Waffenstillstand

Nach dem US-Iran-Deal: Goldman Sachs passt Ölpreis-Prognose klar nach unten an

16.06.26 22:43 Uhr

Nach der Nahost-Entspannung: Goldman Sachs kappt Ölpreisziele | finanzen.net

Ein Friedensabkommen für den Persischen Golf steht kurz vor der Unterzeichnung, und Goldman Sachs zieht prompt die Konsequenz.

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Rohstoffe

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• Friedensabkommen zwischen USA und Iran bewegt den Öl-Sektor
• Goldman Sachs senkt Ölpreisprognose
• Globaler Ölmarkt scheint anpassungsfähiger als erwartet

Das Rohstoffteam von Goldman Sachs unter Leitung von Daan Struyven hat seine Brent-Preisprognose für das vierte Quartal 2026 von 90 auf 80 US-US-Dollar je Barrel gesenkt, ein Rückgang von rund 11 Prozent. Für das Gesamtjahr 2027 fiel die Ölpreis-Prognose um etwa 6 Prozent auf 75 US-Dollar, wie MarketWatch berichtet. Die Botschaft dahinter ist nüchtern: Das neue Ziel liegt nahe am aktuellen Marktpreis von rund 80 US-Dollar, was darauf hindeutet, dass die Märkte die Entspannung am Golf bereits weitgehend verarbeitet haben. Für US-Verbraucher bedeutet das konkret: Spürbar günstigeres Benzin ist vorerst nicht zu erwarten.

Auslöser: Waffenstillstand am Golf kurz vor Abschluss

Den unmittelbaren Anlass für die Revision liefert ein vom Weißen Haus angekündigtes Abkommen zur Beendigung der Kampfhandlungen im Persischen Golf, das noch in dieser Woche unterzeichnet werden soll. Goldman geht nun davon aus, dass sich die Exporte durch die Straße von Hormus Ende Juli auf ihr Vorkriegsniveau normalisieren, einen Monat früher als bisher angenommen. Allerdings räumt der Bericht ein, dass diese Annahme mit erheblichen Risiken behaftet bleibt. Präsident Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt einen baldigen Deal in Aussicht gestellt, die Verhandlungen gerieten jedoch wiederholt ins Stocken.

Versorgungsseite: Flexibler als erwartet

Die Krise hat bereits gezeigt, wie anpassungsfähig der globale Ölmarkt geworden ist. Die Lieferungen aus dem Golf liegen laut dem Goldman-Bericht schon jetzt bei rund 11 Millionen Barrel täglich, gestützt durch Umleitungen über Pipelines und Straßentransporte. Hinzu kommt, dass Produzenten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Förderung kurzfristig hochfahren könnten, um die durch niedrige Lagerbestände in Europa, Asien und Amerika entstandene Nachfrage zu bedienen. Fällt diese Angebotsausweitung stärker aus als erwartet, droht weiterer Abwärtsdruck auf die Preise.

Risiken in beide Richtungen

Goldman Sachs benennt aber auch Aufwärtsszenarien. Reedereien und Versicherer könnten aus der Krise eine dauerhaft höhere Risikoaversion entwickeln, die Exporte einschränkt. Die Minenräumung der Straße von Hormus gilt als langwieriger Prozess, und eine erneute iranische Drohung bei stockenden Verhandlungen mit Washington ist nicht ausgeschlossen. Im Extremszenario anhaltender Spannungen am Golf sieht Goldman Brent bis Ende 2026 bei 130 US-Dollar und einen Jahresdurchschnitt 2027 von 105 US-Dollar. Den Gegenfall, einen reibungslosen Übergang, hat der Markt nun also eingepreist. Der strukturelle Befund von Struyven dürfte Händler dennoch beschäftigen: Der größte Ölproduktionsschock der Geschichte hat offenbart, wie belastbar und flexibel die globalen Ölmärkte inzwischen sind, besonders mit Blick darauf, wie mühelos China die Versorgungsunterbrechung abfederte. Das könnte die Bereitschaft der Märkte senken, künftig dauerhaft hohe geopolitische Risikoprämien im Ölpreis einzurechnen.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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