Kontroverse um Palantir-Aktie: CEO Karp verteidigt ICE-Zusammenarbeit und US-Behördenprojekte

Palantir meldete jüngst ein Rekordquartal und setzt stärker auf US-Regierungsaufträge. Gleichzeitig sorgt die Zusammenarbeit mit Einwanderungsbehörden für Debatten.
Werte in diesem Artikel
• Nach tödlichen Vorfällen im Januar 2026 steigt der öffentliche Druck auf ICE-Partner
• ICE-Deal aus April 2025 für "ImmigrationOS" rückt Palantir ins Zentrum der politischen Debatte
• Im Earnings Call sagte CEO Karp, ICE-Kritiker sollten mehr Palantir-Einsatz fordern
Rekordquartal: Umsatz übertrifft Erwartungen deutlich
Am 2. Februar 2026 veröffentlichte Palantir die Ergebnisse für das vierte Quartal 2025. Wie aus der offiziellen Ergebnismitteilung des Unternehmens hervorgeht, erzielte das Datenanalyse-Unternehmen einen Quartalsumsatz von 1,41 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und die höchste jemals gemeldete Wachstumsrate seit dem Börsengang. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 0,25 US-Dollar. Der GAAP-Nettogewinn erreichte mit 609 Millionen US-Dollar ebenfalls einen neuen Rekordwert.
Der US-Regierungsbereich wuchs dabei kräftig weiter, die Einnahmen aus dem Government-Segment stiegen um 66 Prozent auf 570 Millionen US-Dollar. Aber auch das kommerzielle Geschäft in den USA legte rasant zu, mit einem Wachstum von 137 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 507 Millionen US-Dollar. Wie im Earnings-Call am 2. Februar 2026 erläutert wurde, zählt zu den jüngsten Großaufträgen unter anderem ein im Dezember 2025 geschlossener Vertrag mit der US-Marine im Wert von bis zu 448 Millionen US-Dollar zur Modernisierung der Schiffbau-Lieferkette.
Auch der Ausblick des Unternehmens bleibt ausgesprochen optimistisch: Laut der offiziellen Ergebnismitteilung stellt Palantir für das Gesamtjahr 2026 einen Umsatz zwischen 7,18 und 7,20 Milliarden US-Dollar in Aussicht, was einem Anstieg von mehr als 60 Prozent gegenüber 2025 entspräche. Für das erste Quartal 2026 liegt die eigene Prognose bei 1,53 bis 1,54 Milliarden US-Dollar. Das kommerzielle US-Geschäft soll 2026 um mindestens 115 Prozent auf über 3,14 Milliarden US-Dollar wachsen. Das von Peter Thiel mitbegründete und einst mit CIA-Unterstützung gestartete Unternehmen setzt dabei weiterhin auf die zunehmende Nachfrage nach KI-gestützten Datenplattformen, sowohl im staatlichen als auch im kommerziellen Bereich.
Karp verteidigt Überwachungstechnologie trotz ICE-Kontroverse
Die beeindruckenden Quartalszahlen werden jedoch von einer politischen Debatte begleitet, die das Unternehmen zunehmend unter Druck setzt. Unternehmen, die mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE zusammenarbeiten, stehen unter verschärfter öffentlicher Beobachtung. Hintergrund sind unter anderem zwei tödliche Vorfälle im Januar 2026, bei denen US-Bürger durch Bundesbeamte erschossen wurden. Palantir hatte im April 2025 einen 30-Millionen-Dollar-Vertrag mit ICE abgeschlossen, um die Plattform ImmigrationOS zu entwickeln - ein System zur Identifizierung von Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis und zur Nachverfolgung freiwilliger Ausreisen. Der Vertrag ist auf der US-Bundesvertragsplattform USAspending.gov einsehbar.
In seinem Aktionärsbrief vom 2. Februar 2026 verteidigte Karp die Technologie des Unternehmens offensiv. Er argumentierte, dass der wirksamste Schutz gegen staatliche Eingriffe in die Privatsphäre eine technische Plattform sei, die über detaillierte Berechtigungsfunktionen verfüge und so staatliches Handeln überwachbar und einschränkbar mache. Palantirs Software stelle sicher, dass staatliche Akteure nur das einsehen könnten, was sie einsehen sollen. Im selben Schreiben betonte Karp, dass ein solches Softwaresystem sowohl in der Lage sei, einen Terroranschlag zu verhindern, als auch einen verfassungswidrigen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger durch den Staat. Im die Quartalszahlen begleitenden Earnings Call ging er noch weiter und sagte, dass ICE-Kritiker eigentlich für mehr Palantir-Einsatz in der Regierung protestieren sollten.
D. Maier / Redaktion finanzen.net
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