Nahost-Konflikt

USA-Iran-Verhandlungen platzen überraschend - Offenbar Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah

19.06.26 21:08 Uhr

Iran-Verhandlungen auf der Kippe? USA-Iran-Gespräche verschoben -  Bericht über Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah | finanzen.net

Die geplanten Gespräche zur Umsetzung des US-Iran-Rahmenabkommens in der Schweiz sind kurzfristig abgesagt worden.

Die für heute angedachte erste Gesprächsrunde zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran in der Nähe von Luzern wurde von der Schweizer Regierung überraschend abgesagt. Wie das Außenministerium in Bern mitteilte, werden die Gespräche auf dem Bürgenstock nicht wie geplant stattfinden.

Gründe für die Absage wurden zunächst nicht genannt, da die Schweizer Seite bei inhaltlichen Fragen stets auf die beteiligten Parteien verweist. Bis zum späten Donnerstagabend hatte sich das Gastland darauf eingestellt, dass in dem Luxusresort zumindest auf technischer Ebene Verhandlungen beginnen. Ursprünglich waren dort Vertreter der USA und des Irans sowie der Vermittlerstaaten Katar und Pakistan erwartet worden. Die aufwendige Logistik hinterließ bereits im Vorfeld Spuren, da reguläre Hotelgäste der Anlage, die einer Tochterfirma des katarischen Staatsfonds gehört, in andere Häuser der Region umquartiert wurden.

Parallel dazu wurde in Washington bekannt, dass US-Vizepräsident JD Vance vorerst nicht für die Verhandlungen in die Schweiz reisen wird. Ein Regierungsbeamter bestätigte am späten Donnerstagabend Ortszeit, dass Vance den ursprünglich für die Nacht zu Freitag vorgesehenen Flug nicht antreten werde, da die Logistik für diese Verhandlungen noch nie einfach oder vorhersehbar gewesen sei. Ob oder wann die Reise genau stattfinden soll, blieb zunächst unklar. Vance selbst betonte später jedoch, dass die Verhandlungen stattfinden würden, und ließ lediglich den exakten Zeitpunkt offen. Man plane weiterhin, in die Schweiz zu fahren, und er gehe davon aus, dass die technischen Verhandlungen im Laufe des Wochenendes starten könnten.

Eigentlich war vorgesehen, dass sich die Delegationen bereits heute zusammensetzen, um über ein dauerhaftes Ende des Konflikts zu verhandeln. US-Präsident Donald Trump und die iranische Seite hatten das Rahmenabkommen erst am Mittwochabend separat unterschrieben, welches nach pakistanischen Angaben mit sofortiger Wirkung in Kraft trat. Die Vereinbarung sieht unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der US-Seeblockade vor. Eine endgültige Vereinbarung, die auch das iranische Atomprogramm umfasst, soll dem Rahmenabkommen zufolge innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden.

Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah im Libanon

Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz haben sich nach Angaben eines US-Regierungsvertreters auf eine neue Waffenruhe geeinigt. Diese sollte am Freitag um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr/MESZ) in Kraft treten. Der Hisbollah nahe stehende Quellen bestätigten die Vereinbarung, Details nannten sie nicht. Eine offizielle Reaktion aus Israel lag zunächst noch nicht vor.

Wegen der gegenseitigen Angriffe war zuvor eine für Freitag angedachte erste Gesprächsrunde zwischen dem Iran und den USA zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens in der Schweiz abgesagt worden.

Das libanesische Nachrichtenportal Al Mayadeen, das der Hisbollah nahesteht, berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte iranische Regierungsquellen, Teheran habe an den Gesprächen wegen der israelischen Luftschläge im Libanon zunächst nicht teilnehmen wollen.

In iranischen Medien wurde noch kurz vor der angekündigten Waffenruhe mit einer erneuten Schließung der für die Energiewirtschaft wichtigen Straße von Hormus gedroht. Die Durchfahrten durch die Meerenge hatten in den vergangenen Tagen leicht zugenommen.

Israel und Hisbollah werfen sich Verstöße gegen Waffenruhe vor

Israel und die Hisbollah hatten sich gegenseitig vorgeworfen, eine im Rahmenabkommen vereinbarte Waffenruhe gebrochen zu haben. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben in der Nacht und am Freitagmorgen mehr als 150 Stellungen der Hisbollah aus der Luft an. Zuvor habe die Miliz Raketen auf israelische Soldaten im Südlibanon abgefeuert, schrieb die Armee auf X. Vier israelische Soldaten wurden nach Militärangaben getötet. Vier weitere Soldaten wurden bei einem Drohnenangriff verletzt.

Dem Gesundheitsministerium in Beirut zufolge wurden auf libanesischer Seite 21 Menschen getötet und weitere 39 verletzt. Acht Getötete seien Mitglieder derselben Familie, hieß es in der Mitteilung.

Netanjahu: Armee soll hart gegen Hisbollah vorgehen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Armee daraufhin an, mit aller Härte gegen die Hisbollah vorzugehen. Israel werde keine Angriffe auf seine Soldaten oder sein Territorium dulden. Die Hisbollah ihrerseits warf Israel vor, sich zu keinem Zeitpunkt an eine Waffenruhe gehalten zu haben. Sie ist der wichtigste Verbündete des Irans in der Region.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun beschuldigte Israel, die Bemühungen um ein Ende der Gewalt zu untergraben und bei seinen Angriffen unschuldige Zivilisten zu treffen.

Rahmenabkommen sieht ein Ende der Gewalt vor

Das vor wenigen Tagen vereinbarte Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA sieht zwar eine umfassende Beendigung der militärischen Konflikte in der Region vor, enthält aber keine Klausel über einen Abzug der israelischen Truppen.

dpa-AFX

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