MÄRKTE ASIEN/Zoll-Nachbeben - Börse Tokio auf Achtmonatstief

04.04.25 09:59 Uhr

Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--Die Talfahrt nach dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollschock und den dadurch entfachten Wachstumsängsten hat sich am Freitag in Ostasien fortgesetzt. Auch weil an der Wall Street die Indizes um bis zu 6 Prozent abgestürzt und praktisch auf den Tagestiefs aus dem Handel gegangen waren. Dazu deuten die Terminkontrakte bereits auf weitere Abgaben zum Handelsstart am Freitag hin.

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Insbesondere die Börse in Tokio traf es erneut besonders hart. Der Nikkei-225-Index rutschte um weitere 2,8 Prozent auf 33.781 Punkte ab, womit er aber deutlich über dem Tagestief ins Wochenende ging. Er liegt nun auf einem Achtmonatstief. Wieder verstärkte die Währungsseite den Abwärtsdruck. Der Dollar verlor besonders gegenüber dem Yen weiter an Wert, wodurch sich Exporte japnischer Unternehmen auf Dollarbasis zusätzlich zu den verfügten Zöllen verteuern. Der Dollar kostete zuletzt 145,92 Yen, verglichen mit Ständen über 150 Yen vor Bekanntgabe der globalen Vergeltungszölle.

Weiter suchten Anleger ihr Heil am Anleihemarkt, dort sanken die Renditen entsprechend. Dazu trugen laut Marktteilnehmern auch Erwartungen bei, dass die japanische Notenbank wegen des Zollschocks für die heimische Witschaft weitere Zinserhöhungen hinauszögern dürfte. "Die Sicht der Notenbank auf die Welt könnte sich infolge der Ankündigung stark verändern", sagte Naomi Muguruma von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

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Der Kospi in Seoul büßte nach einer Erholung im Handelsverlauf nur 0,9 Prozent ein. Gebremst wurde die Talfahrt dort auch davon, dass der wegen der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember suspendierte südkoreanische Präsident Yoon nun endgültig seines Amtes enthoben wurde. Damit entweicht zumindest etwas politische Unsicherheit. Nun stehen Neuwahlen an. Derweil senkten die Ökonomen von Citi wegen der unerwartet hoch ausgefallenen US-Zölle ihre Wachstumsprognose für Südkorea für 2025 von 1,0 auf 0,8 Prozent. In Sydney ging um 2,4 Prozent steil abwärts.

Nicht gehandelt wurde wegen eines Feiertags an den chinesischen Aktienmärkten, die sich am Donnerstag besser gehalten hatten als die Nachbarplätze. Die Analysten von Daiwa erklären die verhaltenere Reaktion chinesischer Aktien damit, dass sie weniger zu verlieren hätten als ihre Pendants in anderen ostasiatischen Ländern. Handelsspannungen mit den USA belasteten die chinesischen Aktien nämlich bereits seit Monaten.

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Daneben hielten sich Spekulationen, dass die chinesische Notenbank mit Lockerungsmaßnahmen stützend eingreifen könnte. Bei der DBS Group rechnet man mit einer Senkung des Leitzinses für einjährige Kredite um 30 Basispunkte und einer Senkung des Mindestreservesatzes um 100 Basispunkte sowie der Wiederaufnahme des Programms zum Ankauf von Staatsanleihen. Abwärtsrisiken für die Wirtschaft könnten auch durch eine stärkere fiskalische Unterstützung und das Angebot an chinesischen Staatsanleihen abgefedert werden.

Morgan Stanley wies derweil darauf hin, dass politische Lockerungen in Asien nicht ausreichen dürften, um den Wachstumseinbruch durch die umfassenden Zölle auszugleichen. Die Analysten erwarten, dass die politischen Entscheidungsträger als Reaktion auf die US-Handelspolitik eine stärkere fiskal- und geldpolitische Lockerung einleiten werden. Allerdings sei der fiskalische Spielraum aufgrund höherer Staatsverschuldungen im Verhältnis zum BIP diesmal geringer als in der Ära Trump 1.0 zwischen 2018 und 2019.

Die Ökonomen der australischen ANZ rechnen nun mit drei Zinssenkungen in Down Under bis August, nachdem sie vor dem Zollschock nur von einer einzigen in diesem Zeitraum ausgegangen waren. Die Ankündigungen der Zölle würden noch verdaut, und die kommenden Wochen dürften mehr Klarheit über den Verhandlungsspielraum und mögliche Reaktionen der US-Handelspartner bringen.

Unter den Einzelwerten traf es in Tokio u.a. Auto- und Technologietitel überdurchschnittlich hart. Toyota sackten um 4,4, Honda um 5,5 und Mazda um 6,0 Prozent ab. Advantest knickten um 8,1 und Renesas um über 12 Prozent ein. Im Finanzsektor stürzten Mizuho Financial Group um 11 und Mitsubishi UFJ um 8,5 Prozent ab.

In Seoul gab der Kurs des Halbleiterunternehmens SK Hynix um über 6 Prozent nach. Samsung Electronics fielen um 2,6 Prozent. In den USA war der Kurs des großen Konkurrenten Apple um 9,3 Prozent in die Knie gegangen.

In Sydney trat der ASX 200 mit dem kräftigen Rücksetzer in den Korrekturmodus. Er hat von seinem jüngsten Hoch 10 Prozent an Wert verloren. Das Papier des Autozubehörherstellers Amotiv führte die Verluste an mit einem Minus von 17 Prozent. Der Kurs des Zahlungsdienstleisters Zip, der einen Großteil seines Umsatzes mit Verbrauchertransaktionen in den USA erzielt, fiel um 14 Prozent. Die Aktie des Schutzhandschuhherstellers Ansell stieg um 3,0 Prozent. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, die Preise in den USA zu erhöhen, um die Auswirkungen der Zölle auf seine überwiegend in Asien hergestellten Produkte auszugleichen.

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Index (Börse) zuletzt +/- % % YTD Ende

S&P/ASX 200 (Sydney) 7.667,80 -2,4% -2,8% 07:00

Nikkei-225 (Tokio) 33.780,58 -2,8% -10,4% 08:00

Kospi (Seoul) 2.465,42 -0,9% +2,7% 09:00

Schanghai-Comp. Feiertag -0,0%

Hang-Seng (Hongk.) Feiertag +15,7%

Straits-Times (Sing.) 3.841,06 -2,6% +4,4% 11:00

DEVISEN zuletzt +/- % 00:00 Do, 09:29 % YTD

EUR/USD 1,1056 0,0 1,1052 1,0946 +4,6%

EUR/JPY 161,33 0,0 161,26 161,34 -1,0%

EUR/GBP 0,8470 0,4 0,8434 0,8352 +2,0%

GBP/USD 1,3054 -0,4 1,3103 1,3105 +4,6%

USD/JPY 145,92 -0,0 145,92 147,40 -7,3%

USD/KRW 1.435,77 -1,1 1.451,68 1.464,52 -1,6%

USD/CNY 7,1660 -0,1 7,1751 7,1932 -0,5%

USD/CNH 7,2432 -0,5 7,2803 7,3187 -0,7%

USD/HKD 7,7740 -0,0 7,7768 7,7799 +0,1%

AUD/USD 0,6240 -1,4 0,6327 0,6299 +2,2%

NZD/USD 0,5719 -1,2 0,5790 0,5765 +3,5%

BTC/USD 83.032,00 0,3 82.747,70 83.279,15 -11,3%

ROHÖL zuletzt VT-Schluss +/- % +/- USD % YTD

WTI/Nymex 66,01 66,62 -0,9% -0,61 +1,6%

Brent/ICE 69,22 69,81 -0,8% -0,59 -6,3%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD

Gold 3100,68 3113,9 -0,4% -13,22 +19,1%

Silber 28,50 28,84 -1,2% -0,34 +11,9%

Platin 858,84 865,45 -0,8% -6,61 +2,5%

Kupfer 4,7625 4,8285 -1,4% -0,07 +17,3%

YTD bezogen auf Schlusskurs des Vortags

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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/gos/flf

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