Rüstungs-IPO

Börsendebüt der Vincorion-Aktie: Erstkurs über Emissionspreis

20.03.26 21:30 Uhr

Börsengang der Vincorion-Aktie: Erstkurs über Ausgabepreis | finanzen.net

Der Rüstungszulieferer Vincorion startet am heutigen Freitag an der Frankfurter Börse. So performt die Aktie an ihrem ersten Handelstag.

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• Vincorion nutzt günstiges Branchenumfeld für Börsengang
• Hauptaktionär Star Capital trennt sich von einem Teil seiner Aktien
• Erstkurs bei 19,30 Euro

Vincorion - der Kunstname setzt sich aus dem lateinischen Wort "vincere" (siegen) und dem Sternbild Orion zusammen - hat den Gang aufs Börsenparkett gewagt. Das Unternehmen gab insgesamt 20.297.500 Aktien aus dem Bestand des Hauptaktionärs Star Capital aus. Dies umfasst ein Basisangebot von 17.650.000 Anteilen sowie eine Mehrzuteilungsoption von 2.647.500 Aktien.

Der Angebotspreis wurde im Vorfeld auf 17,00 Euro festgelegt, woraus sich ein Gesamtemissionsvolumen von bis zu 345 Millionen Euro ergibt. Das Besondere bei diesem IPO: Alle Erlöse fließen dem britischen Finanzinvestor Star Capital zu, Vincorion selbst erhält kein neues Kapital. Die Platzierung war nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mehr als zweistellig überzeichnet. Aktuell kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von gut 940 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Branchenprimus Rheinmetall bringt mehr als 71 Milliarden Euro auf die Waage.

Das Börsendebüt war recht erfolgreich: Der Erstkurs der Vincorion-Aktie wurde bei 19,30 Euro markiert und lag damit 13,53 Prozent über dem Ausgabepreis. Letztlich zeigte sich der Titel mit 18,70 Euro 3,11 Prozent tiefer als zum XETRA-Start. Dennoch lag er zum Handelsschluss zehn Prozent über dem Preis von 17 Euro, zu dem sich der Private-Equity-Investor Star Capital von Teilen des Rüstungsunternehmens getrennt hatte. Selbst das Tagestief bei 18,16 Euro lag noch deutlich über diesem Ausgabepreis. In der Spitze hatten die Papiere 19,93 Euro gekostet.

Freundliches Umfeld für Rüstungsunternehmen

Der Zeitpunkt für den Börsengang des Herstellers von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen ist gut gewählt, denn seit Beginn des Ukraine-Kriegs boomt die deutsche Rüstungsbranche. Durch ein beschlossenes Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro sowie einer teilweisen Entkoppelung der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse hat der deutsche Staat nun deutlich mehr fiskalischen Spielraum für die Ausrüstung der Bundeswehr.

Da Russland nun als Bedrohung gesehen wird, erhöhen auch die anderen NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben enorm. Zusammen mit weiteren geopolitischen Krisenherden - etwa im Nahen Osten - ergibt sich damit ein günstiges Umfeld für Rüstungsfirmen.

Vincorion profitiert direkt, da Komponenten des Unternehmens in Systemen wie Patriot oder Iris-T verbaut sind, für die weltweit ein großer Bedarf besteht. "Das Interesse an Vincorion ist groß", sagte David Kruk, Leiter des Handels bei La Financière de l'Echiquier. Der Börsengang sei ein guter Indikator für die Marktlage und die Nachfrage nach Verteidigungsaktien.

Die Firma gehörte bis 2022 zum Thüringer Technologiekonzern JENOPTIK, bevor der Finanzinvestor Star Capital übernahm. Angesichts der rasant steigenden Nachfrage nach Rüstungsgütern nutzen die Briten nun das günstige Timing für ihren Ausstieg über die Börse.

Claudia Stephan, Bettina Schneider, Thomas Zoller, Julia Walter, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Tashatuvango / Shutterstock.com

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