Fed-Muster

Pre-FOMC Drift als Börsenmuster: Warum Aktienmärkte vor Fed-Sitzungen fast immer gleich reagieren

29.04.26 19:43 Uhr

Pre-FOMC Drift erklärt: Darum steigen Aktien vor Fed-Sitzungen fast immer | finanzen.net

Vor Zinsentscheiden der US-Notenbank zeigt sich immer wieder ein erstaunliches Muster. Aktien steigen, Volatilität fällt und nach der Entscheidung kippt oft die Dynamik.

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• Studien zeigen: Ein Großteil der Aktienrenditen entsteht vor Fed-Entscheidungen
• Aktien und Anleihen tendieren im Vorfeld von Fed-Sitzungen auffällig häufig nach oben
• Erwartungen, Positionierung und Gewinnmitnahmen treiben die wiederkehrende Dynamik

Das wiederkehrende Muster vor Fed-Sitzungen

Vor geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve zeigt sich an den Märkten auffallend oft das gleiche Bild. Aktien und Anleihen legen bereits im Vorfeld zu, noch bevor überhaupt eine Entscheidung gefallen ist.

Wie Bloomberg unter Berufung auf Daten von Citigroup berichtet, verzeichneten sowohl der S&P 500 als auch US-Staatsanleihen in sechs der acht in der Analyse berücksichtigten Fed-Sitzungen Wochengewinne. Strategen erwarten laut Bericht sogar, dass sich eine Rally bei Staatsanleihen zumindest bis zum eigentlichen Sitzungstag fortsetzen kann. Auffällig ist dabei, dass sich diese Bewegung nicht erst mit der Entscheidung entfaltet, sondern meist bereits Tage zuvor beginnt.

Warum die Rally oft schon vor der Entscheidung stattfindet

Die Grundlage für das Phänomen mit dem Namen "Pre-FOMC Drift" liefert eine Studie der Federal Reserve Bank of New York. Die Autoren zeigen, dass ein erheblicher Teil der Aktienrenditen rund um Fed-Sitzungen im Vorfeld entsteht.

Konkret steigt der S&P 500 im Schnitt um etwa 49 Basispunkte in den 24 Stunden vor einer Entscheidung. Nach der Veröffentlichung passiert im Durchschnitt hingegen wenig. Die Studie hält fest, dass die Renditen nach der Bekanntgabe im Mittel nahe null liegen, während sich davor eine stabile Aufwärtsbewegung beobachten lässt.

Das deutet darauf hin, dass Märkte nicht auf die Entscheidung selbst reagieren, sondern auf das, was sie im Vorfeld erwarten. Verstärkt wird dieser Effekt durch die besondere Kommunikationslage. In den Tagen vor einer Sitzung äußern sich Notenbankvertreter nicht mehr zur Geldpolitik. Gleichzeitig bündeln sich Erwartungen und Einschätzungen im Markt. Das Ergebnis ist eine Bewegung, die sich vor dem eigentlichen Ereignis aufbaut.

Wenn Unsicherheit verschwindet: Der sogenannte "VIX-Crush"

Neben den Kursen verändert sich auch das Verhalten der Märkte unter der Oberfläche. Die Studie der New Yorker Fed zeigt, dass die Volatilität in den Stunden vor einer Entscheidung tendenziell niedriger ist als an normalen Handelstagen. Erst mit der Veröffentlichung der Entscheidung steigt sie deutlich an.

Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus ein klares Bild. Vor der Entscheidung wird Unsicherheit gewissermaßen zusammengedrückt. Positionen werden aufgebaut, ohne dass neue Informationen hinzukommen. Mit der Bekanntgabe löst sich diese Spannung schlagartig. Handelsvolumen und Schwankungen ziehen an, während der eigentliche Kurseffekt oft begrenzt bleibt.

Auch die von Bloomberg zitierten Daten passen in dieses Bild. Sinkende Renditen bei Staatsanleihen und steigende Aktienkurse im Vorfeld deuten darauf hin, dass sich Erwartungen zunehmend verdichten und in die Preise einfließen.

"Buy the Rumor, Sell the News"

Ein Blick auf die bekannte Börsenweisheit "Buy the Rumor, Sell the News" hilft, diese Dynamik greifbarer zu machen. Die Idee dahinter ist einfach: Anleger reagieren frühzeitig auf Erwartungen und beginnen zu kaufen, bevor eine Nachricht offiziell bestätigt wird - sie handeln gewissermaßen mit Gerüchten. Frühe Käufer treiben die Preise nach oben, bevor eine offizielle Bestätigung erfolgt. Sobald die Nachricht dann veröffentlicht ist, nutzen viele diese Gelegenheit, um Gewinne mitzunehmen.

Genau dieses Muster lässt sich auch rund um Fed-Sitzungen erkennen. Erwartungen werden im Vorfeld eingepreist. Mit der Entscheidung selbst verschiebt sich der Fokus. Neue Käufer fehlen häufig, während bestehende Positionen teilweise wieder abgebaut werden. Selbst positive Signale führen deshalb nicht zwangsläufig zu weiter steigenden Kursen.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: tlegend / Shutterstock.com, Immersion Imagery / Shutterstock.com

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