Zollstreit belastet

TUI-Aktie unter Druck: US-Zollpläne und EU-Reaktion verunsichern Anleger

24.02.26 17:55 Uhr

Handelskrieg 2.0: Warum die TUI-Aktie trotz Rekordgewinn massiv unter Druck gerät | finanzen.net

Die Ankündigung neuer US-Zölle durch Präsident Donald Trump und das eingefrorene Zollabkommen seitens der EU sorgen für erhebliche Unsicherheit auch im Reisesektor.

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• US-Präsident Trump plant weltweite Importzölle von bis zu 15 Prozent
• EU-Parlament legt ausgehandeltes Zollabkommen mit den USA vorerst auf Eis
• TUI-Aktie rutscht unter psychologisch wichtige Marken und kämpft mit Buchungsrückgängen

Der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union erreicht eine neue Eskalationsstufe und trifft nun auch Unternehmen außerhalb der klassischen Industrie. In den USA sind neue weltweit geltende Zölle in Höhe von 10 Prozent in Kraft getreten. US-Präsident Donald Trump hatte bereits am vergangenen Freitag eine entsprechende Ausführungsbestimmung unterzeichnet, die um Mitternacht Washingtoner Zeit (6.00 MEZ) in Kraft getreten ist. Noch am Wochenende hatte Trump zwar gedroht, den Satz auf 15 Prozent anzuheben. Hierzu gibt es aber noch keine entsprechende Anordnung. Obwohl Ausnahmen für bestimmte Güter wie Arzneimittel vorgesehen sind, sorgt die pauschale Erhöhung für massive Verunsicherung an den globalen Märkten, da die rechtliche Grundlage für eine dauerhafte Umsetzung ohne Zustimmung des US-Parlaments umstritten bleibt.

EU-Reaktion verschärft die Marktunsicherheit

Als direkte Reaktion auf die aggressive Handelspolitik Washingtons hat das Europäische Parlament die Umsetzung des bereits ausgehandelten EU-US-Zollabkommens gestoppt. Wie ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, bildet das jüngste Dekret Trumps die Basis für die neuen Abgaben. Bernd Lange, der Vorsitzende des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments, betonte gegenüber dem Deutschlandfunk: "Ein Deal ist ein Deal. Aber er muss auch von der anderen Seite respektiert werden." Die Abgeordneten fordern nun klare Zusicherungen der US-Regierung, dass getroffene Vereinbarungen, wie die Deckelung der Zölle für EU-Importe auf maximal 15 Prozent, eingehalten werden. Diese Pattsituation belastet die Stimmung für europäische Blue Chips erheblich, da ein Handelskrieg die globale Konsumlaune und damit auch die Reiselust dämpfen könnte.

TUI zwischen operativer Stärke und konjunkturellem Gegenwind

Für den Reisekonzern TUI kommt diese politische Volatilität zu einem ungelegenen Zeitpunkt. Zwar konnte das Unternehmen im ersten Geschäftsquartal 2025/26 ein bereinigtes Rekord-EBIT von 77,1 Millionen Euro ausweisen, doch die Ausblicke trüben sich ein. Analysten wie Richard Clarke von Bernstein weisen darauf hin, dass die Sommerbuchungen für 2026 zuletzt um zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen. In einem Marktumfeld, das von Zollunsicherheiten und Inflationssorgen geprägt ist, reagieren Investoren besonders sensibel auf Anzeichen einer nachlassenden Nachfrage bei Pauschalreisen.

Rating und Management-Signale

Trotz der Kurskapriolen erhält der Konzern Rückdeckung von den Ratingagenturen und der eigenen Führungsebene. Fitch Ratings bestätigte jüngst das "BB"-Rating mit stabilem Ausblick und verwies auf die starke Marktposition von TUI. Parallel dazu nutzten Vorstandschef Sebastian Ebel und David Schelp die jüngste Kursdelle für Aktienkäufe im fünfstelligen Euro-Bereich bei Kursen um 8,40 Euro. Diese Eigengeschäfte sollen Vertrauen in die langfristige Strategie und die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung von 0,10 Euro pro Aktie signalisieren, konnten den kurzfristigen Abwärtstrend jedoch bisher nicht stoppen.

Aktuelle Reaktion der TUI-Aktie: Deutlicher Rückzug vom Jahreshoch

An der Börse spiegelt sich die Skepsis der Marktteilnehmer deutlich wider. Nachdem die TUI-Aktie erst am 9. Februar ein neues 52-Wochen-Hoch bei 9,56 Euro markiert hatte, setzte ein massiver Abverkauf ein. Im XETRA-Handel notierte das Papier am Dienstag letztlich bei 7,94 Euro (-0,03 Prozent), was einem Rückgang von mehr als 17 Prozent vom Zwischenhoch entspricht. Damit hat der Titel nicht nur die 21-Tage-Linie, sondern auch die psychologisch wichtige 8-Euro-Marke nach unten durchbrochen. Solange die handelspolitischen Spannungen zwischen Brüssel und Washington anhalten, dürfte der Erholungsspielraum für den Touristikwert begrenzt bleiben.

Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: TUI

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