Nike-Aktie knickt ein: Umsatzrückgänge erwartet - geopolitische Risiken verstärken Druck

Nike stellt überraschend Umsatzrückgänge in Aussicht und sorgt für Verunsicherung am Markt. Zusätzliche Risiken durch steigende Ölpreise im Zuge des Iran-Krieges drücken auf die Erwartungen.
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Nike besorgt über Folgen des Iran-Krieges
Der US-Sportartikelriese Nike sieht Risiken für sein Geschäft durch den Iran-Krieg. Finanzchef Matthew Friend verwies auf mögliche "ungeplante Schwankungen" durch steigende Ölpreise und andere Faktoren, die Folgen für Kosten oder das Verhalten der Verbraucher haben könnten. Überraschend für viele Analysten stellte Nike Umsatzrückgänge sowohl im laufenden Quartal als auch im gesamten Geschäftsjahr in Aussicht.
Nike sieht sich weltweit mit Gegenwind konfrontiert. Der Konzern verzeichnet hohe Lagerbestände in Europa und im Nahen Osten sowie kriegsbedingte Behinderungen, die laut Nike zu erhöhter Volatilität im Geschäft führen könnten. Diese Herausforderungen sowie die schwache Entwicklung in China und anderen Regionen überschatteten robuste Ergebnisse in Nordamerika.
Nike unter Druck - RBC: Übergangsphase dauert länger
Nach enttäuschenden Prognosen von Nike sind die Aktien am Mittwoch im US-Handel abgesackt. Zuletzt betrug der Abschlag im NYSE-Handel 15,52 Prozent auf 44,62 US-Dollar. Damit waren sie mit Abstand das Schlusslicht im weiter erholten Leitindex. Die Papiere des US-Kontrahenten Under Armour hielten sich am Mittwoch mit Minus 2,62 Prozent bei 5,76 US-Dollar auf negativem Terrain.
"Es scheint, dass die Übergangsphase länger dauert als ursprünglich erwartet, und die Umsatzerholung verläuft nicht so steil wie ursprünglich erhofft", kommentierte der RBC-Experte Piral Dadhania.
Experte Matthew R. Boss von JPMorgan wies darauf hin, dass Nike im vierten Geschäftsquartal in China mit einem Umsatzrückgang von etwa einem Fünftel rechne. Die Konsensschätzung belaufe sich lediglich auf 9,7 Prozent Umsatzrückgang.
Die Schweizer Großbank UBShat das Kursziel für Nike nach Quartalszahlen von 58 auf 54 US-Dollar gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Der Aktie des Sportwarenherstellers drohe ein kurzfristiger Kursrückgang, da die Markterwartungen für den Gewinn je Aktie angesichts der Aussagen zum laufenden Quartal sinken dürften, schrieb Jay Sole in einer am Mittwoch vorliegenden Einschätzung. Der Markt werde sich fragen, ob nun alle negativen Nachrichten eingepreist seien. Er selbst sieht in einem möglichen Kursrückgang keine Kaufgelegenheit.
Dagegen konnten sich die deutschen Konkurrenten adidas und PUMA abkoppeln. Die Aktien legen zu. Sie profitierten allerdings auch von einem freundlichen Umfeld: So kletterte der DAX wegen Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs kräftig.
Der Krieg dürfte sich auf die europäische Region EMEA auswirken, und die Zölle belasteten die Bruttomarge, sagte Poonam Goyal, leitende Analystin bei Bloomberg Intelligence. Sie prognostizierte, dass der Druck "kurzfristig anhalten wird".
Die zentrale Botschaft sei ein langsamer Neustart auf dem Absatzmarkt China gewesen, notierte hingegen Barclays-Expertin Adrienne Yih. Es werde vier Quartale dauern, bis der Sportmodehersteller dort wieder zu Wachstum zurückkehre. Das Chance-Risiko-Verhältnis spreche aber weiterhin für die Aktien.
Das chinesische Geschäft zählt zu den Herausforderungen bei Nike. Das Unternehmen erwartet im laufenden Quartal ein Umsatzrückgang von rund 20 Prozent. Der chinesische Markt ist in den letzten Jahren zunehmend von Rabatten geprägt, da die Verbraucher aufgrund der Konjunkturflaute, der Immobilienkrise und der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt zurückhaltender agieren. Auch der Wettbewerb hat sich verschärft.
Für das laufende Quartal rechnet Nike insgesamt mit einem Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent. Analysten waren dagegen im Schnitt von einem Plus von zwei Prozent ausgegangen. Ähnlich sieht es auch für das Gesamtjahr aus. Im vergangenen Quartal hatte der Sportartikel-Riese die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Wall Street noch übertroffen.
Nike will dann im Herbst auf einer Investorenveranstaltung eine längerfristige Prognose abgeben.
Nike sucht den Weg aus einem Tief, in das sich das Unternehmen selbst manövriert hatte. Der Konzern setzte in den vergangenen Jahren auf Kosten des Einzelhandels sehr stark auf den Direktvertrieb. Vor allem im US-Markt konnten daher konkurrierende Marken Nike den Regalplatz in den Geschäften abnehmen - die Verkäufe litten darunter. Das Unternehmen bemüht sich nun um ein besseres Verhältnis zu seinen Einzelhandelspartnern.
Langsamer als erhofft
Konzernchef Elliott Hill verordnete dem adidas-Konkurrenten einen stärkeren Fokus auf Sportler, nachdem der Lifestyle-Anteil am Sortiment in den vergangenen Jahren gestiegen war. Hill räumte in einer Telefonkonferenz mit Analysten ein, dass der Umbau teilweise langsamer laufe als ihm lieb sei.
Die Zahlen des vergangenen Quartals fielen zugleich nicht gerade glänzend aus. So stagnierte der Umsatz bei knapp 11,3 Milliarden Dollar (9,8 Mrd Euro). Analysten hatten im Schnitt eher mit 11,24 Milliarden Dollar gerechnet. Die Sportbekleidungssparte verzeichnete aufgrund hoher Rabatte zweistellige Rückgänge. "Die Rückkehr zu einem gesunden Sportbekleidungsgeschäft ist für unser Comeback unerlässlich und von entscheidender Bedeutung, da es auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Gesamtmarktes und unseres Wachstums sein wird", sagte Hill.
Im wichtigen Heimatmarkt USA gab es insgesamt ein Umsatzplus von drei Prozent auf gut fünf Milliarden Dollar. Während sich die nordamerikanischen Verbraucher damit als widerstandsfähig erwiesen, gab es in Europa und im Nahen Osten neue Rückschläge. Unterm Strich fiel der Quartalsgewinn um 35 Prozent auf 520 Millionen Dollar.
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BEAVERTON/ZÜRICH (dpa-AFX)
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