese bleibt bestehen
Die BofA ist mit der bullischen Einschätzung vorerst der Ausreißer: Der durchschnittliche Analystenkonsens sieht das Kursziel laut TipRanks bei 91,44 US-Dollar und damit unter dem aktuellen Kurs, das Konsensrating lautet lediglich "Hold". Dabei hat die Intel-Aktie im bisherigen Jahresverlauf bereits 217 Prozent an Wert gewonnen. Doch die Risiken sind nicht unerheblich: Intels Foundry-Arm verbuchte zuletzt einen Quartalsverlust von rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Der 18A-Prozessknoten, Intels technologischer Kern der Comeback-These, hat gegenüber TSMC und Samsung bislang keine überlegene Qualität bewiesen. Nach einer Kursvervielfachung und weiterhin negativen Ergebnissen auf Trailing-Basis ist in der Bewertung bereits viel Optimismus eingepreist.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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