Vermögensverwalter-Kolumne

Infrastrukturfonds bringen Stabilität ins Depot

23.02.26 12:39 Uhr

Infrastrukturfonds bringen Stabilität ins Depot | finanzen.net

Nicht nur Bahnfahrer wissen eine gute Infrastruktur zu schätzen. Straßen, Schienen, Energieversorgung, Telekommunikation und Wasserwirtschaft sind Grundpfeiler unseres Alltags. McKinsey &Company schätzt in einem 2025 veröffentlichten Report, dass bis 2040 rund 106 Bio. Dollar in globale Infrastruktur investiert werden müssen, um Nachfrage und Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Für Anleger können vor allem offene Infrastrukturfonds eine attraktive Möglichkeit sein daran teilzuhaben.

Infrastruktur-Unternehmen stehen im Zentrum mehrerer langfristiger Trends, die enorme Investitionen auslöösen. Wachsende Städte und alternde Gesellschaften brauchen mehr Mobilität, Gesundheits- und Versorgungsinfrastruktur. Laut der Vereinten Nationen wird der Anteil der Weltbevölkerung in Städten bis 2050 auf rund 68 Prozent steigen - das bedeutet mehr Bedarf an Verkehr, Energie und digitalen Netzwerken.

Megatrends: Klimawandel und KI

Die Umstellung auf erneuerbare Energien erfordert massive Investitionen in Netzkapazitäten, Speicher, Wind- und Solaranlagen. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass die weltweiten Investitionen in saubere Energie bis 2030 auf über vier Bio. Dollar im Jahr steigen müssen, um die Klimaziele zu erreichen.

Schnelle Datenverbindungen, große Rechenzentren und digitale Infrastrukturen sind die Basis für Künstliche Intelligenz, automatisierte Produktion und vernetzte Dienste. Die Nachfrage nach Glasfasern und 5G-Netzen wächst rasant.

Staatliche Regulierung macht Cashflows planbar

Offene Infrastrukturfonds investieren in Unternehmen und Projekte, die reale wirtschaftliche Infrastruktur betreiben oder ausbauen. Dazu zählen Energieversorger und Netzbetreiber, Telekom-Konzerne und Betreiber von Rechenzentren, Wasser- und Abfallwirtschaft, PV- und Windkraftprojektierer.

Viele dieser Unternehmen erwirtschaften langfristig planbare Cashflows, etwa durch staatlich regulierte Entgelte oder langfristige Konzessionsverträge. Einige Erträge sind an Preisindizes gekoppelt oder wachsen mit der Inflation - ein Vorteil in Zeiten steigender Preise. Staatliche Förderprogramme für Energie, Verkehr oder Breitband schaffen Nachfrage und Planungssicherheit über Jahre. Infrastrukturfonds können ein Portfolio stabilisieren, weil sie oft andere Risikoprofile als reine Aktien- oder Rentenfonds aufweisen.

Risken und Herausforderungen

Insbesondere für Privatanleger sind Fondsgebühren ein zentraler Faktor. Hohe Verwaltungs- oder Ausgabeaufschläge können die Rendite deutlich drücken. Infrastrukturprojekte sind kapitalintensiv. Steigende Zinsen verteuern Fremdkapital und können Unternehmensbewertungen belasten. Zudem können sich Förderbedingungen, Subventionen oder gesetzliche Rahmenwerke ändern - besonders im Bereich erneuerbare Energien. Zu beachten ist auch, wie sich Fonds zusammensetzen. Manche setzen auf defensive Versorger, andere auf wachstumsstarke, aber volatilere digitale oder erneuerbare Segmente.

Fazit

Offene Infrastrukturfonds können für Privatanleger sinnvoll sein - besonders wenn sie langfristig investieren wollen, nach Diversifikation suchen und ein moderates Rendite-Risiko-Profil anstreben. Sie ersetzen aber nicht klassische Anlageklassen. Risiken, Gebühren und regulatorische Faktoren müssen vor einer Entscheidung sorgfältig bewertet werden. Infrastruktur sollte immer nur ein Baustein im Portfolio sein.

von Thorsten Göhl, KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg

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