Iran-Hoffnung und Ölpreisrutsch: Aktien von Lufthansa und TUI starten durch

Fallende Ölpreise sorgen am Freitag für Rückenwind bei Lufthansa und TUI. Anleger setzen darauf, dass niedrigere Energiekosten die Margen der Reise- und Luftfahrtkonzerne stützen könnten.
Werte in diesem Artikel
• Sinkende Ölpreise treiben Reise- und Luftfahrtwerte
• Lufthansa und TUI mit deutlichen Kursgewinnen
• Margen könnten von niedrigeren Treibstoffkosten profitieren
Neue Hoffnung auf ein Kriegsende im Iran treibt am Freitag die Aktien aus dem Reise- und Luftfahrtsektor nach oben. US-Präsident Donald Trump hatte seine für Donnerstagabend geplanten Angriffe auf den Iran abgesagt und ein baldiges Rahmenabkommen in Aussicht gestellt. Auch der Iran selbst sprach daraufhin von einem möglichen bevorstehenden Verhandlungsabschluss. Der Markt reagierte umgehend: WTI-Rohöl fällt zeitweise um 3,51 Prozent auf 84,63 US-Dollar je Barrel, Brent gibt 2,50 Prozent auf 86,90 US-Dollar nach. Das hat auch Folgen für den Aktienmarkt: Lufthansa-Titel gewannen via XETRA letztlich 5,18 Prozent auf 8,45 Euro, TUI-Aktien legten 8,69 Prozent auf 7,08 Euro zu. Auch Fraport, Airbus und MTU Aero Engines zogen an.
Für Fluggesellschaften und Reisekonzerne, deren Kerosinkosten direkt an den Ölpreis gekoppelt sind, bedeutet jeder Preisrückgang eine spürbare Entlastung der Kostenstruktur.
Zwei Treiber, ein Auslöser
Treibstoff macht bei Fluggesellschaften rund ein Viertel der Gesamtbetriebskosten aus. Die gestiegenen Kerosinpreise der vergangenen Monate hatten Luftfahrt- und Reisewerte unter Druck gesetzt. Ein dauerhafter Rückgang des Ölpreises um zehn US-Dollar je Barrel kann bei einem Konzern wie Lufthansa den operativen Gewinn um mehrere hundert Millionen Euro verschieben, ohne operativen Gegenwind. Marktexperte Chris Turner von der ING formulierte es präzise: Die Finanzmärkte reagierten mit dem zu erwartenden Optimismus auf Nachrichten, die ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran als unmittelbar bevorstehend erscheinen lassen. Der Ölmarkt ist dabei der Transmissionsriemen zwischen Geopolitik und Sektorbewertung.
Lufthansa: Günstige Kosten treffen auf stabiles Buchungsumfeld
Die Aktie der Lufthansa erlebt derzeit eine Phase mit verhaltener Analystenunterstützung. Die Deutsche Bank und DZ Bank bewerteten die Aktie zuletzt mit "Halten", Barclays stufte sie im Mai sogar auf "Underweight" ab.
Auch die Anlegerstimmung spiegelt die Sorgen wieder: Die Jahresperformance der Lufthansa-Aktie liegt bei überschaubaren +1,57 Prozent. Der operative Hebel eines niedrigeren Ölpreises könnte die Stimmung drehen, sofern die Buchungslage im Sommerhalbjahr stabil bleibt.
TUI: Sommersaison als eigentlicher Test
TUI notiert aktuell noch rund 26 Prozent unter dem Jahreshoch von 9,45 Euro vom Dezember 2025. Der heutige Kurssprung ist damit auch ein Aufholen aus einer ausgeprägten Schwächephase. Für den Reisekonzern ist der Ölpreis nur eine von mehreren Variablen, entscheidend bleibt, wie sich die Sommerbuchungen 2026 entwickeln. Günstigere Kerosinkosten verbessern die Marge je Reise, können aber schwache Nachfrage nicht ersetzen. Leerverkäufer haben TUI zuletzt mit einer erhöhten Shortquote belegt, was den heutigen Anstieg durch Eindeckungskäufe zusätzlich verstärkt haben dürfte.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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